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„In den Schubladen gekramt“ hat Florian Marschall.

Offene Türen in der Kleinen Moosschwaige

Fünf Künstler lassen in ihre Ateliers blicken

Es ist Tradition, dass am ersten Adventswochenende die Ateliers in der Kleinen Moosschwaige an der Schleißheimer Straße ihre Türen für Besucher öffnen.

Dachau – Vergangenes Jahr gab es davon nur eine abgespeckte Version. In diesem Jahr bekommt die Tradition eine besondere Bedeutung und neuen Schwung, denn drei Künstlerinnen sind zum ersten Mal dabei. Künstler Florian Marschall ist in diesem Jahr der Anker.

Bei Marschall ist alles beim Alten. „Die Atelierausstellung ist ein Querschnitt von dem, was man macht. Dafür kramt man in den Schubladen und stellt aus, was gefällt“, sagt er. So sieht man relativ neue Portrait-Zeichnungen neben älteren Arbeiten, die gegenüber seiner aktuellen Bild-Serie hängen, die er für die „RAUS“-Ausstellung der KVD in diesem Jahr herstellte. Altstadtbesucher werden seine Bilder als Film kennen – ein Vogelschwarm, der in einer Formation in das Bild fliegt und wieder verschwindet. „Dafür habe ich über 300 einzelne Bilder gezeichnet und diese in alter Trickfilm-Art nacheinander als Video zusammengeschnitten“, erklärt er. Fast ein ganzes Jahr war er damit beschäftigt – „ökologisch oder wirtschaftlich war diese Arbeit sicher nicht“, sagt er. „Zu lang“ hat er auch für ein Werk gebraucht, das er eigentlich für die KVD-Mitgliederausstellung fertigte.

Auch im Atelier der Künstlerin gigi scheint noch alles beim Alten. Ihre bunten, emotionalen, teilweise großformatigen Gemälde hängen an den hohen Wänden, während die Einrichtung des Wohnateliers mit Bücherregalen und Kamin einen schönen Rahmen und eine gemütliche Atmosphäre schaffen. Acrylfarben und Pinsel stehen noch auf dem Tisch. Doch sie sind nur eine Erinnerung. Gigi ist seit August 2018 tot, doch ihr Lebensgefährte Michael Schmetz stellt weiter aus.

„Ich habe es mir zur Pflicht gemacht, die Atelierausstellung weiterzuführen“, sagt er. Aus einem Nachlass von 150 Bildern hängen etwa 30 an den Wänden, weitere 50 stehen zum „Durchblättern“ in einer Kinderwiege oder auf dem Boden. Anders wie in der Wasserturmausstellung im September sind diesmal alle Werke käuflich.

In den restlichen Ateliers scheint nichts mehr, wie es war. Kein Wunder, sind doch im Sommer drei neue Künstlerinnen in das alte Atelier und in die Wohnung des 2017 verstorbenen Künstlers Thomas Vesely eingezogen. Die Stadt hat die Räumlichkeiten renoviert und an Claudia Flach, Karin Schuff und Margot Krottenthaler vergeben, die man als Kunstkenner wie Marschall von der KVD-Galerie kennt. Im Juli haben Krottenthaler und Schuff ihre neue kreative Heimat bezogen und setzen die Tradition der Atelierausstellung fort. Sie teilen sich ein Atelier, das sie nach ihren Wünschen verändern durften.

„Ich male wegen meiner stinkenden Ölfarben oben“, sagt Schuff etwas sarkastisch und freut sich nun, auch etwas größere Arbeiten hier in Angriff nehmen zu können. In der Ausstellung bekommen Besucher ihre gewohnt gekonnt gesetzten, breiten Pinselstriche in schwarzer, weißer, blauer und grüner Farbe zu sehen. „Ich zeige in der Ausstellung zwei Radier-Serien: ‚Herz-Bilder’ und ‚Louise’. Entstanden sind diese in der Druckwerkstatt der Letter-Stiftung in Coesfeld-Lette. Dort habe ich im September 2017 für zehn Tage meine Radier-Kenntnisse vertiefen können“, erzählt Krottenthaler.

Auch Claudia Flach ist mit ihren neuen Räumen glücklich. Ihr Brennofen zog erst am Mittwoch von der Pfarrstraße in die Moosschwaige. „Ich bin froh, alles untergebracht zu haben. Ich habe mich ja sehr verkleinert, doch das habe ich bewusst gewollt“, sagt sie. Besucher können ihre neuen Arbeitsplätze mit Drehscheibe, Ofen und Tisch zum Malen und Glasieren begutachten. Porzellanbecher, weiteres Geschirr, aber auch künstlerische, abstrakte und dekorative Sachen, die teilweise in den Garten platziert werden, können die Besucher ansehen und erwerben. „Kurse finden nur noch im Sommer im Garten unter einem Pavillon statt“, kündigt die Keramikkünstlerin an.

mik

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