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Ein Garten der Überraschungen: Karin Kottmeir vor ihren Bananenstauden.

Sieger des Wettbewerb „Blumen- und Gartenschätze 2019“ der Stadt Dachau

Das grüne Vermächtnis des Johann Kottmeir

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Der Kottmeir-Garten hat den Wettbewerb „Blumen- und Gartenschätze 2019“ der Stadt Dachau gewonnen. Die Jury wusste bei ihrer Entscheidung nichts von der traurigen Geschichte um die Familie Kottmeir – die mit dieser Ehrung eine wunderbare Wendung gefunden hat.

Dachau – Johann Kottmeir hat vor 20 Jahren auf seinem Anwesen in der Christian-Hergl-Straße einen ganz besonderen Garten geschaffen. Nun gewann das grüne Paradies den Wettbewerb „Blumen- und Gartenschätze 2019“ der Stadt Dachau. Den Preis nahm seine Ehefrau Karin aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Hartmann entgegen – fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes.

„So eine Freude! Ich nehme die Ehrung stellvertretend und in Gedenken an meinen Mann entgegen“, so Karin Kottmeir. Ihr Mann habe den Garten ganz alleine mit sehr viel Herzblut gepflegt. Zum ersten Mal nach dessen Tod „bin ich wieder glücklich“.

Doch was macht das Kottmeir-Juwel so besonders? Das erklärte Umweltreferentin und Jurymitglied Sabine Geißler in ihrer Laudatio: „Der sehr exklusive und besondere Garten ist sehr gut von zwei Seiten aus einsehbar. Auffällig ist: Der gesamte Garten ist mit Gehölzen, Stauden und Einjährigen bepflanzt, es gibt fast keine Rasenflächen. Wasser im Garten gibt es in Form eines Gartenteichs.“ Und: „Blickfang sind die exotischen Gehölze wie Immergrüne Magnolie, Bananenstaude, Hanfpalme und dunkellaubiger Judasbaum. Sowohl am Zaunrand als auch im Garten selbst finden sich ausgesäte Einjährige, Zweijährige und Stauden wie beispielsweise Nachtkerze, Stockrose, Johanniskraut, Akelei und Storchschnabel – dekorativ als Blackbox-Gardening.“

Der Fachbegriff Blackbox-Gardening beschreibt das Gärtnern ohne ausgeklügelten Plan: Anstatt viele Pflanzen zu kaufen und sie nach einem Pflanzplan in den Garten zu setzen, benötigt Blackbox-Gardening nur wenige sogenannte Initialpflanzen – nämlich stark selbst versamende Pflanzen. Durch Dynamik und Zufall wandelt sich dann das Erscheinungsbild des Gartens, die Pflanzen finden von selbst geeignete Standorte. Blackbox-Gardening ist also etwas für Überraschungsfreudige.

Mit den drei Sätzen: „Den Hauseingang schmückt eine duftende und von Insekten umschwärmte Blauraute. Obstbäume, Spalierobst und Kletterkünstler wie die orange-rote Trompetenblume sowie Rosen und Geißblatt bereichern die enorme Vielfalt im Garten. Durch die abgestimmte Pflanzenauswahl bietet der Garten das ganze Jahr über zahlreiche Blütenangebote für Insekten“, schloss Sabine Geißler ihre Lobrede.

Doch nicht nur der Kottmeir-Garten hat die Jury erfreut. Es galt noch vier weitere „Oasen rund ums Haus“ (OB Hartmann) zu ehren. Die Jury mit Geißler, Stadtrat Wolfgang Moll, Landschaftsarchitekt Hartmut Lichti, der Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Dachau, Waltraud Anders, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege, Siegfried Lex, sowie dem Sachgebietsleiter Stadtgrün und Umwelt, Stefan Tischer wählte den Garten von Heidi Bichler und Jürgen Wolf (Föhrenweg) auf Rang zwei sowie den von Detlev Ebert (Flurstraße) auf Rang drei. Magdalene Elter (Georg-Treu-Weg) landete auf Rang vier und Petra Thiele (Müller-Dachau-Weg) auf Rang fünf.

Karin Kottmeir, die als Kunstlehrerin am Josef-Effner-Gymnasium arbeitet, lobte beim Festakt die Abteilung Stadtgrün, die sich übers Jahr schon um das Kottmeir-Paradies gekümmert hat, und versprach, auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen. „Das ermutigt mich, mit dem Garten weiter zu machen“, so die Siegerin – ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes. „Als man mir die Begründung für den Preis vorgelesen hat, habe ich ihn vor mir sitzen sehen“, sagte Karin Kottmeir.

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