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Ein inspirierendes Kulturfestival planen Annika Wenzel, Lina Homann, Lena Heilein und Alice Homann (v.l.) am 16./17. Juni 2017 auf dem Dachauer MD-Gelände (im Hintergrund). 

Ein Schlaraffenland für Kunstliebhaber

Zwei-Tages-Festival auf dem Dachauer MD-Gelände

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Dachau - Vier Dachauer Freundinnen, eine große Idee: Die Gruppe „Wir sind PAUL“ will im Sommer auf dem MD-Gelände etwas Einzigartiges präsentieren: ein zweitägiges Festival für jeden, der ein Herz für Kreativität hat.

Es ist nur ein kleiner weißer Papierschnipsel. Gehortet, jahrelang in einem Geldbeutel. Doch auch wenn er nur winzig und weiß ist, steht dieser kleine Papierschnipsel für etwas Besonders. Für ein Gefühl. Und dieses Gefühl wollen vier junge Frauen aus Dachau bei ganz vielen Menschen auslösen. Doch dazu später mehr.

Vor ein paar Jahren haben sich vier Dachauer Freundinnen zu einer Gruppe zusammengetan. Ihr Ziel: zusammen vor Ort besondere Veranstaltungen auf die Beine stellen. Die Gruppe nannten sie „Wir sind PAUL (Packende Aktionen Unterstützung Leben). Die Events waren außergewöhnlich wie der Kleidertauschmarkt oder der Weihnachtskünstlermarkt und hatten doch etwas gemein: Sie inspirierten die Besucher. Jetzt, nach zwei Jahren Pause, planen Annika Wenzel (28), Lena Heilein (29) und die Schwestern Lina (31) und Alice Homann (27) etwas Neues. Etwas Großes. Etwas Einzigartiges für Dachau. Ein zweitägiges Sommer-Festival auf dem MD-Gelände.

Ihre Vision war klar: „Wir wollten etwas auf die Beine stellen, das Dachau bewegt, das die Leute anregt, weiterzudenken“, sagt Lina Homann. Sollte durchaus drin sein, bei dem Konzept, das die Freundinnen ausgearbeitet haben: Für die Besucher gibt es viel Kreatives zu entdecken.

Es gibt ein Angebot aus Musik, Film, Designmarkt, und kulinarischen Spezialitäten. Ein Schlaraffenland für Kunstliebhaber sozusagen. „Wir wollen ein Angebot nach Dachau bringen, was es so in der Kombination noch nicht gibt“, erklärt Alice Homann. Schnell ist klar, dass hinter jedem Angebot liebevolle Detailplanung steckt. Mit Kurzfilmen wollen die Freundinnen die Leute zum Beispiel zum Lachen und Nachdenken bringen. Wer einen Blick auf die Essensangebote wirft, findet alles, aber kein 08/15-Angebot. Kuchen von Omis, Kaffeespezialitäten aus dem Container oder Mitraillettes (belgische Baguette-Spezialitäten) von zwei Kletterkumpels sind zum Beispiel geboten. Allein die Namen wie „Der starke Franzose“ und „Kuchentratsch“ wirken sympatisch unkonventionell.

Musikalisch gibt es unter anderem die gefeierten Jungs von Kofelgschroa und Ami mit ihrer gegensätzlichen rau-sanften, stark-zerbrechlichen Stimme zu hören.

Doch für die Festivalbesucher ist mehr als nur entdecken und zuhören geboten. „Wir wollen auch den Mitmachcharakter fördern“, sagt Alice Homann. Verschiedene Workshops wie Parcours oder Handlettering „sollen Leuten die Möglichkeit bieten, einfach mal etwas Neues auszuprobieren und sich inspirieren zu lassen“.

Unschlagbar einzigartig: der Ort. „Immer, wenn wir von dem Festival geträumt haben, haben wir es uns auf dem MD-Gelände vorgestellt. Da sollte es stattfinden. Nirgendwo sonst“, erklärt Lina Homann. Zum einen fasziniert der urbane Industriestil, zum anderen umgibt das Gelände etwas Geheimnisvolles: „Für viele Dachauer hat der Ort etwas Anziehendes. Einen besonderen Kitzel. Da ist dieses riesige Gelände, auf das keiner drauf darf, und keiner weiß, was dort passiert“, sagt die 31-Jährige. Genau hier will „Wir sind PAUL“ etwas bewirken.

Zudem hat das Gelände eine symbolische Wirkung für die vier Freundinnen. Denn auch der Name für das Festival ist liebevoll gewählt: White Paper. „Es geht genau um dieses weiße Papier, mit dem jede kleine oder große Idee anfängt“, sagt Alice Homann. Ein geniales Rezept, ein neuer Liedtext, ein Bild – alles entsteht mit einer Skizze auf einem Blatt Papier. „Deshalb passt die Papierfabrik so gut“, sagt sie.

Profit mit ihrer Idee wollen die Freundinnen nicht machen. Ihr Plan: Sie wollen den Gewinn an karitative Projekte in der Region spenden. „Die Welt wird nicht besser, also muss man eben sehen, dass man mit kleinen Taten helfen kann“, sagt Alice Homann.

Auch Dachaus Kulturamtsleiter Tobias Schneider ist begeistert von dem Konzept: „Das ist eine super Idee. Es ist Klasse, was ,Wir sind PAUL’ da so auf die Beine stellt. Das hat viel Potenzial.“ Er unterstützt es, dass sich gerade junge Leute kulturell einbringen. „So was wie das White Paper tut Dachau ganz gut.“ Dass die Veranstaltungen von „Wir sind PAUL“ einen besonderen Charakter haben, zeigen die Resonanzen. „Viele sprechen uns immer wieder an, wie toll ein bestimmtes Event war, oder wann wir endlich mal wieder was machen“, sagt Lina Homann.

Wie ein junger Mann, der vor zwei Jahren ein Weihnachtsevent der Gruppe besucht hat. Dabei war ein Raum mit Schnee – also mit kleinen weißen Papierschnippseln – dekoriert. Einen der Schnipsel hat er sich eingesteckt und ihn im Geldbeutel aufbewahrt. Als Erinnerung an diesen besonderen Abend. Die Schwestern sind sich einig: „Das ist alles, was wir mit unseren Events wollen – irgendein Gefühl bei den Menschen wecken, das bleibt.“

Informationen und Tickets

Alles Wichtige zum White-Paper-Festival am 16./17. Juni gibt es im Internet unter www.thewhitepaper.de. Noch gibt es die Karten zum Vorzugspreis von 27 Euro. Als Weihnachtsspecial können sie auch persönlich abgeholt werden (01 70/4 31 26 15).

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