Hochwasserkatastrophen verhindern: Das ist die Aufgabe, mit der sich Fachplaner Knud Kramer befasst. Im Thomahaus stellte er die Varianten vor.
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Hochwasserkatastrophen verhindern: Das ist die Aufgabe, mit der sich Fachplaner Knud Kramer befasst. Im Thomahaus stellte er die Varianten vor.

Fachplaner stellt in Dachau Varianten vor

Hochwasserschutz ja – aber wo?

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Viele Fragen, endlich Antworten: Die Bürgerinformationsveranstaltung zum geplanten Hochwasserschutz an der Amper war lang, detailreich, zum Teil emotional – aber auch notwendig. Denn die betroffenen Anwohner hatten viele Fragen, auf die sie – zumindest in den meisten Fällen – am Dienstagabend im Thomahaus nun endlich Antworten bekamen.

Dachau – „Wirklich dramatisch und grauenvoll“ sei es, was den Hochwasseropfern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zuletzt zugestoßen sei, betonte Oberbürgermeister Florian Hartmann gegenüber den rund 100 Besuchern der Infoveranstaltung zu den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen an der Amper im Thomahaus. Das Thema sei also „leider sehr aktuell“, es gelte nun „solche Dinge in Dachau unbedingt zu verhindern“.

Constanze Hecker, Abteilungsleiterin Planung und Bau beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) München, ihr Kollege Carsten Esser sowie Knud Kramer vom Planungsbüro EDR wollen nun genau dies tun. Beziehungsweise müssen sie das sogar: „Die Hochwasserschutzplanungen sind gesetzlich verankert und einheitlich auf einen Schutzgrad eines 100-jährlichen Hochwasserereignisses bemessen“, wie Esser dem Publikum erklärte. Gegen ein 1000-jährliches beziehungsweise ein Extremhochwasser könne man sich zwar nicht schützen, aber auch dieses Ereignis werde in die Planungen einbezogen.

Die Ausgangslage

Bei einer Hochwasserlage ist es nach den hydraulischen Berechnungen des WWA so, dass das Wasser am Gündinger Wehr über die Ufer tritt und dabei in westlicher Richtung nach Dachau läuft. Das Wasser überschwemmt dann die Bereiche Im Lus und die Holzgartensiedlung und fließt unterhalb des Dachauer Wehrs zurück in die Amper.

Das Ziel des WWA und der EDR-Ingenieure ist nun, das Wasser umzuleiten, sodass es nicht mehr unterhalb, sondern oberhalb der Dachauer Stauhaltung zurück in die Amper fließt. Dabei sollen sowohl Menschen, Umwelt als auch Staatshaushalt geschont werden. Um dies zu erreichen, gibt es zwei Varianten, von denen – kurz gesagt – die eine sehr teuer und die andere sehr auwald-schädigend wäre. Und auch eine dritte, ebenfalls nicht günstige Kompromiss-Variante „löst nicht alle Probleme“, wie WWA-Mann Esser zugab (siehe Kasten).

Werner Wolf, Vorsitzender der Freien Turnerschaft München, die im Lus eine Fläche von 30 000 Quadratmetern betrifft, stellte vor diesem Hintergrund die grundsätzliche Frage: „Warum brauchen wir das Ganze überhaupt?“ Reiche es nicht aus, einfach das Gündinger Wehr so umzubauen, dass das Wasser gar nicht überlaufen könne?

Mauer an der Amper bringt gar nichts

Das schloss Esser allerdings aus, schon bei einem zehnjährlichen Hochwasser „ufert die Amper aus“. Eine entsprechende Mauer würde die Amper dort also zu einem unkontrollierbaren Fluss werden lassen. Ein Speichersee oder ein Rückhaltebecken, wie der Sylvensteinspeicher etwa, könnte in Günding zwar natürlich „die Spitze kappen, aber diese Möglichkeit haben wir dort einfach nicht“.

Yvonne Schneider war eine derjenigen Besucher, die sich „ein Konzept“ im Sinne einer ganzheitlichen Lösung für die Amper gewünscht hätte. Ihre Logik: Wenn man an mehreren Stellen im Flussverlauf eingreift, brauche es doch die eine große Maßnahme in Dachau nicht.

Constanze Hecker gab zu, dass dieses Konzept zwar für Flüsse wie Donau und Günz durchaus gebe, aber eben nicht für die Amper. Deren Charakteristik sei ganz anders. Ein Eingriff am Ammersee, der ohnehin schon ein „Puffer“ sei für das aus den Bergen kommende Wasser, etwa habe keinerlei Auswirkungen auf Dachau, weil es einfach sehr viele Zuläufe gebe. Die Amper habe einfach eine „sehr lang gestreckte Hochwasserwelle“.

Stadt und Freistaat teilen sich Kosten

Bernhard Hirsch und Thomas Fuß stellten die von Esser vorgestellte „Bewertungsmatrix aus Kosten und Ökologie“ in Frage. „Von Menschenleben habe ich bis jetzt nix gehört“, schimpfte Fuß, der einen landwirtschaftlichen Betrieb im Lus führt und befürchtet, bald „unversicherbar“ zu werden. Hirsch, der in der Holzgartensiedlung wohnt, kritisierte die Tatsache, dass bei der Wahl der Varianten offensichtlich das Bayerische Umweltministerium involviert sei: „Da steht ganz schön viel Politik dahinter“, merkte er an.

Weiterhin, das war die Botschaft des Abends, ist das Verfahren sprichwörtlich im Fluss, das heißt: Es ist nach wie vor nicht entschieden, welche Hochwasserschutzvariante umgesetzt werden soll. Das Verfahren, das bestätigte auch der Dachauer Bauamtsleiter Moritz Reinhold, dürfte aufgrund der vielen Betroffenen und der damit verbundenen hohen Klagewahrscheinlichkeit noch viele Jahre dauern.

Drei Varianten für den geplanten Hochwasserschutz an der Amper gibt es. Die Kosten hierfür teilen sich Stadt und Freistaat. Welche Variante das Wasserwirtschaftsamt befürwortet, soll noch in diesem Jahr entschieden werden, anschließend hat der Stadtrat das letzte Wort. OB Florian Hartmann kündigte aber bereits an, „dass wir als Stadt natürlich auf das Geld schauen müssen“.

Dass dies etwaigen Hochwasserkatastrophen egal sein dürfte, ist allen Beteiligten klar. OB Hartmann meinte achselzuckend: „Schneller geht’s nicht in diesem Land.“

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