Leeres Supermarktregal
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Hamsterkäufer außer Rand und Band: So wie in diesem Supermarkt in Dachau-Ost war Mitte März 2020 nirgendwo mehr Klopapier zu erhalten. 

Leben in der Krise

Ein Jahr Pandemie im Landkreis ‒ Die Dachauer Corona-Chronik

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Genau ein Jahr ist es her, als das Corona-Geschehen im Landkreis Dachau seinen Lauf nahm. Die Heimatzeitung hat die Pandemie in einer Chronik zusammengefasst.

Donnerstag, 5. März

Am Ende war es nur eine Frage der Zeit, nachdem in den Nachbarlandkreisen – vor allem Freising – schon etliche Coronafälle gemeldet worden waren. Am Donnerstag, 5. März, wird eine Schülerin der FOS Karlsfeld positiv getestet. Die Schule bleibt daraufhin am Freitag, 6. März, komplett geschlossen.

Sonntag, 8. März

Erstmals tritt die Koordinierungsgruppe des Landkreises öffentlich zusammen. Darin vertreten: Ärzte, Apotheker, Vertreter der Ämter, der Feuerwehr und Rettungsdienste sowie der Politik. Im Landkreis gibt es mittlerweile drei weitere Infizierte: zwei Klassenkameraden der Karlsfelder Schülerin sowie ein Kind, das mit seinen Eltern in Südtirol beim Skifahren war.

Mittwoch, 11. März

Jetzt sind es acht Infizierte und reihenweise Absagen. Die prominenteste: die Feier zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau am 29. April mit zahlreichen Zeitzeugen. Vor der anstehenden Kommunalwahl am 15. März rufen die Gemeinden auf, die Möglichkeit der Briefwahl zu nutzen.

Montag, 16. März

Die Gewinner der Kommunalwahl – allen voran OB Florian Hartmann und Landrat Stefan Löwl – haben kaum Zeit, ihre Erfolge zu feiern: Es gibt weitere fünf neue Fälle, die Ämter schränken ihren Kundenverkehr ein, Sportmannschaften gehen teilweise komplett in Quarantäne.

Dienstag, 17. März

Im Landkreis gilt der Katastrophenfall, das heißt Kunst-, Sport- und Freizeiteinrichtungen sind ab heute geschlossen. Speiselokale und Kantinen dürfen nur noch zwischen 6 und 15 Uhr geöffnet sein.

Mittwoch, 18. März

Auf dem Volksfestplatz in Indersdorf geht die zentrale Corona-Teststation in Betrieb. Für den Abstrich muss das Auto nicht verlassen werden. Das Indersdorfer Volksfest wird am selben Tag abgesagt.

Die Corona-Teststation in Indersdorf geht am 18. März in Betrieb.

Donnerstag, 19. März

Die Dachauer Tafel stellt ihren Betrieb ein. Der Grund: Hamsterkäufer, die die Supermarktregale leer räumen, so dass die Supermarktbetreiber nichts mehr abgeben können.

Montag, 23. März

Seit dem Wochenende gilt eine Ausgangsbeschränkung in Bayern. Derweil gibt es im Landkreis Dachau nun 105 Coronafälle, darunter eine Pflegekraft des Dachauer Seniorenheims Friedrich-Meinzolt-Haus.

Dienstag, 24. März

Die Heimatzeitung veröffentlicht in ihrem Lokalteil erstmals eine nach Gemeinden aufgeteilte Corona-Tabelle.

Donnerstag, 26. März

Das Gesundheitsamt meldet den ersten Corona-Toten: „ein 90-Jähriger mit Vorerkrankungen“. Im Landkreis gibt es jetzt 174 Fälle.

Dienstag, 31. März

Der Monat endet mit dem zweiten Corona-Toten – einem 90-jährigen Mann – sowie 301 Infizierten.

Donnerstag, 2. April

Die Infektionszahlen steigen sprunghaft: 378 Fälle gibt es jetzt. Um eine Überlastung der Dachauer Klinik zu verhindern, fordert die Koordinierungsgruppe Pandemie die Errichtung eines Hilfskrankenhauses im Select-Hotel in Dachau-Ost.

Polizeikontrollen am Karlsfelder See: Die Beamten überwachen die Ausgangssperre Anfang April.

Freitag, 3. April

Das Dachauer Helios Amper-Klinikum ist unter Quarantäne gestellt worden. Elf Mitarbeiter und ein Patient waren infiziert worden, nachdem ein Patient aus dem Landkreis Starnberg das Virus unbemerkt in das Krankenhaus getragen hatte.

