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Landrat Stefan Löwl 

Weiterbildung der Dachauer

Keine Hoffnung auf eine eigene Hochschule - das hat drei Gründe

In den Gemeinden im Umland München gibt es Hochschulstandorte zuhauf – nur in Dachau nicht. Warum eigentlich? Landrat Stefan Löwl nennt dafür drei Gründe.

Dachau – Die Menschen im Landkreis Dachau bilden sich laut Weiterbildungsatlas der Bertelsmann-Stiftung relativ wenig weiter (Kasten). Das schwache Abschneiden des Landkreises Dachau in seinen Angeboten der Weiterbildung lässt die Frage aufkommen, warum Dachau bisher kein Hochschulstandort ist. Diese Idee, so Landrat Stefan Löwl auf Anfrage der Dachauer Nachrichten, sei keineswegs neu. So habe es in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Initiativen oder Anfragen gegeben, ob in Stadt oder Landkreis Dachau Hochschuleinrichtungen angesiedelt werden könnten. Bisher jedoch wurde kein Projekt umgesetzt.

Warum Dachau, im Gegensatz zu Kommunen wie Neubiberg, Garching, Freising oder Erding, bisher kein Hochschulstandort ist, nennt Löwl drei Gründe. Zum einen würde Dachau zu nahe an München liegen. Die bayerische Staatsregierung, die für die Hochschulen in Bayern verantwortlich ist, hätte die Politik betrieben, dass Standorte außerhalb der Ballungszentren als neue Hochschulstandorte bevorzugt würden. Zuletzt habe sich, so Löwl, die Dachauer Berufsschule um ein Modellprojekt für ein Duales Studium beworben, sie sei aber nicht zum Zuge gekommen. Das Projekt wurde schließlich in Schrobenhausen etabliert.

Zum zweiten, so Löwl, sei der Name Dachau viele Jahre ein Hindernis für die Einrichtung einer Hochschule gewesen. Löwl sieht jedoch die Idee, den Lernort Dachau mit einem Hochschulinstitut zu verbinden, durchaus positiv. Als dritten Grund, warum es in Dachau noch keinen akademischen Lehrbetrieb gebe, nennt Löwl mangelnden Platz. Er berichtet von Anfragen, zum Beispiel der Technischen Universität München, die wegen fehlendem Platzangebot abgelehnt werden mussten.

Dennoch würde im Landkreis Dachau einiges in Bezug auf die Weiterbildung passieren. Löwl nennt zum einen die Initiative der West-Allianz, zu der sich Gemeinden an der A8 zusammengeschlossen haben. Diese würde im Rahmen ihrer Bildungsakademie auch Kooperationen mit Fachholschulen in Oberbayern anstreben. Der Landkreis selbst habe vor zwei Jahren eine Bildungskonferenz durchgeführt und den Wert des lebenslangen Lernens erkannt. Im Mai dieses Jahres werde eine Stelle eines Bildungskoordinators im Landratsamt eingerichtet, die aus Bundesmitteln finanziert werde. Große Hoffnungen auf eine eigene Hochschule in Stadt und Landkreis Dachau macht sich Löwl jedoch zur Zeit nicht.

Diese Einschätzung deckt sich mit einer aktuellen Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Eine Sprecherin betonte gegenüber den Dachauer Nachrichten, dass dem Staatsministerium aktuell keine „Überlegungen, in Dachau eine neue Hochschule oder eine Zweigstelle einer bestehenden Hochschule einzurichten“, vorliegen würden. Im „Innovationsbündnis Hochschule 4.0“ hätten sich 32 bestehende bayerische Hochschulen und die Staatsregierung darauf verständigt, dass „hinsichtlich der Schaffung weiterer Hochschulstandorte sowie Außenstellen und Teilstandorte bestehender Einrichtungen – auch mit Blick auf die nach derzeitigem Stand zu erwartende allmähliche Stabilisierung der Studienanfängerzahlen auf einem Hochplateau und die Gründung einer neuen Universität in Nürnberg – ein strenger Bedarfsmaßstab angelegt wird.“ Vor diesem Hintergrund erscheine „die Einrichtung einer Hochschule oder Hochschulzweigstelle in Dachau auf absehbare Zeit wohl nicht realistisch“.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte in diesem Zusammenhang: „Ein Blick auf die Hochschul-Standort-Karte zeigt: Im Umkreis von 50 Kilometern erreicht jeder inzwischen ein Hochschulangebot. Daher lautet mein strategisches Ziel: Konsolidieren statt weiter expandieren!“

