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Hochzeitsfoto, Bahn-Monatsfahrkarte und Ausweis von Václav Eminger. Er kam mit 17 Jahren in das Konzentrationslager und wurde später von den Alliierten befreit.

Neugestaltete Vitrinen in der KZ-Gedenkstätte zeigen Effekten

Die letzten Erinnerungen an das alte Leben der Häftlinge

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Hochzeitsfoto, Uhr, Fahrkarte: Im Schubraum der KZ-Gedenkstätte sind in neugestalteten Vitrinen Habseligkeiten von Häftlingen zu sehen – letzte Erinnerungen an ihr altes Leben. Weitere große Veränderungen stehen in der Gedenkstätte an.

Dachau – Kalt und trist wirkt der Raum, so gar nicht wie ein typischer Ausstellungsraum. Doch die traurige Atmosphäre, die sich den Besuchern des Schubraums in der KZ-Gedenkstätte bietet, passt zu der Geschichte des Raumes. Mit dem Begriff „Schub“ wurde in der NS-Zeit der Gefangenentransport bezeichnet. Der Schubraum ist der Ort, an dem die neuen KZ-Häftlinge sich nackt ausziehen, ihre Kleidung sowie ihre Habseligkeiten abgeben mussten. Es ist der Ort, an dem sie ihrer Persönlichkeit beraubt wurden.

Jetzt wird ihnen an diesem Ort ein Teil ihrer Persönlichkeit zurückgegeben. In der Mitte des Raumes stehen ab sofort neue Vitrinen. Darin zu sehen sind persönliche Habseligkeiten der Häftlinge, so genannte Effekten. „Die Gegenstände sind die letzte Erinnerungen an ihr altes Leben“, erklärt Dr. Stefanie Pilzweger-Steiner, wissenschaftliche Referentin der Gedenkstätte und Kuratorin der Ausstellung. Gezeigt werden zum Beispiel Uhren, Ausweise, Ringe, Bahnfahrkarten, Familienfotos und vieles mehr. Die Exponate sind Leihgaben des International Tracing Service, der in seinem Archiv das Hab und Gut von rund 3000 Inhaftierten verwahrt, sowie der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und der Gedenkstätte Ravensbrück.

Mit der Eröffnung des Schubraums ist die Erneuerung von 40 Vitrinen in der Hauptausstellung abgeschlossen, die seit 2011 nach und nach umgesetzt wurde. Langfristig stehen in der Gedenkstätte weitere große Veränderungen an: Die Verantwortlichen arbeiten gerade an einem Konzept für eine Umgestaltung der Ausstellungen und des Geländes. Ab 2020 wird auf der Homepage der Gedenkstätte und an einer Medienstation eine Präsentation mit Drohnenfotos von allen Außenlagern gezeigt. Außerdem läuft gerade die Produktion eines Dokumentarfilms, der einen Überblick über die Geschichte des Konzentrationslagers bietet.

Der Gedenkort soll zudem erweitert werden: „Wir wollen die Erinnerungsräume ausweiten und perspektivisch auch den Bereich des Kräutergartens stärker mit einbeziehen“, erklärt Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der Gedenkstätte. Auf der Pflanzen-Plantage mussten Häftlinge unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen schuften. Langfristig sei dort zum Beispiel der Bau eines Seminar- und Bildungshauses vorstellbar, so Hammermann. „Und in den Kopfbauten der ehemaligen Gewächshäuser könnte man einen Ausstellungsraum einrichten.“

Großes Ziel ist, die Ausstellungen an neue Forschungserkenntnisse sowie veränderte Benutzerinteressen anzupassen. „Baulich wollen wir noch viel stärker die historischen Orte wirken lassen“, erklärt Hammermann. Momentan befindet sich beispielsweise in der ehemaligen Lagerküche der Kinoraum. Dieser soll wieder zurückgebaut werden. Stattdessen bekommen die Besucher dort künftig Informationen über die Ernährung im Konzentrationslager. Auch für eine rekonstruierte Baracke wird es ein neues Konzept geben: „Wir möchten nicht nur die Baracke zeigen, sondern in ihr in einer Ausstellung die Geschichte des kompletten Lagers miteinbeziehen“, so Hammermann.

Bei den Ausstellungen möchte die Gedenkstätte generell neue Schwerpunkte setzen. Unter anderem sollen auch die Zeit nach der Befreiung der Amerikaner und die Dachauer Prozesse thematisiert werden. Und: „Das Thema Täterforschung nimmt mehr Raum ein“, so Hammermann. Außerdem wird künftig viel mit Exponaten gearbeitet werden, die mit den Biografien der Häftlinge verknüpft werden. Bis wann die Pläne verwirklicht werden können, steht noch nicht fest, das hängt unter anderem von den finanziellen Mitteln ab.

Die Einbeziehung der persönlichen Geschichten wurde bei der Ausstellung im Schubraum schon umgesetzt. Zu sehen sind zum Beispiel der Führerschein und der Wachmannsausweis des Soldaten Josef Unsinn, der einem Freund half, sich mit einem in Säure getränkten Verband selbst zu verletzen, um den Krieg zu entkommen. Er starb nur drei Monate nach seiner Verhaftung im Alter von 44 Jahren an Fleckfieber. Oder das Hochzeitsfoto, die Bahn-Monatsfahrkarte und der Ausweis von Václav Eminger aus Prag, der mit nur 17 Jahren als so genannter Schutzhäftling in das Konzentrationslager kam. Er wurde von den Alliierten befreit.

Auf der anderen Seite wird die Rolle der Täter behandelt: Es werden auch die Biografien der Leiter der Effektenverwaltung beschrieben, historische Einlieferungsdokumente werden gezeigt. „Es geht darum, verschiedene Perspektiven deutlich zu machen“, erklärt Stefanie Pilzweger-Steiner. Wer war Opfer, wer Täter? Haben KZ-Häftlinge, die einen Job in der Verwaltung hatten, eine Mitschuld? Auch diese Frage treten bei der Ausstellung auf. Für die Besucher entstehen so berührende Einblicke in eine entwürdigende Prozedur – inmitten eines tristen Raumes, der unzähligen Gefangenen die Hoffnung nahm.

App in Gebärdensprache

Die KZ-Gedenkstätte Dachau arbeitet kontinuierlich daran, die Besuchsangebote der KZ-Gedenkstätte und den Zugang zu diesem historischen Ort für Menschen mit und ohne Behinderungen zu erweitern. Für Besucher mit Hörbehinderungen hat die KZ-Gedenkstätte Dachau nun eine Mobile App in Deutscher Gebärdensprache (DGS) entwickelt, die kostenlos für die Plattformen iOS und Android verfügbar ist.

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