Ostern, 11./12./13. April

Mit 667 Coronafällen geht der Landkreis ins Osterwochenende. Die großen Gottesdienste fallen aus, die Bewohner in der Klinik und den Altenheimen dürfen keine Besucher empfangen. Die Awo bietet daher ein „Plauschofon“ an – eine Telefonseelsorge gegen die Einsamkeit.

Dienstag, 14. April

Das Hilfskrankenhaus in Dachau-Ost ist einsatzfähig. Innerhalb von nur sieben Tagen haben Feuerwehr und THW das Select-Hotel in eine Klinik verwandelt. Die Zahl der Infizierten hat nun die 700er-Marke gerissen.

Montag, 20. April

Ab sofort gilt in Bayern ein Maskengebot. Das heißt, jeder Bürger sollte einen Mundschutz tragen, der gerne auch selber genäht sein darf – die Geburtsstunde der Community-Masken.

„Von wegen, dass man 20 Minuten braucht!“: Diese anonyme Nähanfängerin verzweifelte an den Masken.

Mittwoch, 23. April

805 Coronafälle zählt der Landkreis mittlerweile. Und langsam machen sich auch die ersten wirtschaftlichen Folgen bemerkbar: Dachaus Stadtkämmerei schlägt angesichts wegbrechender Gewerbesteuern Alarm.

Donnerstag, 30. April

Der Monat schließt mit 858 Coronafällen. 22 Menschen sind mittlerweile an oder in Verbindung mit dem Virus gestorben. Ministerpräsident Markus Söder war am 29. April trotz der Absage der großen Gedenkfeier in Dachau, um des 75. Jahrestags der KZ-Befreiung zu gedenken.

Montag, 4. Mai

Nach sechs Wochen dürfen die Friseure am heutigen Montag wieder öffnen. Weniger erfreulich ist dagegen der April-Bericht der Arbeitsagentur: Im Landkreis Dachau sind so viele Menschen arbeitslos wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Mittwoch, 6. Mai

Leises Durchatmen bei den Verantwortlichen: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen stagniert; aktuell liegt sie bei 883. Im Notkrankenhaus im Select-Hotel in Dachau-Ost musste noch kein Patient behandelt werden. Seit heute dürfen Kinder endlich wieder auf Spielplätzen spielen.

Montag, 11. Mai

Besuch im Krankenhaus und in Altenheimen ist wieder möglich. Auch die Amateurfußballer sollen wieder kicken dürfen. Allein: Die Hygieneregeln des Fußballverbands sind so kompliziert, dass der Sport in der Praxis nur schwer umzusetzen ist: Verboten sind beispielsweise Zweikämpfe und Kopfbälle, die Torhüter müssen regelmäßig ihre Handschuhe desinfizieren.

Der Fußball-Neustart im Mai erfolgte unter strengen Auflagen, wie Torhüter Benedikt Schestak zeigt.

Mittwoch, 13. Mai

902 Coronafälle stehen nun in der Landkreis-Statistik, 26 Todesfälle gibt es im Zusammenhang mit dem Virus zu betrauern. Der Dachauer Stadtrat diskutiert derweil die Frage, ob es als Ersatz für das abgesagte Volksfest eine Drive-In-Wiesn geben soll. Klare Antwort: Nein!

Montag, 18. Mai

Die Biergärten dürfen wieder öffnen, die Schausteller – wie die Röhrmooser Familie Senefelder – fühlen sich dagegen von der Politik vergessen. 912 Coronafälle meldet die Landkreis-Statistik.

Freitag, 22. Mai

Dachau feiert auf der Thomawiese das erste Autokonzert seiner Geschichte. 915 Coronafälle stehen zu Buche.

Dienstag, 26. Mai

Das Hilfskrankenhaus im Select-Hotel in der Dachauer Newtonstraße ist Geschichte, die Einrichtung mit ihren 99 Betten wird zurückgebaut. Behandelt werden musste in den fünf Wochen seines Bestehens dort kein einziger Patient. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt derweil weiter: Erstmals gibt es nun Tage ohne eine einzige Meldung.

Matratzen raus: Das an Ostern eröffnete Hilfskrankenhaus in Dachau-Ost wird nach nur fünf Wochen zurückgebaut, das Hotel ist wieder ein Hotel.

