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Frank Schleicher, neuer Diakon der Versöhnungskirche.

Neuer Diakon in der evangelischen Versöhnungskirche

Ein Suchender auf vielen Gebieten

Frank Schleicher ist der neue Diakon der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte. Er tritt damit in die Fußstapfen von Klaus Schultz.

Dachau – Der besonderen Herausforderung seiner neuen Wirkungsstätte ist sich Frank Schleicher mehr als bewusst. An der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ist der gebürtige Allgäuer jetzt als Nachfolger von Klaus Schultz neuer Diakon, dort wird er Gottesdienste leiten, Veranstaltungen organisieren und die Erinnerungsarbeit fortführen. Doch dieser Ort, an dem Grausamkeit und Menschenverachtung Programm waren, „wird nie Normalität werden“.

Nach Dachau kommt Schleicher aus Franken, wo er 20 Jahre als Dekanatsjugendreferent in der Jugendarbeit gearbeitet hat. Und auch ehrenamtlich seit 30 Jahren als Feuerwehrseelsorger und Kriseninterventionshelfer dort zur Stelle war, wo die Rettungskräfte selbst Entlastung und Unterstützung benötigten. Mit Grenzbereichen des Lebens sei er dort konfrontiert worden, „auch im eigenen Leben“. Erfahrungen, die der 47-Jährige mitbringt an seine neue Wirkungsstätte und die einfließen werden in seine Arbeit.

So beschäftigt ihn gerade besonders die Täterforschung. Ihn, der als Feuerwehrmann jahrelang alles stehen und liegen hat lassen, um anderen Menschen zu helfen, um dafür zu sorgen, dass auch Verstorbene am Unfallort noch ihre Würde bewahren, treibt die Frage um, „wie Menschen so verrohen konnten, wie Grausamkeit zum System, Entmenschlichung zum Programm werden konnten“.

Von seinem Vorgänger Klaus Schultz, der die Erinnerungsarbeit an der Gedenkstätte 23 Jahre lang intensiv geprägt hat, wird Schleicher vieles übernehmen. Aber auch neue Impulse setzen und Dinge in Frage stellen, sagt Schleicher. Am traditionellen 11-Uhr-Gottesdienst und dem Versöhnungsgebet möchte er festhalten, aber überlegen, ob es darüber hinaus noch weitere spirituelle Angebote geben könnte. Vor allem aber will er Konzepte finden für aktuelle und künftige Herausforderungen. Wie etwa die Weiterentwicklung der Erinnerungsarbeit für eine Zeit ohne Zeitzeugen.

„Kann man es vielleicht über Kunst machen?“ Fertige Antworten hat er natürlich nicht parat, bezeichnet sich selbst als „Suchender“. Doch seine Erfahrung aus der Jugendarbeit möchte er hier nutzen, plädiert für ein Herantasten, Ausprobieren, Erfahrungen Sammeln und Nachjustieren. Um auf diese Weise herauszufinden, was funktioniert.   

Auch der Brückenschlag vom Erinnern ins Heute liegt Schleicher am Herzen. Nicht zuletzt, weil Demokratiepädagogik und politische Arbeit von jeher auch Bestandteil kirchlicher Jugendarbeit waren. Zudem hat er sich vor einigen Jahren weiterbilden lassen zum Berater gegen Rechtsextremismus. In Weißenburg, wo er damals tätig war, „hatten wir eine aktive rechte Szene.“ Rassismus und Antisemitismus stellt er sich deshalb aktiv entgegen.

Und freut sich deshalb schon kommende Woche auf ein Treffen des Runden Tisches gegen Rassismus. Wie er überhaupt angetan ist davon, wie auch Landkreis und Stadt sich ihrer historischen Verantwortung bewusst sind. Denn „Nie wieder“ – diese Inschrift am Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte empfindet Schleicher als Auftrag, der „nichts von seiner Gültigkeit und Relevanz eingebüßt hat“.

Der Einführungsgottesdienst für Frank Schleicher als neuer Diakon der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau am kommenden Sonntag wurde zwar in die große Pfarrkirche Heilig Kreuz in Dachau-Ost verlegt, damit mehr Menschen mitfeiern können. Eine ökumenische Gastfreundschaft, für die Schleicher dankbar ist. Dennoch können wegen Corona nur geladene Gäste diese Einführung besuchen. Interessierte finden von Montag, 22. Juni, an eine Videoaufzeichnung im Internet auf dem Youtube-Kanal der Dachauer Gnadenkirche.

ps

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