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Wind und Wetter sind Eisläufer in Dachau ausgeliefert. Doch bald wird aus dem Freiluft- ein Hallensport: In Zeiten immer wärmer werdender Winter will die Stadt mit dem Bau einer Halle langfristig ihren Eissport sichern.

Auswirkungen der Coronakrise

Einsparungen in Dachau: Die Eishalle liegt erst mal auf Eis

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Buchstäblich frostige Stimmung herrschte am Mittwoch im Rathaus. Grund: Die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss mussten, von den Auswirkungen der Coronakrise gezwungen, diverse geplante Projekte „einfrieren“. Darunter: die seit Jahren umstrittene Eishalle.

 

Dachau – Dass der Haushalt in diesem Jahr „schwierig“ werden würde, war laut Kämmerer Thomas Ernst schon vor der Coronakrise klar. Jetzt, angesichts drohender Steuerausfälle, sei er allerdings „noch schwieriger“ geworden.

Für die Stadträte bedeutete dies: den diesjährigen Haushalt Punkt für Punkt durchgehen und nach Einsparmöglichkeiten durchforsten. Gestrichen werden sollte dabei vorerst mal nichts, sondern nur eingefroren. Für den Stellenplan etwa bedeutete dies, dass die Einstellung eines sogenannten Mobilitätsmanagers ebenso verschoben wird wie die eines weiteren Finanzbuchhalters.

Die größten Diskussionen – und das größte Sparpotenzial – sah Kämmerer Ernst im Bauetat. Dieser sei „höchst problematisch“, es sei „enorm, was da für große bauliche Maßnahmen drin sind“. Seiner Meinung nach „wird es nicht möglich sein, die alle zu realisieren“.

Ganz oben auf der Liste der Projekte, die auf der Kippe stehen, ist nun mal wieder die Eishalle, deren Bau beziehungsweise vor allem deren Standort in den vergangenen drei Jahren für jede Menge Zündstoff im Stadtrat gesorgt hatte. Zuletzt, im Februar, war das Projekt jedoch final auf den Weg gebracht worden, als Standort entschied man sich für den südlichen Teil des ASV-Geländes an der Gröbenrieder Straße. Laut Plan sollte in diesem Jahr die Planung des Baus ausgeschrieben werden, 90 000 Euro sah der im Dezember verabschiedete Haushalt dafür vor. In den Folgejahren sind Kosten von rund zehn Millionen Euro vorgesehen.

Einstimmig entschied sich das Gremium nun aber dafür, das Projekt erst mal zu stoppen. Der vom ESV Woodpeckers noch einmal vorgelegte Vorschlag, die alten Pläne für einen Hallenbau an der Wallbergstraße aus der Schublade zu ziehen und gegen einen „Zuschuss“ von 8,5 Millionen Euro selbst zu bauen, wurde vom Gremium nicht einmal ansatzweise diskutiert.

Sportreferent Günter Dietz (CSU) nämlich blieb dabei: Den Hallenbau nun zu verschieben, sei „recht und schön“. Aber man solle ihn trotzdem „nicht aufs lange Eis schieben“. Schließlich gebe es geltende Beschlüsse. Und: „Es hängt die Halle des ASV dran!“ Tatsächlich hatte der Stadtrat nämlich vor Jahren entschieden, dass der ASV Dachau seine dringend benötigte moderne Turnhalle auf der Fläche der jetzigen Eisfläche bauen soll – und das geht erst, wenn die neue Halle, weiter südlich auf dem Gelände, einsatzbereit ist.

So sah es auch Jürgen Seidl (FDP), der namens der ÜB-Kollegen dafür warb, sich schon heute mit dem Namen des Baus zu beschäftigen. „Fakt ist“ nämlich, so Seidl, „dass die Halle beschlossen wurde. Weiteres Zuwarten verändert die Sache in keinster Weise“. Seidl unterstützte daher auch die Idee seiner ÜB-Stadtratskollegen, die Sportstätte nach Hans-Jürgen Bäumler zu benennen. Denn: „Wenn wir schon so einen renommierten Sportler haben, dann sollten wir auch die Chance nutzen, die Halle nach ihm zu benennen.“ Da Bäumler der Idee positiv gegenüber steht (siehe Interview unten), stelle sich durch eine Ablehnung der ÜB-Idee auch die Frage: „Wollen wir ihn wirklich verprellen?“ Und wenn man schon über mögliche Namen rede: Eine „Eon-Arena“ oder eine „Woodpeckers-Halle“ komme für ihn nicht in Frage!

Michael Eisenmann (Bündnis) wand jedoch ein, dass Bäumler „sicherlich ein bekannter Mann“ sei, der zur „Entwicklung von Dachau aber wenig beigetragen“ habe. Christa Keimerl (SPD) fand auch, dass „jungen Leuten in Dachau Hans-Jürgen Bäumler kein Begriff ist“.

Florian Schiller (CSU) hielt dagegen, dass es darum ja genau gehe, wenn man ein Bauwerk nach einer Person benenne: dass man denjenigen im Gedächtnis behalte. Die CSU fand den Vorschlag daher „grundsätzlich gut“.

Da die Planung der Halle aber nun vorerst auf Eis gelegt wurde, einigte man sich im Stadtrat darauf, auch die Namensgebung einzufrieren. Oberbürgermeister Florian Hartmann formulierte es so: „Ich tu mich schwer, dem Namen zuzustimmen, wenn ich noch nicht mal weiß, ob wir überhaupt die Halle kriegen“.

Interview mit  Hans-Jürgen Bäumler

Herr Bäumler, Dachau soll eine Eishalle bekommen, die nach dem Willen zahlreicher Stadträte Ihren Namen tragen soll. Wie finden Sie das? 

Hans-Jürgen Bäumler: Ich habe das mit einem Ohr auch schon gehört und finde das natürlich eine Ehre. Wer würde sich da nicht geehrt fühlen? 

Dachau hat nach wie vor nur eine Freieisfläche. Ist das noch zeitgemäß? 

Nein. Als ich in Dachau das Eislaufen gelernt habe, hat man einfach Wasser auf den Schulhof gespritzt und los ging’s für uns Kinder. Aber damals waren die Winter einfach noch ganz anders. Als ich 1963 in Cortina d’Ampezzo Weltmeister wurde, da sind wir im Freien gelaufen – bei minus 16 Grad! Das dürfte heute nicht mehr möglich sein... Und darum muss man eben heute in Hallen gehen.  Für Eissport draußen ist es einfach zu warm. 

Wird sich dadurch der Eissport verändern?

Ich glaube, ja. Für so eine Eishalle zahlt man Eintritt, man fährt ein paar Runden im Kreis. Im Grunde sind das nicht nur Sportstätten, sondern auch Treffpunkte, vor allem für die Jugend. 

Jetzt mal angenommen, Dachau bekommt nach der Coronakrise tatsächlich eine Eishalle, würden Sie bei der Eröffnung ein paar Runden drehen?

Sie sind gut, ich bin 78! 

Trotzdem, würden Sie?

Na klar! Zur Not auch auf einem Bein. Als ich zuletzt, das war vor fünf Jahren, nochmal mit der Marika (Kilius, Anm. d. Red.) bei einer Gala 1:10 Minuten gelaufen bin, standen die Leute vor Begeisterung von den Sitzen auf.

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