Freitag, 5. Juni

Trotz der jüngsten Lockerungen leiden Jugendliche besonders unter der Pandemie. Eine von der örtlichen Jugendarbeit der Gemeinde organisierte Demo in Petershausen soll nun auf die Einschränkungen aufmerksam machen.

Donnerstag, 18. Juni

Endlich wieder Filme und Popcorn! Das Dachauer Cinema öffnet wieder. Die Zahl der Coronafälle im Landkreis liegt bei 920.

Mittwoch, 1. Juli

Das Dachauer Freibad muss öffnen. Dies beschloss der Stadtrat nach langer Diskussion mit den Stadtwerke-Verantwortlichen. Wegen Bauarbeiten, vor allem aber wegen des hohen Aufwands, die Corona-Auflagen zu erfüllen, hatten sich die Stadtwerke gegen die Öffnung ausgesprochen.

Freitag, 10. Juli

Das Bürgertelefon, das das Landratsamt seit Mitte März für alle Fragen zur Coronapandemie geschaltet hatte, wird abgeschaltet. Fortan sollen sich die Bürger wieder ausschließlich online über die Landratsamtsseite über den Sachstand informieren. 939 Coronafälle gibt es nun im Landkreis.

Samstag, 11. Juli

Im Interview mit der Heimatzeitung zieht Klinik-Oberarzt Alexander von Freyburg eine Bilanz. Man sei bis dato gut durch die Krise gekommen, aber „mit dem Ende der Urlaubszeit kommt die Stunde der Wahrheit“.

Samstag, 25. Juli

Der Landkreis verabschiedet sich in die Ferien. Selten wird noch mehr als ein neuer Coronafall täglich gezählt. Ende Juli weist die Statistik 970 Fälle aus, die Zahl der sogenannten Corona-Toten ist seit Juni unverändert: 29.

Mittwoch, 12. August

Die Fallzahlen überspringen die 1000er-Marke.

Donnerstag, 18. August

Die Heimatzeitung weist erstmals die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis aus. Sie liegt bei 23,94. Als Grund für den jüngsten Anstieg der Infektionszahlen gelten die „Balkan-Rückkehrer“.

Freitag, 28. August

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 26,6, insgesamt hat der Landkreis jetzt 1087 Coronafälle. Die aktuell Infizierten kommen laut Landratsamt fast ausschließlich aus dem Urlaub – aus Kroatien und Griechenland. Am Indersdorfer Testzentrum kann man sich nun auch ohne Krankheitssymptome testen lassen.

Dienstag, 1. September

Das Karlsfelder Pflegeheim Anna-Elisabeth gilt als „lokaler Hotspot“: 14 Bewohner und sechs Mitarbeiter sind positiv. Eine 86-Jährige starb in Folge ihrer Infektion. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 32,2. Das Corona-Bürgertelefon des Landratsamtes ist wieder geschaltet.

Mittwoch, 2. September

Die Indersdorfer Teststation erlebt einen Ansturm. Mitunter betrug die Wartezeit drei Stunden. Auch das Labor, das die Tests auswerten soll, ist überfordert: Bis die Getesteten ihr Ergebnis erhalten, vergeht eine Woche.

Dienstag, 8. September

Erster Schultag. Für die Schüler gilt Maskenpflicht und ein Stufenplan: Normaler Regelunterricht ist möglich bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50; ab dann müssen die Klassen dann wieder geteilt und Wechselunterricht eingeführt werden.

Samstag, 19. September

Ab heute ist in Bayern wieder Amateursport – also Wettkampfbetrieb für alle Kontaktsportarten – erlaubt. Die Sieben-Tage-Inzidenz schwankt derweil: zwischenzeitlich bei unter 15 ist sie nun bei 26. Die Gesamtzahl der Infizierten liegt bei 1201.

Montag, 5. Oktober

Der Oktober startet ruhig. Die Inzidenz sinkt auf 8,45. Allerdings sind annähernd 300 Landkreisbürger in Quarantäne, die Gesamtzahl an Infektionen liegt bei 1262.

Samstag, 11. Oktober

Die Corona-Fälle werden wieder mehr. 1307 sind es. Die Nachverfolgung der Infektionsketten wird wieder schwerer, wie das Landratsamt mitteilt.

Dienstag, 13. Oktober

Der Anstieg der Infektionen hat nun Konsequenzen: Mit einem Inzidenzwert von knapp unter 35 (34,4) sind nun bei Feiern nur noch 25 Personen erlaubt, ab der fünften Schulklasse gilt wieder Maskenpflicht im Unterricht.