Bernhard Hirsch

Statistisches

Im Landkreis Dachau bilden sich die Menschen relativ wenig weiter. Während im Jahr 2015 im Bayern-Durchschnitt 12,6 Prozent aller Menschen über 25 mindestens eine allgemeine oder berufliche Weiterbildung absolvierten, waren es im Landkreis Dachau nur 10,59 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Auflage des Deutschen Weiterbildungsatlases der Bertelsmann-Stiftung.

Noch eine Nachricht sollte die Verantwortlichen in Politik und Bildung aufhorchen lassen: Der Landkreis schöpft das Potenzial für Weiterbildungsmaßnahmen, das er auf Grundlage seiner Sozial- und Wirtschaftsstruktur hätte, nur zu 77 Prozent aus. Bayernweit beträgt diese Quote knapp 100 Prozent.

Die Potenzialausschöpfung gibt an, wie gut Kreise ihre strukturellen Voraussetzungen für Weiterbildung nutzen. Ausgehend von den wirtschaftlichen und soziostrukturellen Daten der verschiedenen Kreise haben Forscher dabei berechnet, wie hoch die Weiterbildungsbeteiligung in einer Region im Deutschlandvergleich eigentlich sein müsste. Somit geht es aus den Berechnungen hervor, dass es der Politik und den Bildungsanbietern im Landkreis Dachau nicht ausreichend gelingt, trotz guter struktureller Voraussetzungen, die Dachauer zur Weiterbildung zu motivieren. Größter Anbieter der Weiterbildung im Landkreis Dachau waren die öffentlichen Träger, vor allem die Volkshochschulen in Stadt und Landkreis Dachau. Diese haben in den Jahren 2014 und 2015 durchschnittlich 15,18 Kurse pro 1000 Einwohner angeboten. Dies sind fünf mehr als im Bayerndurchschnitt. Gering ist dagegen das Angebot konfessioneller und gewerkschaftlich organisierter Weiterbildungsanbieter. So gab es im Landkreis nur 0,014 Kurse pro 1000 Einwohner, in Bayern waren es nur unwesentlich mehr (0,016). Auch privatwirtschaftliche Träger bieten nur wenig (0,5 Kurse pro 1000 Einwohner) an.

Im Vergleich zum Bayern-Durchschnitt geringer ist auch das Angebot der betrieblichen Weiterbildung. Diese umfasst alle externen und internen betrieblichen Weiterbildungen sowie die betriebliche Förderung von Kursteilnahmen. Hier werden 52,28 Kurse pro 1000 Einwohner angeboten, im Bayern waren es durchschnittlich 53,74.

hi


Kommentar

Wenn es um Mieten oder Kaufpreise für Häuser und Wohnungen geht, ist der Landkreis Dachau in Rankings meist vorne dabei. Befassen sich Vergleichsstudien jedoch mit der harten und weichen Infrastruktur, schaut es in Dachau bei weitem nicht so rosig aus. So liegt Dachau bei der Versorgung mit schnellem Internet bundesweit nur im Mittelfeld, jetzt gibt es auch bei der Weiterbildung der Landkreisbürger nur mäßige Bewertungen. Ein gefährliches Signal. Noch geht es der Wirtschaft gut, und viele Menschen im Landkreis verdienen gutes Geld. Doch das kann sich schnell ändern. Die lokale Politik sollte also schon jetzt aktiv werden. Zwei weitere Gymnasien reichen da nicht aus. Auch die Bildungsangebote für Erwachsene müssen mehr und besser werden. Im Vergleich zu Dachau kleinere Kommunen wie Freising, Erding, Neubiberg oder Garching sind längst Hochschulstandorte. Die Schlussfolgerung daraus kann nur sein: Die Dachauer Politik sollte sich verstärkt um das Thema Weiterbildung kümmern!

Bernhard Hirsch

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