Mensch mit Rollator
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Mit einem Rollator musste Anita M. wieder gehen lernen.

Dachau: Wie Anita M. gelernt hat, Hilfe anzunehmen

Leben am Existenzminimum

Mit dem Tod des Vaters hat alles angefangen. Heute ist Anita M. hilfsbedürftig.

Dachau – „Begonnen hat alles mit dem Tod meines Vaters vor sieben Jahren.“ Der Schmerz in Anita M.’s Stimme ist nicht zu überhören. Sie lebte damals mit ihren beiden Eltern in einem Mietshaus im Landkreis Dachau. Da Anita M. anonym bleiben will, ist ihr Name geändert. Auch ihr Wohnort wird nicht genannt.

„Ich habe den Verlust meines Vaters nicht verkraftet“, sagt sie. Alles sei zusammengebrochen. Ohne ihren Vater war es für M. und ihre Mutter schwer, über die Runden zu kommen. „Mit dem Tod meines Vaters war auch das Geld nicht mehr da.“

Ihre Arbeit bei der Presse hatte M. aufgrund von Stress bereits vor Jahren aufgeben müssen. Seitdem hatte sie sich rund um die Uhr um ihre pflegebedürftige Mutter gekümmert; nach dem Tod des Vaters war diese Last an Anita allein hängen geblieben.

Doch dann stürzte M. Schwerverletzt kam sie ins Krankenhaus. Als sie aus dem Koma erwachte, hatte sie eine Schwerbehinderung. Langsam musste sie wieder lernen zu gehen – zuerst mit einem Rollator, dann mit Krücken – bis sie es schließlich schaffte, sich wieder ohne Gehhilfe fortzubewegen.  

Neben den gesundheitlichen Sorgen spitzte sich schließlich auch ihre finanzielle Lage zu. „Wir konnten unsere Miete nicht mehr zahlen.“ Die beiden mussten ausziehen. „Für meiner Mutter war das besonders hart.“ In einem Betreuten Wohnen in der Nähe von Dachau kamen die beiden unter. Dort lebten sie fortan am Existenzminimum.

Über die Wohnbetreuerin erfuhr Anita M. zum ersten Mal von der Tafel. Mit gemischten Gefühlen ging M. schließlich dorthin: „Am Anfang war es schon eine Überwindung für mich.“ Sie habe Angst gehabt, was sie dort wohl erwarten würde.

Von Herzen dankbar für die Tafel

Das ist nun sechs Jahre her. Mittlerweile ist die Mitte 60-Jährige „von Herzen dankbar“, dass es Einrichtungen wie die Tafel gibt. Die Tafel sei weitaus mehr als nur die Versorgung für den täglichen Bedarf. „Besonders der soziale Kontakt tut gut.“

Anita M. lebt nach wie vor im Betreuten Wohnen – mittlerweile jedoch ohne ihre Mutter. „Ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt“, erzählt M. Auch in dieser schweren Zeit war M. dankbar für die Tafel, denn dadurch habe sie die Gelegenheit bekommen, den eigenen vier Wänden zu entkommen und für ein paar Stunden ihre Einsamkeit und Armut zu vergessen.

Doch die Arbeit der Tafeln ist durch die fortlaufende Pandemie deutlich eingeschränkt. Statt wöchentlich können Betroffene nur alle zwei Wochen zur Tafel gehen. Gerade jetzt in der Corona-Krise ist es jedoch wichtig, hilfsbedürftigen Menschen zu zeigen, dass sie nicht vergessen werden.

Mit ihrer „Kette der helfenden Hände“ arbeiten die Dachauer Nachrichten mit sozialen Organisationen eng zusammen. Deren Mitarbeiter wissen oft am besten, wo das Geld am dringendsten gebraucht wird. Auch Bürgermeister, Geistliche oder Lehrer nennen uns Namen von Menschen, die besonders bedürftig sind.

Vielen Dank auch an die Leser der Heimatzeitung, denn ohne sie gäbe es die „Kette der helfenden Hände“ nicht. Dank gebührt auch Einrichtungen wie der Tafel, die Menschen in Not absichern. Denn oftmals ist es nicht nur ein schwerer Schicksalsschlag, der die Menschen in Notsituationen bringt, sondern auch versteckte Armut, Unwissenheit oder einfach nur Scham, die dazu führen, dass Menschen nicht um Hilfe bitten.

vm

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