Donnerstag, 15. Oktober

Die Sieben-Tage-Inzidenz hat die 50er-Marke erreicht. Im Krankenhaus wird derzeit jedoch kein einziger Covid-Patient behandelt.

Samstag, 17. Oktober

Die Inzidenz liegt bei 64,33. Der Landkreis gilt nun als „rot“ auf der Corona-Ampel. Landrat Stefan Löwl fordert den „privaten Lockdown“. Weil sich so viele Menschen wie noch nie gegen Grippe impfen lassen wollen, wird im Landkreis der Grippe-Impfstoff knapp.

Donnerstag, 22. Oktober

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 75, es gibt nun 1473 gemeldete Fälle. Auch im Klinikum ändert sich die Lage: Aktuell sind dort fünf Covid-Patienten in Behandlung. Derweil macht eine Elternbewegung gegen die Maskenpflicht mobil.

Samstag, 31. Oktober

Wegen des beschlossenen Teil-Lockdowns sind Sportvereine, Gastronomen und Kinobetreiber sauer. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun bei 102,65. Das Dachauer Klinikum läuft aber noch im Normalbetrieb, wie Geschäftsführer Florian Aschbrenner erklärt.

Montag, 2. November

An einem Wochenende 119 neue Fälle. Das ist laut Landratsamt der bis dahin höchste je verzeichnete Anstieg im Landkreis. Die Sieben-Tage-Inzidenz klettert auf über 120. Weil auf öffentlichen Verkehrsflächen jetzt auch Maskenpflicht gilt, führt die Polizei Kontrollen durch.

Dienstag, 3. November

53 neue Fälle. Inzidenz bei über 150. Weil am Klosterkindergarten mehrere Erzieherinnen erkältet sind, funktioniert das Corona-Betreuungskonzept nicht mehr. Folge: Die Einrichtung wird bis Ende der Woche geschlossen.

Montag, 9. November

Die Inzidenz steigt übers Wochenende von 213,7 am Freitag, 7. November, auf 246,6. Grund dafür ist auch der Ausbruch im Seniorenheim Curanum in Karlsfeld: Dort sind 48 Bewohner und 30 Mitarbeiter infiziert.

Montag, 30. November

Die Zahlen sanken zuletzt, der Monat schließt nun mit einer Inzidenz von 204. Fällt der Wert unter die 200er-Marke, gilt der Landkreis offiziell nicht mehr als „Hotspot“.

Dienstag, 8. Dezember

Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich im Landkreis konstant um die 200er-Marke. Der Freistaat ruft derweil den Katastrophenfall aus – und verschärft die Kontaktbeschränkungen. CSU-Politiker im Landkreis halten die Maßnahmen teils für überzogen, teils für notwendig, teils für nicht ausreichend.

Dienstag, 15. Dezember

Jetzt gilt auch im Landkreis die Ausgangssperre, die Sieben-Tage-Inzidenz ist angestiegen auf 223,4. Das Dachauer Klinikum hält die Belegungssituation mit Covid-Patienten für „beherrschbar“. Derweil sind die beiden Impfzentren in Dachau und Karlsfeld einsatzbereit. „Der Landkreis ist bereit zum Impfen!“

Weihnachten, 24. Dezember

Am Testzentrum Indersdorf war in den Tagen vor Weihnachten die Hölle los, 600 Personen allein am Dienstag und Mittwoch. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist aber wieder deutlich gesunken, auf 160,1. 4442 Fälle stehen in der Statistik sowie 86 Tote.

Sonntag, 27. Dezember

„Die Wende in der Pandemie“ soll sie bringen, die neue Corona-Schutzimpfung. Der 92-jährige Horst Oschmann aus Dachau und 20 weitere Bürger sind die Ersten, die den begehrten Pieks erhalten. Ab 2. Januar, verspricht Landrat Löwl, könnten sich dann auch alle anderen Bürger, die der obersten Impf-Prio-Gruppe angehören, für einen Termin in den Impfzentren anmelden.

Historischer Moment: Horst Oschmann und eine BRK-Helferin Diana Tielman nach der ersten Corona-Impfung im Landkreis. Nach dem von viel Politik begleiteten Impfstart gerät die Impfkampagne im Landkreis jedoch heftig ins Stottern.

