+
Wunderschöne alte Stadthäuser prägen auf der einen Seite das Bild der Martin-Huber-Straße.

Alte Häuser dürfen nicht abgerissen werden

Stadt stellt alte Häuser unter Schutz

  • schließen

Bauamtsleiter Moritz Reinhold schlug dem Bauausschuss vor, eine sogenannte Erhaltungssatzung für die Martin-Huber-Straße und den Amperweg zu erlassen. Die Häuser stehen nun unter Schutz.

Dachau – Die CSU sprach von „Enteignung“, die SPD von der „Identität unserer Stadt“. Dazwischen gab es – nichts. Eine Kompromisslösung konnte es in der Frage, ob die Martin-Huber-Straße und der Amperweg per Erhaltungssatzung geschützt werden sollen, nicht geben.

Die Idee der Satzung kam von Bauamtsleiter Moritz Reinhold selbst. Gut ein Jahr, nachdem er den Chefsessel im Bauamt von Michael Simon übernommen hatte, ist dies nun sein erstes Projekt, mit dem er der Stadt seinen Stempel aufdrücken wird.

Reinhold ist nämlich der Meinung, dass im Verlauf der Martin-Huber-Straße und des Amperwegs noch Häuser stehen, die vielleicht nicht den hohen Anforderungen des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege entsprechen, aber durchaus unter sogenannten kommunalen Denkmalschutz gestellt werden sollten. Konkret geht es ihm um die zirka 20 Anwesen, die in den Jahren zwischen 1910 und 1930 gebaut wurden und durch ihre „individuellen Gestaltungsmerkmale wie zum Beispiel Dächer mit Schopfwalmen, Fassadengliederungen durch Vorsprünge, Erker und Gesimse sowie mehrflügeligen Fenstern einen besonderen Charakter“ hätten.

Eine Erhaltungssatzung könnte nun verhindern, dass diese Häuser abgerissen oder verändert würden. Jede Nutzungsänderung, so Reinhold, bedarf dann „einer zusätzlichen Genehmigung durch die Gemeinde“. Dadurch erhalte die Stadt „einen Ermessensspielraum, den wir individuell nutzen können.“ Mittels eines normalen Bebauungsplans könne man diesen konkreten Schutz der alten Häuser dagegen nicht sicherstellen.

Anlass für seine Initiative ist der Plan des Eigentümers des Anwesens Martin-Huber-Straße 13, das Haus abzureißen. Wenn der Stadtrat ihm jetzt folge, „können wir das Haus noch schützen“, warb Reinhold. Grundsätzlich, so Reinhold, „hat Eigentum ja auch Gemeinnützigkeit“.

Eine Erhaltungssatzung – die für den Bereich Martin-Huber-Straße 1 bis 21, Amperweg 2 bis 14, Dr.-Engert-Straße 6 sowie die Ludwig-Thoma-Straße 24 gelten würde – könnte damit verhindern, dass in der „ersten Reihe ein Klotz steht, der sich nicht in das Straßenbild einfügt“.

Genau dieses einheitliche Straßenbild aber stellte die CSU-Fraktion in Frage: Schon zu viele „Klötze“ seien in der Martin-Huber-Straße gebaut worden, um dort noch von einem „prägenden Bild“ sprechen zu können. Der Eingriff der Kommune in das Eigentum sei zudem „sehr stark“.

Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) sowie ihr ÜB-Kollege Rainer Rösch nannten das Kind beim Namen: „Das ist Enteignung.“ August Haas (CSU) erinnerte zudem daran, dass in direkter Nachbarschaft zur Martin-Huber-Straße etwas wirklich „Prägendes“ entstehe: „Auf dem MD-Gelände werden fünfstöckige Gebäude genehmigt. Das ist nicht fair, wenn man dann bei den Kleinen vornrum Einschränkungen macht!“

Oberbürgermeister Florian Hartmann gab zu, auch erst durch Reinhold auf das „Prägende“ in der Martin-Huber-Straße aufmerksam geworden zu sein. „Aber wenn man es bewusst wahrnimmt, sieht man schon, dass es da eine charakteristische Abfolge von Bauformen gibt.“

Volker C. Koch (SPD) befand, dass „auch dieser Teil der Stadt es wert ist, erhalten zu werden“. Natürlich handle es sich um einen Eingriff in Eigentum, „aber es geht ja nicht drum, dass die Eigentümer gar nix mehr dürfen“. Explizit lobte er Amtsleiter Reinhold: In der Stadt gebe es eine „Struktur, die nun, unter neuer Leitung, auch gesehen wird“!

Horst Ullmann (Bürger für Dachau) versuchte schließlich, die festgefahrene Diskussion durch die Erinnerung an alte Zeiten aufzulockern. Das Haus Nummer 13, berichtete er, sei nämlich nicht nur „wunderschön“, sondern er habe dort auch „immer Weihnachtsgeschenke“ gekauft!

An welchem Argument genau es am Ende lag, ist nicht belegt. Fest steht, dass der Ausschuss mit acht zu sechs Stimmen knapp für die neue Erhaltungssatzung stimmte.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Im Doppeldecker von Dasing nach Pasing
Der Landkreis Dachau hat gehandelt: In Eigenregie bietet der Kreis einen Schnellbus von Pasing nach Dasing an. Noch gilt es einige Details zu klären. Sind diese gelöst, …
Im Doppeldecker von Dasing nach Pasing
Gasalarm an Tankstelle
Austretendes Gas hat in Sulzemoos am Montag vormittag zur Evakuierung einer Tankstelle in der Hauptstraße geführt. Beim Tanken eines Subaru trat Gas aus, es bestand …
Gasalarm an Tankstelle
Rosmarie aus Dachau
Die Eltern Maria Konrad und Papa Johannes Spannraft freuen sich sehr über ihre erste Tochter. Nach Xaver (3 Jahre) und Leonhard (1 Jahr) kam jetzt Nesthäkchen Rosmarie …
Rosmarie aus Dachau
Anastasia Leia aus Dachau
Cornelia und Maximilian Morgott sind überglücklich: Ihre erste Tochter Anastasia Leia hat im Helios-Amperklinikum das Licht der Welt erblickt. Das Baby war bei seiner …
Anastasia Leia aus Dachau

Kommentare