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Multipercussionist mit großen Plänen: Christian Felix Benning. 

Dachauer Multipercussionist

Fast so ein Großer wie Dirk Nowitzki

Der Dachauer Christian Felix Benning ist ein viel gefragter Multipercussionist. So bekam er kürzlich ein Stipendium für die Yale University in den USA. Daneben entwirft er rhythmusbasierte Trainingskonzepte für Basketballer in der US-amerikanischen NBA und arbeitet dabei mit Dirk Nowitzki zusammen.

Dachau – Christian Felix Benning ist erst 23 Jahre alt, gebürtiger Dachauer und hat schon die halbe Welt gesehen. Er ist ein sehr begabter Multipercussionist und ein vielseitiger Solo- und Ensemble-Künstler. Der Musiker ist in einer ironischerweise nicht-musikalischen Familie aufgewachsen. Seine Eltern legten jedoch viel Wert auf eine musikalische Früherziehung und schickten ihren Sohn daher zum Blockflötenunterricht. „Mir hat das Flötenspiel nicht wirklich Spaß gemacht“, erzählt Christian, „und das habe ich meinen Eltern und der Blockflötenlehrerin auch klargemacht. Dafür habe ich früh gemerkt, dass es mich begeistert, auf Trommeln zu hauen.“

Da lag es nahe, welches Instrument es werden sollte: das Schlagzeug. Christian Benning erhielt also mit drei Jahren seinen ersten Schlagzeugunterricht und seine Begeisterung dafür wurde immer größer. „Diese kindliche Lust verspüre ich noch heute, wenn ich Percussioninstrumente spiele.“

Heute spielt er jedoch nicht mehr nur vor einem Schlagzeuglehrer, sondern vor einigen tausend Menschen auf ausverkauften Konzerten. In München, Stuttgart, Wien, San Diego, Baltimore und vielen weiteren Orten hat er schon Konzerte gegeben. Apropos Schlagzeuglehrer: Sein erster war der Dachauer Norbert Siegl, der heute sein Mentor und Manager ist.

Am meisten gefällt ihm der interkulturelle Austausch

Was ihm am meisten gefällt, ist der interkulturelle Austausch mit anderen Musikern, wo er die Tradition des jeweiligen Landes kennenlernen darf. „Das Privileg, einen Einblick in eine fremde Kultur erhalten und sogar Teil davon sein zu dürfen, macht meinen Beruf zum schönsten auf der ganzen Welt.“

Wenn man so viel unterwegs ist, wird das nicht irgendwann einmal zu stressig? Nicht für Christian. Trotz manchen Tagen, wo er insgesamt 20 Stunden arbeitet, ist sein Alltag sehr abwechslungsreich. Durch ständiges Üben, Komponieren und die Zusammenarbeit mit Instrumentenfirmen, mit denen er im Moment zum Beispiel eine eigene Marimba und ein eigenes Vibraphon entwickelt, lernt Benning ganz neue Seiten seiner Musik kennen. „Zusätzlich ist das Schlagzeug natürlich ein sehr vielseitiges Instrument.“

Neben seinen Auftritten und der Arbeit mit der Musik ist Christian Benning Student an der Hochschule für Musik und Theater in München. Kürzlich hat er ein Vollstipendium für die Yale University in den USA erhalten, das er voraussichtlich im September 2020 wahrnehmen kann.

Trainingsprojekt mit den Dallas Mavericks

Zur Zeit bereitet er seine geplante Doktorarbeit über rhythmusbasierte Trainingskonzepte für den Basketballsport vor, mit der er dann wahrscheinlich an der Yale University promovieren kann. Im Zuge dessen hat er eine eigene Notenschreibweise entwickelt beziehungsweise erfunden und arbeitet mit den jungen Basketballern der U 20-Nationalmannschaft, Dirk Nowitzki, dessen Mentor Holger Geschwindner und dem NBA-Team der Dallas Mavericks zusammen. „Das rhythmusbasierte Training kann im individuellen und kollektiven Training neue Wege eröffnen, damit Teams und Spieler erfolgreicher werden.“ Es sollen neue Übungskonzepte aus der Percussionmusik ins Basketballtraining integriert werden, um zum Beispiel das Tempo im Spiel auf ein neues Level zu heben. Das derzeitige Ziel ist nun, über Videos und Visualisierungen den wissenschaftlichen Beweis zu liefern, dass diese Methode funktioniert. „Es wird sich noch zeigen, ob das Konzept dann tatsächlich in seiner derzeitigen Form im Profisport übernommen werden kann, aber es gibt schon jetzt einige Fürsprecher.“

Das ist jedoch nicht das einzige Projekt. Der Musiker arbeitet derzeit mit einigen Partnern und Unternehmen an einem neuen Prototypen für ein Musikinstrument. Es wird ein hybridartiges Set-up sein, wo die klassische Percussion mit elektronischer Musik gekoppelt wird und das Instrument auch einen besonderen Eigenklang hat. Es ist in seiner Form eine „Weltneuheit“ und könnte vielleicht sogar die Popularmusik, vor allem für junge Hörer, revolutionieren.

Außerdem war Benning im Oktober vergangenen Jahres auf Mauritius, um dort ein Percussion-Bildungsprojekt zu starten. Dafür spielte er eine aufwändige Produktion als Solo-Paukist am Opernhaus von Port Louis, der ältesten Oper der südlichen Hemisphäre. Sie wird im Moment saniert und soll wiederbelebt werden. Der deutsche Botschafter von Madagaskar, der eigens für eines der zusätzlichen Percussion-Solokonzerte von Christian Benning einflog, trug ihm eine Erweiterung des Projekts auf die umliegenden Inselstaaten des Indischen Ozeans an. „Für mich persönlich war der Besuch auf Mauritius eine große Bereicherung“, erzählt Benning. „Ich konnte nicht nur die für mich förmlich neue kreolische Musikkultur kennenlernen, sondern auch meine Erfahrungen aus der europäischen Musik mit den Musikern vor Ort teilen.“

Er will das MD-Gelände musikalisch verabschieden

Ein Projekt, das den Dachauer in seiner Heimat hält, ist das eigens komponierte Percussion-Quartett, das auf Instrumenten gespielt werden soll, die aus Materialien aus der MD-Papierfabrik zusammengebaut wurden. „Das MD-Gelände ist sehr markant und prägt das Stadtbild Dachaus. Bevor die Papierfabrik abgerissen wird, würde ich sie gern musikalisch verabschieden.“ Christian Benning suchte Schrott aus der alten Papierfabrik zusammen, unter anderem Rohre, Gitter und Stahlträger. Diese sortierte er nach Klangfarbe und Tönen. Die „kleine Industriesymphonie“ trägt die Seele der Fabrik in sich, symbolisiert den Industrielärm und verarbeitet die Geschichte der Papierherstellung.

Am Freitag, 3. Januar 2020, kann ab 19.30 Uhr der Musik von Christian Benning im Kammermusiksaal der Elbphilharmonie in Hamburg gelauscht werden. „Ich würde mich freuen, diesen besonderen Abend mit einigen Dachauern zu teilen. Das Datum kurz nach Silvester liegt großartig, und vielleicht ist der eine oder andere ja schon jetzt auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk?“

Katrin Rager

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