Donnerstag, 31. Dezember

Das Jahr endet bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 147,8. 4669 Corona-Fälle führt die Landkreisstatistik, ebenso 89 Tote. Die Intensivstation der Klinik zählt derzeit 24 Covid-Patienten. Silvesterfeiern mit Feuerwerken sind verboten.

Montag, 4. Januar

Die Feuerwehren, THW und Wasserwacht klagen, wegen Corona nicht mehr vernünftig üben zu können. Dennoch, so die Botschaft der Rettungskräfte, „brauchen sich die Menschen keine Sorgen machen. Wir sind bereit“! Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt derweil auf 116.

Donnerstag, 7. Januar

Das Jahr startet mit einem Corona-Ausbruch im Indersdorfer Krankenhaus, das auf Altersmedizin spezialisiert ist. 13 Patienten und elf Mitarbeiter wurden dort positiv getestet. Die Infektionszahlen im Landkreis aber sind weiter rückläufig, die Inzidenz sinkt mit 93 erstmals seit Wochen wieder unter 100.

Freitag, 8. Januar

Die Bürger sind wütend, verzweifelt, entsetzt: Weil Impfstoff fehlt, können auch die angekündigten Terminvereinbarungen nicht stattfinden. Die teilweise hochbetagten Impfwilligen hängen stundenlang in Telefon-Warteschleifen fest.

Montag, 11. Januar

Schulstart nach den Weihnachtsferien. Die Lernplattformen für die Schulen sind überlastet; Kinder und Eltern verzweifeln. Und die Ankündigung, dass die Faschingsferien ausfallen, sorgt ebenfalls für Unmut. Die Inzidenz ist wieder über 100.

Dick eingepackt für den Unterricht im Garten: Selina Seebauer während ihres Referats per Laptop und Handy. Nur draußen hat sie ausreichend Internet.

Mittwoch, 13. Januar

Das Karlsfelder Impfzentrum, als Containeranlage angelegt, gerät in die Kritik. Die Senioren müssen draußen in der Kälte warten, die Wege zwischen den Containern sind weder geräumt noch gestreut. Die Verantwortlichen geloben Besserung und bitten, pünktlich zum Termin zu erscheinen – nicht schon eine Stunde vorher.

Startschwierigkeiten hatte das Impfzentrum Karlsfeld. Die Wege waren nicht geräumt, vereist und die Senioren warteten in der Kälte. Mittlerweile wurde die Anlage umgebaut.

Montag, 18. Januar

Bayern führt die FFP2-Maskenpflicht ein. Die Apotheker im Landkreis beruhigen: „Wir haben genügend Masken für alle!“ Außerdem bieten sie Hilfe an bei der Impfregistrierung: Das Anmeldesystem wird nämlich immer komplizierter. Für die Online-Anmeldung braucht nun jeder eine eigene E-Mail-Adresse. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist wieder auf über 140 gestiegen.

Dienstag, 19. Januar

Im Franziskuswerk Schönbrunn gibt es einen Ausbruch: 29 Bewohner und elf Mitarbeiter sind erkrankt. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 147,2.

Freitag, 29. Januar

Die britische Covid-Variante B.1.1.7. wird erstmals auch in Dachau festgestellt. Ein 38-Jähriger wird deswegen im Klinikum behandelt. Die Inzidenz ist in den vergangenen Tagen dennoch stark gesunken: Sie liegt bei 105,2. Das Landratsamt betont jedoch, dass diese Zahl immer noch zu hoch sei. Richtigerweise liege Dachau nun bei unter 75.

Dienstag, 2. Februar

35 Bewohner und 13 Mitarbeiter der Seniorenresidenz Pro Seniore sind mit dem Coronavirus infiziert. Vier hochbetagte Menschen sterben an den Folgen ihrer Infektion. Damit steigt die Zahl der Toten auf 109.

Freitag, 5. Februar

Der Landkreis entschuldigt sich in einem Schreiben an die Bürger der obersten Impf-Prioritätsstufe für die Impf-Pannen. Die Fallzahlen gehen weiter zurück, die Inzidenz sinkt auf 67,8.

Montag, 8. Februar

Während private Zusammenkünfte in größerer Runde seit Wochen verboten sind, treffen sich die Parteien derzeit zur Wahl ihrer Delegierten für die Nominierung der Bundestagskandidaten – in Präsenz, im Wirtshaus. Viele Bürger können die Regeln nicht mehr verstehen. Der Sieben-Tage-Wert liegt bei 56,2.

