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Überraschungsparty für Helga Schiller: Die Grundschüler feierten ihre scheidende Schulleiterin. 

Grundschule Augustenfeld verabschiedet Rektorin

Mit Note 1 in den Ruhestand

Nach 42 Jahren im Schuldienst und davon 13 Jahren als Leiterin der Grundschule Augustenfeld ist Helga Schiller nun in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden.

Dachau – Schüler und Lehrkräfte hatten dazu eine Überraschungs-Abschiedsfeier vorbereitet, wobei Vertreter des Schulamts, des Elternbeirats sowie Oberbürgermeister Florian Hartmann sich für Schillers engagierte Arbeit bedankten und ihr für ihre Zukunft alles erdenklich Gute wünschten.

Helga Schiller hatte in Regensburg studiert und war anschließend in vielen Schulen – von der ersten bis zur neunten Klasse – eingesetzt. Dabei fungierte sie oft auch als sogenannter „Springer“, jetzt „mobile Reserve“ genannt: Laut Schulamt würden dafür immer „die Besten und Fittesten“ bereits nach dem ersten Examen verpflichtet. Ein Jahr lang unterrichtete Schiller auch in einer achten Klasse einer damals noch als „Sonderschule“ bezeichneten Einrichtung.

1993 schließlich kam sie nach Dachau, Schiller unterrichtete zunächst in den siebten, achten und neunten Klassen der Ludwig-Thoma-Schule. Im Jahr 2000 führte die engagierte Pädagogin die erste Praxis-Klasse in Stadt und Landkreis Dachau ein. Zehn Jahre lang war Helga Schiller außerdem „Drogenkontaktlehrerin“ für alle Schularten und arbeitete hierfür mit Gesundheitsamt, Jugendamt, Polizei, dem Suchthilfeverein Drobs und Erziehungsberatungsstellen eng zusammen.

Im Jahr 2006 baute sie die neu errichtete Grundschule Augustenfeld auf – „zuerst ohne Sekretärin und ohne Hausmeister, weil die Schule bereits ein Vierteljahr früher bezogen werden konnte“, wie sie sich erinnert. Am ersten Schultag hätte es auch noch keine Tafeln gegeben. Von 180 Schülern vergrößerte sich die Schule zeitweise auf über 360 Schüler; aktuell sind es Schiller zufolge 320.

Doch nicht nur um die Beschulung der Kinder mit Migrationshintergrund machte sich die Lehrkraft verdient. Sie richtete auch eine Hausaufgabenbetreuung sowie – für zwei Jahre – Ganztagesklassen ein. Während letztere bei Schülern, Eltern und Lehrern gut ankamen, „wurden sie dann leider von den damaligen Stadtvertretern nicht mehr genehmigt“, klagt Schiller heute. Doch aufgeben war nie ihr Ding: „Wenn ich warte, bis alles optimal ist, dann sind zehn Jahre vorbei. Deshalb mache ich das Bestmögliche aus der jetzigen Situation!“ Für ihre Schule bedeutete dies, dass Helga Schiller die erste gebundene Ganztagesklasse aufbaute.

Wie auch das Bestandsgebäude wird der Erweiterungsbau, für den am gestrigen Dienstag der Spatenstich erfolgte (ausführlicher Bericht folgt) für Schüler mit Handicap errichtet.

Von Beginn an hatte die Schulleiterin zudem auf Digitalisierung geachtet: PCs in jedem Klassenzimmer, fahrbare Laptop-Türme, die in die jeweiligen Klassenzimmer gebracht werden, und ein Medienkonzept, für dessen Umsetzung die Schule ab September Geld vom Staat bekommt. „Glasfaseranschlüsse sind vorhanden, Lehrer haben bereits Fortbildungen absolviert: So kann es bald losgehen“, freit sich die scheidende Schulleiterin.

Oberbürgermeister Florian Hartmann gab namens aller Stadtratskollegen über alle Parteigrenzen hinweg zu Protokoll, dass er Schillers Abschied in den Ruhestand „nur unter schwerem Protest“ akzeptiere. In ihrem Zeugnis vermerkte der OB zudem scherzhaft einen „weit über das zu erwartende Maß hinausgehenden und allerhöchste Anerkennung“ verdienenden Einsatz. Schiller habe auf alle Probleme im Schulalltag „äußerst flexibel und ideenreich“ reagiert.

Für ihren Ruhestand empfahl Hartmann daher, Schiller möge sich doch dem Schreiben von Ratgeberliteratur widmen? Ein möglicher Buchtitel wäre, so der OB: „Was tun, wenn‘s zwickt und zwackt? Methoden zur Aufrechterhaltung des Unterrichts bei akuter Raumnot“ oder: „Das werden wir schon sehen: Strategien zur Durchsetzung von Schulinteressen gegenüber Stadträten“.

mm

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