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Droht hier ein Desaster? Zumindest drohen die Kosten beim Neubau des Hallenbads an der Ludwig-Dill-Straße zu explodieren. Der Werkausschuss diskutierte bereits darüber, das Projekt abzublasen. 

Ausschuss der Stadtwerke Dachau diskutierte darüber, das Projekt abzublasen

Hallenbadbau stand auf der Kippe - wegen der Kosten

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Die neue politische Gruppierung Wir warnt vor einem „drohenden Desaster beim Bau des neuen Hallenbads“. Der OB verwehrt sich gegen diesen Pessimismus – und gibt gleichzeitig zu, dass das Großprojekt wegen explodierender Kosten zuletzt ernsthaft auf der Kippe stand.

Dachau – Markus Witte, Mitglied der neuen politischen Gruppierung „Wir – für Heimat, Werte und Zukunft“ ist Berufs-Ingenieur und Hobby-Schwimmer. Aufgrund dieser Kombination verfolgt er den Baufortschritt des neuen Dachauer Hallenbads mit größtem Interesse. Und das Gefühl, das ihn dabei zunehmend beschleicht, fasste er nun in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Florian Hartmann zusammen. Es sei kaum noch zu verhindern, schreibt Witte darin, „dass sich Baukosten und Bauzeiten gegenüber den ursprünglichen Kalkulationen mindestens verdoppeln“. Umso ärgerlicher sei es da, dass „angesichts des sich nun abzeichnenden Desasters kaum Informationen an die Öffentlichkeit gelangen“. Die Dimension der Kostensteigerung deute zudem „auf schwerwiegende Versäumnisse des öffentlichen Bauherrn und der Stadtwerke Dachau hin“. Seine Schlussfolgerung daraus: Er fordert „uneingeschränkte“ und „schonungslose Aufklärung“.

Wittes Ausführungen als Wahlkampfgetöse abzutun, wäre nun einfach. Doch der 52-Jährige hat in einem Punkt recht: Die noch im März 2017 kalkulierten Gesamtkosten für Bad und Sauna in Höhe von 19,4 Millionen Euro werden weit überschritten; vor zwei Monaten, im Dezember, nannte Stadtwerke-Chef Robert Haimerl die Summe von 22,2 Millionen Euro. Und Witte gibt zu bedenken: „Wir sind ja noch nicht mal beim schwierigsten Teil, Gewerke wie Heizung und Bad kommen ja erst noch!“

Oberbürgermeister Hartmann gibt zu, nicht glücklich zu sein über den Fortgang des Bauprojekts. Seit Dezember hätten sich die Kosten erneut nach oben bewegt, aktuell liege man 30 Prozent über der Berechnung von 2017. Doch Hartmann verweist zum einen darauf, dass diese Berechnung aus höchst qualifizierter Quelle – von Architekt und Projektsteuerer – stamme. Und dass zum andereren, so traurig es klingen möge, Kostensteigerungen um 30 Prozent bei Bauprojekten der öffentlichen Hand „mittlerweile leider keine Seltenheit“ mehr seien.

Im Moment, betont Hartmann, sei es „fast schon unmöglich, Baukosten zu kalkulieren“, der Markt sei „verrückt“! Beispiel: Bei der Vergabe einzelner Gewerke bekomme die Stadt oft nur ein einziges, weit über der ausgeschriebenen Summe liegendes Angebot. Die Stadt habe dann die Wahl zwischen Pest und Cholera: „Entweder wir nehmen das Angebot an oder wir schreiben noch mal neu aus – auf die Gefahr hin, dass es dann noch teurer wird.“

Vor diesem Hintergrund, gesteht Hartmann, habe der für den Bad-Bau zuständige Werkausschuss im Herbst in nichtöffentlicher Sitzung auch ernsthaft darüber diskutiert, das Projekt abzublasen. Lieber auf den bisherigen Kosten sitzen bleiben als einen Neubau zu riskieren, dessen Kosten nicht mehr abzuschätzen sind, lautete das Argument der Befürworter dieser Idee. Doch der Ausschuss ließ sich von einem extra zur Sitzung geladenen Vergaberechtsexperten überzeugen: Eine Kostensteigerung von 30 Prozent, so soll der Jurist laut OB Hartmann gesagt haben, sei „vertretbar“. Der Werkausschuss beschloss daher, dass man das Projekt nun „zügig durchziehen“ wolle.

CSU-Fraktionssprecher Florian Schiller ist mit Hartmann einer Meinung, „sehr sehr unglücklich“ zu sein über die Baustelle. Dennoch stehe seine Fraktion „nach wie vor dazu, dass wir diesen Hallenbadbau brauchen“. Ob es bei den nun kommunizierten Kosten und der geplanten Eröffnung im Herbst 2020 bleibe? „Dafür lege ich meine Hand nicht ins Feuer. Bei dem Projekt gab es schon so viele Überraschungen.“

Für Wir-Mann Witte steht fest, „dass wir die 30-Millionen-Marke knacken“. Da dies Steuerzahler-Geld sei, erwarte er nun „konkretere Informationen. Nicht mehr und nicht weniger“. Hartmann verspricht, die Öffentlichkeit weiterhin regelmäßig zu informieren, „wir haben ja nichts zu verbergen“. Die wesentlich spannendere Frage bei dem Projekt sei sowieso eine andere: Wie hoch werden die Unterhaltskosten? Da nämlich zeige sich endgültig, „ob wir gut geplant haben“.

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