Mittwoch, 17. Februar

Die Hilferufe aus der Wirtschaft werden lauter, Friseure, Wirte und Einzelhändler fürchten um ihre Existenz. Die Johanniter als Betreiber des Karlsfelder Impfzentrums derweil reagierten auf Kritik: Sie gestalteten das Impfzentrum um, statt Container gibt es nun ein großes Zelt; niemand muss mehr in der Kälte warten. Inzidenz: 49,7.

Donnerstag, 18. Februar

Der Lockdown wird verlängert, wobei der Trend im Landkreis weiter nach unten zeigt: Die Inzidenz liegt bei 38,7. Ab 35, so Landrat Löwl, seien „Zusatzlockerungen möglich“.

Dienstag, 23. Februar

Die Infektionskurve stagniert, sie fällt nicht mehr. Das ist laut Regierung der Grund, warum es in Dachau keine Lockerung – beispielsweise bei der Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen – geben kann. Die Inzidenz bewegt sich um die 35.

Sonntag, 28. Februar

Das Dachauer Volksfest wird auch im Jahr 2021 nicht stattfinden. Aber immerhin wirken sich die (langsamen) Impfungen langsam aus: Die Corona-Infizierten werden jünger, laut Landratsamt sind die Betroffenen „alle unter 60“. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 43,3. Die Gesamt-Fallzahl Ende Februar bei 5761.

Stimmen zum Einjährigen: Wie hat die Pandemie uns und unser Leben verändert?

Dr. David Althaus, Psychologe aus Dachau:

„Für die Mehrzahl der Menschen ist Corona weniger eine wirtschaftliche als vielmehr eine psychische Herausforderung. Corona hat zur Folge, dass viele ihr übliches Gleichgewicht verlieren und bedrohlich in Schieflage geraten. Lagerkoller ist ein Wort, das diese Verfassung ganz gut beschreibt. Man geht sich und anderen vermehrt auf den Wecker und leidet unter einer Überdosis erzwungener Nähe oder Distanz. Aber eine Schieflage ist natürlich auch eine Chance, sich neu zu justieren und Prioritäten zu verändern. Um diese Herausforderung gut zu meistern, brauchen wir noch dringender als sonst Gelassenheit und Geduld. Manche dieser Veränderungen werden uns über Corona hinaus guttun.“

Landrat Stefan Löwl:

„Auch wenn auf den Bereichen Vorsorge und Katastrophenschutz künftig sicherlich ein größerer und vor allem auch anderer Fokus liegen wird, bin ich mit Blick auf das letzte Jahr doch froh und zufrieden, wie wir die sich ständig ändernden Herausforderungen hier vor Ort gemeistert haben. Mein Dank gilt dabei den unzähligen Experten, Akteuren, Unterstützern in allen Bereichen, aber auch einem Großteil der Bevölkerung, der sich in dieser Krise diszipliniert und verantwortungsbewusst verhalten hat.“

Dr. Monika Baumgartner, Leiterin des Dachauer Gesundheitsamts:

„Die Coronapandemie hat das Team des Gesundheitsamtes, das seit einem Jahr sieben Tage die Woche unermüdlich im Einsatz ist, ungemein zusammengeschweißt. Die täglichen Analysen der Fallzahlen, die Nachverfolgung von Infektionsketten, die Etablierung von Schutzkonzepten sowie die Sorge um mögliche Ausbrüche in Alten- und Pflegeeinrichtungen haben unseren Arbeitsalltag geprägt und verändert.“

Andreas Wilhelm, Vorsitzender des ASV Dachau:

„Es wird Zeit für die Wiedereröffnung. Nicht nur die fehlende Bewegung, sondern auch die fehlenden sozialen Kontakte haben große Spuren hinterlassen. Erschreckend ist aber, dass die Stadt anstatt jetzt in die Gesundheit der Bevölkerung zu investieren, darüber nachdenkt, die Mittel für den Sport zu kürzen. Die Sportvereine leiden unter den Auswirkungen der Pandemie und gerade jetzt wäre es wichtig vor allem die Kinder – aber auch alle anderen Altersgruppen wieder zum Sport und zur Bewegung zu bringen. Anstatt hier finanziell zu stützen, wird gar über eine Streichung der Sportförderung nachgedacht. Sport macht gesund und leistet einen der wichtigsten Bausteine für die Gesundheit und die Widerstandskraft der Bevölkerung gegen das Virus.“

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