Frau in Wirtschaft
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Erdrückende Leere: das Freudenhaus in Kleinberghofen mit Wirtin Lisa Mages-Bziotas.

Zwei Fotografinnen beschäftigen sich auf unterschiedliche Art mit den Folgen des Pandemie

Fotos aus dem Lockdown

Landkreis – Gaststätten halten ihre Stühle gestapelt, in Fitnessstudios stehen die Laufbänder still, zu Hause wird Klopapier gehortet oder ein neues Hobby wie die Pflanzenzucht gefrönt. Der Lockdown zeigt sich mit verschiedenen Gesichtern. Diese versuchen zwei junge Fotografinnen aus dem Landkreis Dachau festzuhalten. Dabei fokussieren die beiden allerdings ganz unterschiedliche Dinge.

In Caroline Guths Brust schlagen zwei verschiedene Seelen, wie sie selbst sagt. Zum einen das Fotografen-Herz, zum anderen das Juristen-Herz. „Ich wollte mich schon immer für Frauen einsetzen, das Jurastudium brachte mich diesem Ziel am nächsten“, erklärt die angehende Rechtsreferendarin, die erst vor kurzem aus Dachau nach München zog. Ihr Vater gab ihr allerdings auch die Liebe zur Fotografie mit. Aus Hobbyaufnahmen wurden schnell Auftragsarbeiten, mit denen sie sich ihr Studium finanzierte. Hochzeiten und Porträt-Aufträge nahmen im Lockdown ab, weshalb die 28-Jährige Zeit für ein Projekt fand. „Lockdowngala“ nennt sie ihre Fotoreihe.

Schick mit Klopapier: Caroline Guth

Zu sehen sind stets Frauen in schicken Kleidern, die für sie typischen Lockdown-Tätigkeiten nachgehen: Bananenbrot backen, Verpackungs-Müll auf den Wertstoffhof bringen, Zimmerpflanzen gießen, Klopapier kaufen, oder das Workout auf der Terrasse. „Ich wollte mit dem Projekt dem emotionalen Loch entgegenwirken, in dem sich viele im zweiten Lockdown befanden“, erzählt sie. Sie habe das Selbstvertrauen der Frauen wieder stärken wollen. Also habe sie bei der Instagram-Community ihrer Seite picaro.photography nachgefragt, wer es gerade besonders schwer hat.

Irgendwann weitete sie die Suche aus, und immer mehr Frauen meldeten sich auf ihre Shooting-Anfrage. „Das waren Freunde, Bekannte, aber auch Fremde, die mir einfach auf Instagram folgten“, sagt sie.

Die Shootings – die meisten davon in Dachau – dauerten selten länger als eine Stunde, „haben aber riesen Spaß gemacht“, ergänzt Guth. „Uns allen fehlt ein bisschen der Anlass, um uns schick zu machen, uns herzurichten, uns selbst zu feiern, uns wertzuschätzen“, erklärt sie den „Gala“-Hintergrund der Fotoreihe. Dafür lässt sie sich auch selbst in ihrem alten Abiball-Kleid und viel Klopapier vor einem Discounter ablichten.

Das Projekt hat zudem einen sozialen Aspekt: „Ich bat alle Models für einen Kindergarten in Tansania zu spenden, der ehrenamtlich von zwei Freunden aufgebaut wurde“, erzählt die Fotografin. Das Feedback auf die Reihe sei so positiv, dass sich der Aufwand schon gelohnt habe. „Ich wollte damit einfach Lächeln in die Gesichter zaubern“, sagt sie.

Über 30 Betriebe hat Maria Riemann für ihr Projekt fotografiert.

Eine ganz andere Wirkung hat das Fotoprojekt von Maria Riemann. Die Hobbyfotografin aus Schwabhausen besucht seit fast drei Monaten Unternehmer und ihre geschlossenen Geschäfte. Dabei entstehen Schwarz-Weiß-Fotografien von gestapelten Stühlen, leeren Hotelbetten, stillstehenden Crosstrainern und unberührten Zapfsäulen.

Durch das überwiegende Schwarz wird die erdrückende Leere und die damit einhergehende Verzweiflung besonders deutlich. „Es sind eben dunkle Zeiten für die Besitzer“, sagt die 32-Jährige, die eigentlich im Büro arbeitet. Auf das Projekt kam sie beim Gespräch mit ihrem Mann, der bis vor kurzem noch in der Gastronomie arbeitete. Weil sie selbst Abwechslung benötigte, aber weil sie auch diese gebeutelten Geschäftsinhaber unterstützen und Hoffnung schenken wollte, war ihr klar, dass ihr nächstes Projekt in diese Richtung gehen soll.

Mit Bildern dem emotionalen Loch entgegenwirken will Maria Riemann.

Über 30 Betriebe, wie das Fitnessstudio „La Primavera“, die Bar „Butchers“, das Restaurant „Rind und Rebe“ oder das Trachtengeschäft „Trachtendreams“, hat sie bereits vor der Linse gehabt. „Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich diese Menschen mit der Situation auch umgehen. Viele sind am Ende, andere zeigen sich positiv“, erzählt sie. Alle sind sie jedoch über einen Besuch von Riemann froh. „Die 50“ will die Schwabhauserin mindestens noch voll machen.

Die Bilder von Marie Riemann gibt es auf ihrer Facebook-Seite und auf Instagram zu sehen. Wer Teil des Projekts sein will, kann sich per Mail an mari-fotografie@t-online.de oder über ihren Instagram-Account _mari_fotografie_ melden. Die Fotos von Caroline Guth sind auf ihrer Internetseite www.picarophotography.com zu sehen.

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