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„Der Bleistift ist mein Werkzeug“: Heinz Eder wird 75 Jahre alt.

Heinz Eder 75 Jahre alt

Der Mann für den freien Flug

Heinz Eder hat in den über 50 Jahren seines künstlerischen Schaffens einige bunte Spuren in der Kreisstadt hinterlassen. Am heutigen Donnerstag wird er 75 Jahre alt.

Dachau – Welcher Dachauer sein Gesicht oder seinen Namen nicht kennen sollte, ein Werk von ihm kennt er. 

Den großen Hahn auf dem Dach der Bäckerei Denk in der Münchner Straße, der mittlerweile verschollene, bunte Flügel des ehemaligen Cafés Teufelhart in der Altstadt oder das riesengroße Fassadengemälde der Greta-Fischer-Schule aus vielen Puzzleteilen, das alles ist von ihm selbst oder auf Grund seiner Initiative entstanden.

Neben der „Kunst am Bau“ sind seine große Leidenschaft Zeichnungen, mit denen auch alles begann. „Der Bleistift ist mein Werkzeug“, sagt er. Der geborene Dachauer machte eine Ausbildung zum technischen Zeichner und später ein Studium der Feinwerktechnik. Letztlich bot die Konstruktionszeichnung ein zu kleines Maß an Kreativität für den jungen Mann. Im Büro war zu wenig Luft zum Fliegen. Das Dilemma des Heinz Eder war perfekt.

Er entschied sich für das Atmen in der „freien Natur“, die Kunst, für den freien Flug des Bleistifts beim Zeichnen. Er studierte schließlich an der Akademie der bildenden Künste in München und machte sich Ende der 70er-Jahre als Künstler selbstständig. Seitdem hat er sich entwickelt und viel experimentiert. Fügte beispielsweise Farbe zu seinen Werken. Bei Heinz Eder ergibt die Farbkomposition eine weitaus höhere Energie als die Summe, die einzelne Farbanteile entwickeln könnten. Außerdem experimentierte er mit neuen Materialien wie Bauschaum, Speziallack, Holz oder mit natürlichen Substanzen wie Pflanzenteile und Samen. Dazu kommen die plastischen Arbeiten wie seine Holzskulpturen, die Eders Fähigkeit der dreidimensionalen Abstrahierung zeigen. Neben der Gestaltung von Hausfassaden schuf er farbige, individuelle Möbel, illustrierte Kunst- und Kinderbücher und erarbeitete mit Schülern Kostüme und Masken für große Musicals.  

Vor allem für seine Arbeit mit Kindern wurde er mehrfach ausgezeichnet. Beispielsweise mit dem deutschen Musicalpreis „Afrika“ für seine Arbeit mit dem Ignaz-Taschner-Gymnasium. „Früher, als junger Mensch, war ich noch stolz auf so etwas“, erzählt er. Heute schaue er einfach gerne lächelnd zurück. Vor allem zu jenen Tagen, in denen er in sämtlichen Schubladen kramte.

In seinem Geburtstagsjahr organisiert er für November nochmals eine eigene Ausstellung in der KVD, wo er bereits jahrzehntelang Mitglied ist. „Ich suche momentan alles für meine Retrospektive zusammen“, sagt er. „Ich bin sehr überrascht, wie viel ich eigentlich gemacht habe, und teilweise kommen Erinnerungen wieder, die verloren waren. Das ist gerade sehr amüsant“, plaudert er.   

Vor allem die vielen Reisen für Auslandsarbeiten in Italien oder der Schweiz lassen ihn lächeln. Neben alten Werken und einer Übersicht seiner vielfältigen Mitwirkung bei anderen Projekten will er im November auch neuere Arbeiten zeigen, die erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind. Denn auch wenn die Schubladen voll sind und er über 50 Jahre künstlerisches Schaffen verbuchen kann, möchte er noch nicht ruhen. „Ich bin sehr konsequent. Ich gehe jeden morgen ins Atelier arbeiten und fange irgendwie an“, sagt der Künstler zu seinem Tagesablauf. „Darauf zu warten, dass einen die Muse küsst, so ist das bei mir nicht“, schildert Eder, der stolz ist, in Dachau geboren zu sein.

„Ich kenne die Geschichte und habe mich damit auseinandergesetzt“, meint der 75-Jährige, der Initiator des Dachau-Preises für Zivilcourage war, also einem Preis, der für das Bewusstsein dieser Stadt um ihre besondere Geschichte steht.

Gefeiert wird bei Heinz Eder, der aktuellen Situation geschuldet, „nur ganz reduziert“ mit Tochter, Frau und Enkelsohn zu Hause bei gutem Essen und einem guten Wein. „Mein Sohn mit meiner Enkeltochter leben in Madrid und können somit nicht kommen“, erzählt er. „Gäbe es Corona nicht, wäre es eine Feier mit sicher 70 Leuten geworden“, fügt er noch an. Doch: „Ja mei, dann feiern mir halt andersmal. Feiern is imma schee.“

Miriam Kohr/Klaus Münzenmaier

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