Eine einzige Lange Tafel ist die Münchner Straße alljährlich am letzten Samstag der Sommerferien. Foto: Archiv

Stadtrat genehmigt Zuschuss nur für 2019

Die Lange Tafel muss sparen

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Die alljährliche Lange Tafel in der Münchner Straße wird immer beliebter, immer größer – aber auch immer teurer. Die Veranstalter wollen daher von der Stadt mehr Geld für die Organisation des weitum bekannten Fests. Die Stadträte stimmten – zähneknirschend – zu. Aber nur für dieses Jahr.

Dachau – Seit Januar, sagt Isabel Seeber, ist sie mit der Organisation der Langen Tafel 2019 beschäftigt. Sie weiß, wie sie als Fest-Verantwortliche reagieren muss, wenn ein Sturm über der Münchner Straße hereinbricht, wenn verdorbenes Essen zu Massen-Diarrhoe führt oder ein Terror-Angriff auf die Große Kreisstadt verübt wird. Sie akzeptiert auch, dass sie als offizielle Organisatorin der Langen Tafel keinen eigenen Stand betreiben darf und ihr – aus Sicherheitsgründen – nicht einmal ein Glaserl Wein während der Veranstaltung vergönnt ist.

Dennoch macht Candisserie-Inhaberin und Bund-der-Selbständigen-Ortsvorsitzende Seeber seit nunmehr 14 Jahren den Job der Tafel-Planerin gern – „für unsere Straße, für unsere Stadt, aber ich selbst habe wirklich gar nix davon“.

Dass Isabel Seeber ihre Arbeit gut macht, erkannten die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss am Mittwoch auch durchaus an. Laut Oberbürgermeister Florian Hartmann gehört die Tafel „mittlerweile eindeutig zu den größeren Festen, die es in unserer Stadt gibt“. Florian Schiller (CSU) lobte Seebers Engagement als „herausragend“, und Jürgen Seidl (FDP) betonte, die Tafel sei „positiv für das Ansehen unserer Stadt und eine gute Marketingmaßnahme“.

Allein: Der Zuschuss in Höhe von 24 000 Euro, den Seeber und ihre Kollegen der Münchner Straße für die Ausrichtung der Langen Tafel 2019 beantragt hatten, war den Stadträten zu hoch. CSU-Sprecher Schiller sprach von „Dimensionen, wo wir nicht mehr einfach sagen können: ,Gut, dieses Defizit gleichen wir jetzt einfach mal aus.’“ Die Tafel sei Schiller zufolge „Opfer ihres Erfolgs“ geworden, weshalb seine Fraktion es für sinnvoll erachte, das Straßenfest heuer ausfallen und – im nächsten Jahr – mit neuem Finanzierungskonzept wieder ausrichten zu wollen.

Edgar Forster (FW) gab zu bedenken, dass man als „guter Kaufmann schon schauen sollte, wie man seine Kosten selber deckt“ und empfahl zur Steigerung der Einnahmen die Erhöhung der Standgebühren. Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) dagegen nahm sich das Fest „Jazz in allen Gassen“ zum Vorbild und warb für die Erhebung von 2 Euro Eintritt.

Am Ende stand ein Kompromiss: Damit das Fest auch 2019 stattfinden kann, genehmigte der Ausschuss einen Defizitzuschuss in Höhe von 20 100 Euro. Für 2020 dann sollen die Tafel-Veranstalter „alternative Lösungsansätze zur Reduzierung des Defizits“ vorlegen.

Isabel Seeber kann – fürs Erste – mit dem Ergebnis der Sitzung leben. Damit habe sie die Sicherheit, „im schlechtesten Fall zumindest mit Null aus dem Fest rauszugehen“. Und auch wenn es sie doch ein wenig ärgere, sich von Stadträten vorwerfen lassen zu müssen, nicht rechnen zu können, ist sie dankbar für das einhellige Bekenntnis der Stadträte zur Fortführung des durchschnittlich 10 000 bis 15 000 Besucher zählenden Fests.

Gerne werde sie daher auch an einer „gemeinsamen Lösung mitarbeiten, wie ich langfristig aus der alleinigen Verantwortung rauskommen kann“. Wogegen sich Isabel Seeber aber explizit ausspricht, ist die Einführung eines Eintrittsgelds: Die Lange Tafel sei als Dankeschön an die Kunden gedacht gewesen, als Familienfest, über das man einfach schlendern und wo man eine gute Zeit verbringen kann. Ein „Pflicht-Eintritt“ würde diesen Fest-Charakter verderben.

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