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„Pilotprojekt für Bayern“: (von links) Ernst Jakob Flack, Bernhard Seidenath, Thomas Liebhart, Sabine Appel, Heidi Schaitl, Peter Lell, Gerd Koslowski und Wolfdieter von Trotha vom Geno ssenschaftsverband Bayern, der die Gründungsversammlung leitete.

Gründung einer Genossenschaft: Endlich Wohnungen für das Pflegepersonal

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In einem bayernweiteinmaligen Modell soll eine Genossenschaft Pflegekräften bezahlbare Wohnungen vermitteln. Der Mangel an Unterkünften sei das „große Problem“ bei der Einstellung von Pflegekräften, meinte der Initiator des Projekts, der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath, bei der Gründungsversammlung.

VON THOMAS ZIMMERLY

Dachau – In den Räumen der Hausverwaltung-Immobilien Flack GmbH in Karlsfeld herrschte am späten Montagnachmittag gutes Klima. Dafür sorgten ein Ventilator, aber vor allem Bernhard Seidenath. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege der CSU-Landtagsfraktion erklärte der Runde ein bayernweit einmaliges Modell, das wenig später Realität werden sollte: die Genossenschaft „Wohnungsvermittlung für Menschen in Sozial- und Gesundheitsfachberufen im Landkreis Dachau – Habt ein Herz für soziale Berufe!“

Das Fehlen von Wohnungen sei „das absolut größte Problem“ für Krankenhäuser und andere Pflegeeinrichtungen, um dringend benötigtes Pflegepersonal gewinnen zu können, so der Abgeordnete. Mithilfe der Genossenschaft soll sich das ändern. Und zwar so:

Die Genossenschaft soll über die Flack GmbH von Privatleuten Wohnungen anmieten und dann Pflegekräften zu sozial verträglichen Preisen bereitstellen. Dabei kümmert sich das Immobilienbüro von Ernst Jakob Flack und dessen Tochter Sabine Appel um alles – von der Akquise über den Mietvertrag bis hin zu eventuellen Problemen innerhalb des Mietverhältnisses.

„1800 Wohnungen stehen im Landkreis Dachau leer“, so der Abgeordnete, und die gelte es über die Genossenschaft „abzugreifen“. Zusätzlich „werden wir unsere eigenen Kunden fragen“, so Ernst Jakob Flack. Natürlich können es auch Wohnungen vom Wohnungsmarkt allgemein sein. Wie Sabine Appel mitteilte, habe ihr Büro bereits vier Wohnungen in Dachau und Karlsfeld in Aussicht. Vom Staat gibt es laut Seidenath einen Zuschuss in Höhe von rund 55 000 Euro, der für die Öffentlichkeitsarbeit und hier vor allem für Anzeigen in den Medien gedacht ist.

Die Genossenschaft erzeuge eine „vierfache Win-win-Situation – für den Arbeitgeber, den Arbeitnehmer, den Vermieter, der sicher sein Geld bekommt, und die Gesellschaft allgemein“, so Seidenath, der das Projekt gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Benjamin Laub entwickelt hat.

Mitglied in der Genossenschaft können laut Satzung alle Personen oder Unternehmen werden, die als Arbeitgeber im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens tätig sind. Bei der Gründung der Genossenschaft setzten schon mal der Geschäftsführer der Helios Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf Gerd Koslowski sowie der Direktor des Pflegeheims Kursana Domizil Dachau Thomas Liebhart ihre Unterschriften unter die Gründungsvereinbarung. „In Lauerstellung“, so Seidenath, sind das Caritas-Zentrum Dachau sowie die Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Wobei die Caritas laut Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl an dem Konzept zwar interessiert ist, jedoch noch „Aufklärungsbedarf“ sieht.

Kursana-Chef Liebhart erklärt, woher die Skepsis rührt: „Der durchschnittliche Verbleib im Pflegeberuf liegt bei acht bis neun Jahren.“ Das ist sehr viel weniger als in anderen Branchen üblich. Dazu wechseln Pflegekräfte bekanntlich schon einmal den Arbeitgeber. Beides könnte zu einer hohen Fluktuation bei den Mietverhältnissen führen. Doch das möchte die Genossenschaft verhindern. Bei Kündigungen solle der Mieter drin bleiben dürfen, so Peter Lell, bei den Amper-Kliniken zuständig für das Immobilienmanagement. Dazu werde man das Gespräch mit dem Vermieter suchen.

Seidenath und Genossen hoffen nun, dass das „Pilotprojekt für Bayern“ ein Erfolg wird. Das Interesse der Staatsregierung sei jedenfalls schon geweckt, meint er. Der Nachsatz im Genossenschaftsnamen, „Habt ein Herz für soziale Berufe“, gilt schließlich auch für Minister.

Wer eine Wohnung

an die Genossenschaft vermieten möchte, kann sich an die Hausverwaltung-Immobilien Flack GmbH wenden unter Telefon 0 81 31/27 58 00 oder E-Mail an info@hvi-flack.de.

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