Eine Gruppe FC-Bayern-Hooligans warteten am Dachauer Bahnhof auf Löwen-Fans, die sie zusammenschlagen und ihnen das T-Shirt abnehmen wollten (Symbolbild).

Prozess am Dachauer Amtsgericht

FC-Bayern-Hooligan verurteilt: „Menschenjagd“ auf Löwen-Fans

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Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen fand am Dachauer Amtsgericht am Montag ein Prozess gegen ein Mitglied der FC-Bayern-Hooliganszene statt. Der Vorwurf: Der Angeklagte soll am Dachauer Bahnhof eine „Menschenjagd“ auf Löwen-Fans veranstaltet haben. Mit blutigen Folgen.

Dachau – Für Fans des TSV 1860 München war der 27. Mai 2018 ein guter Tag. Mit einem 2:2 gegen den 1. FC Saarbrücken machten die Löwen den Aufstieg in die Dritte Liga perfekt.

Unter den 12 500 Zuschauern im ausverkauften Grünwalder Stadion waren auch einige Dachauer, die entsprechend beglückt in den Stunden nach dem Spiel die Heimreise aus der Landeshauptstadt antraten. Was die Bahn-Fahrer unter ihnen nicht wussten: Am Dachauer Bahnhof erwartete sie eine Gruppe junger Männer, die sich absolut nicht mit den Sechzgern freuen wollten. Im Gegenteil.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft und gedeckt von den Videoaufzeichnungen der rund um den Bahnhof und das Fahrradparkhaus aufgestellten Kameras drückte sich eine Gruppe junger Männer herum, die dem Szene-Umfeld der FC-Bayern-Hooligans angehörte. Sie warteten ganz offensichtlich auf Löwen-Fans, die sie – im geeigneten Moment – zusammenschlagen und ihnen deren blaues Fan-Shirt abnehmen wollten.

Die Gruppe Hooligans war zwar vermummt, aber dank der Kamerabilder sowie der Informationen sogenannter Szenekundiger Beamter aus München gelang es den ermittelnden Kripo-Männern, den Haupttäter zu identifizieren und gestern vor das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Calame zu bringen. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Verhandlung waren bemerkenswert: Ausweise wurden doppelt kontrolliert, an der Tür hing eine Anordnung mit Verhaltensregeln , die die „Sicherheit und Ordnung“ während des Prozesses sicherstellen sollten.

Der 27-jährige Haupttäter erschien dann aber doch nur mit seinem Anwalt. Zur Hooligan-Szene allgemein oder die Tatumstände am 27. Mai 2018 im besonderen wollte er sich nicht äußern. Über seinen Verteidiger ließ er lediglich eine Erklärung verlesen, die – mit den Aussagen der Zeugen und Geschädigten – ein erschütterndes Bild falsch verstandener Fußball-Liebe ergaben.

So passte die Gruppe Hooligans bereits gegen 19 Uhr einen 21-jährigen Biberbacher ab, der vom Bahnhof gerade zu seinem Auto gehen wollte. Einer brüllte den Löwen-Fan an: „Gib mir dein Shirt, oder ich brech dir die Nase!“ Der Azubi aus Biberbach reagierte jedoch blitzschnell, schaffte es irgendwie, sein Auto zu starten und davonzufahren.

Einen anderen Sechzger-Fan fasste der Haupttäter entsprechend der Kamera-Bilder zwar ins Auge, verfolgte ihn kurz, ließ dann aber wieder von seinem Plan ab – der Sechzger-Fan war schnell unterwegs, zudem kamen gerade andere Passanten an der Szene vorbei.

Ein 26-jähriger Bankkaufmann aus Dachau hatte drei Stunden später aber weniger Glück. Etwas angetrunken wollte er im Radlparkhaus am Bahnhof gerade sein Fahrrad holen. Plötzlich lief eine Gruppe Männer auf ihn zu, einer verpasste ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Er sei umgefallen, benommen gewesen und „das Nächste, was ich weiß, ist, dass ich mit nacktem Oberkörper blutend auf dem Boden lag“, berichtete der junge Mann vor Gericht. Die Täter hätten ihm nach dem Schlag blitzschnell sein Löwen-Fanshirt ausgezogen sowie das am Gürtel hängende zweite Shirt ebenfalls abgenommen. Geldbeutel oder Handy des Opfers interessierten die Schläger dagegen nicht. Die Trikots, so der Staatsanwalt, seien „eine Art Trophäe“ gewesen.

Der 26-Jährige wurde durch den Überfall schwer verletzt, er erlitt eine Nasenbeinfraktur, an deren Folgen er – beispielsweise beim Sport – noch heute leidet. Was sich ihm von dem blitzschnell ausgeführten Überfall besonders eingeprägt hat: die um Mund und Nase gebundene schwarze Maske des Täters, auf der ein Totenkopf abgebildet war. Die Entschuldigung des Angeklagten nahm der Dachauer nicht an, denn: „Eineinhalb Jahre später, genau am Tag der Verhandlung, fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Entschuldigung von Herzen kommt.“

Richter Calame und die Schöffinnen sahen es ähnlich, hielten dem 27-Jährigen, der noch in Gerolsbach bei seinem Vater lebt und mittlerweile eine feste Arbeit hat, jedoch zugute, dass er mit dem gezahlten Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro „im oberen Bereich“ liege. Zudem habe die dreiwöchige Untersuchungshaft sicher „Eindruck hinterlassen“ bei dem studierten Betriebswirt.

Das Urteil – eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Geldstrafe über 3000 Euro – soll dem 27-Jährigen Warnung sein, sich in nächster Zeit „von Ausschreitungen bei Fußballspielen besser fernzuhalten“, denn sonst gehe es „ganz schnell ins Gefängnis“. Abgesehen davon, so Richter Calame, sei das Verhalten des Angeklagten „kein Ausdruck von Fußball-Liebe, sondern eine massive Gewalttat“ gewesen.

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