Mann am Telefon
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Ununterbrochen am Telefon: Paul Polyfka, Leiter des Impfzentrums Dachau, am DN-Lesertelefon.

Der kurze Draht ins Impfzentrum

Lesertelefon: Leiter des Impfzentrums Dachau Paul Polyfka beantwortet Fragen rund ums Impfen

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Fragen rund um das Impfen gegen das Corona-Virus hat der Leiter des Impfzentrums Dachau mit dem Lesertelefon der Dachauer Nachrichten beantwortet.

Dachau – Probleme bei der Registrierung, langes Warten auf einen Termin, aber auch sehr persönliche Anliegen: Die Menschen haben viele Fragen, was die Impfung gegen das Coronavirus angeht. Daher war die Resonanz auf das Lesertelefon der Dachauer Nachrichten mit dem Leiter des Impfzentrums Dachau, Paul Polyfka, groß. Von kurz von 10 Uhr bis nach 12 Uhr klingelte ununterbrochen das Telefon, der BRK-Kreisgeschäftsführer kam zwischendurch kaum dazu, seinen Kaffee zu trinken. Und dennoch ist nur ein Bruchteil der Leser durchgekommen. Daher fassen wir die Fragen und Antworten auf dieser Seite zusammen.

Ich möchte mich impfen lassen. Was muss ich tun?

Sie müssen sich registrieren lassen. Das funktioniert über zwei Wege: Wenn Sie einen Internetzugang haben, können Sie sich über das Online-Portal www.impfzentren.bayern anmelden. Oder Sie rufen die Nummer 116 117 (ohne Vorwahl) an. Sie können Ihren Ehepartner gleich mitanmelden. Im ersten Fall werden Sie per E-Mail oder SMS kontaktiert, im zweiten Fall per Telefon.

Meine Frau und ich sind beide schon über 80, Jahrgang 40 und 41, und sind schon seit Januar registriert. Wann kommen wir dran?

Sie sind die jungen 80-Jährigen. Wir sind gerade beim Jahrgang 34. Das kann jetzt auch schnell gehen, weil sehr viel Biontech-Impfstoff im Zulauf ist. Letzte Woche haben wir alleine in Dachau 1666 Erstimpfungen durchführen dürfen. Ich vermute, es dauert nur noch zwei, drei, vier Wochen. Allerdings kann man durch den unbeständigen Zulauf an Impfstoff keine seriöse Zeitangabe machen.

Ich bin Jahrgang 41, im September werde ich 80 Jahre alt. Wann komme ich dran?

Dann dauert es noch ein bisschen. Sie gehören in die Prioritätengruppe 2, und wir sind jetzt aktuell in der Gruppe 1, bei den über 80-Jährigen, beim Jahrgang 33/32 in Dachau. Ich vermute, in den nächsten sechs bis sieben Wochen müssten Sie ein Terminangebot bekommen. Wir geben unser Bestes, es kommt ja immer mehr Impfstoff, was zur Folge hat, dass wir auch immer mehr Termine anbieten werden. Es kann schon schneller gehen, aber auf den Tag genau können wir das nicht prophezeien. Ein weiterer wichtiger Faktor ist dabei auch noch die Zulassung weiterer Impfstoffe bzw. die Aufhebung der Altersbeschränkung des Astrazeneca Vakzins. Dieses Mehrangebot an Impfstoff würde einen schnelleren Impftermin möglich machen.

Ich habe mich schon vor längerer Zeit registriert. Jetzt höre ich nichts mehr. Ich habe Angst, dass das System mich vergisst.

Nein, das System übersieht niemanden. Wir haben alle Anrufer, die angegeben haben, registriert zu sein, auch in der Datenbank gefunden. Die Registrierung hatte also bei allen funktioniert. Wer sich unsicher ist, kann seinen Registrierungsstatus über sein Online-Profil einsehen oder bei der Hotline nachfragen.

Gibt es schon einen Termin, wann Hausärzte impfen dürfen?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben schon mehrmals Impfsituationen in Hausarztpraxen erprobt. Das geht gut mit dem Astrazeneca-Impfstoff. Die anderen Impfstoffe sind so fragil, dass sie schwer transportiert werden können. Wir möchten schnell in die Fläche gehen und suchen gemeinsam mit Landrat Stefan Löwl und Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel nach Lösungen, aber es gibt noch keinen konkreten Plan. Wir sind aber in Kontakt mit Arztpraxen, um Modellversuche auszuprobieren.

Kann ich einen gemeinsamen Impftermin mit meiner Frau bekommen?

Das ist aktuell nicht möglich. Vermutlich erhalten Sie unterschiedliche Termine – das hängt mit der Software zusammen, uns sind da die Hände gebunden. Der Vorschlag, dass man Partnertermine mitvergeben kann, rein aus einfacheren Gründen, ist bekannt und weitergegeben, aber ob das umgesetzt wird, kann ich Ihnen nicht sagen. Dennoch versuchen wir gerade bei den telefonischen Terminbuchungen, auf die Wünsche der Anrufer einzugehen und alles, was machbar ist, möglich zu machen.

Ich habe schwere Vorerkrankungen. Komme ich früher dran?

Entscheidend ist in erster Linie Ihr Alter. Aber eine akute, behandlungsbedürftige Krebsbehandlung etwa ist ein Grund für eine Höherstufung in der Priorisierung. Sie können aber Ihre Vorerkrankung angeben und innerhalb Ihrer Prioritätsstufe einen früheren Termin bekommen. Genaue Priorisierungsgründe können Sie immer in der aktuellen Version der Impfverordnung nachlesen.

Ist eine Allergie eine Indikation, dass man früher zur Impfung dran kommt?

Nein, mit einer Allergie wird man nicht bevorzugt. Alle genauen Priorisierungsgründe können Sie auch im Falle von Erkrankungen in der ImpfVO durchlesen. Falls Sie einen speziellen Fall haben, gibt es auch die neu gegründete Impfkommission in Bayern, die Einzelfälle überprüft und gegebenenfalls eine höhere Priorisierungsempfehlung ausspricht.

Meine Eltern sind gehbehindert und werden zu Hause gepflegt. Kommt zu ihnen ein mobiles Impfteam?

Nein, nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Natürlich ist die Zielgruppe der Menschen, die immobil sind, vor Augen, aber leider gibt es noch keine strukturelle Lösung, die ich Ihnen anbieten könnte. Aber an einer Lösung wird gearbeitet. Wir versuchen gerade, Systeme zu entwickeln, die dezentral sind. Das heißt, eine Art Außen-Impfzentrum zu installieren. Parallel versuchen wir, Lösungen zu finden, wie Menschen, die zuhause leben und ganz immobil sind, auch an eine Impfung kommen. Das ist aber alles noch in der Entwicklung. Die Struktur kann sich ändern, wenn die Transportfähigkeit des Biontech-Impfstoffs verbessert wird. Und auch die Hausärzte werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Ich habe schon Corona gehabt. Muss ich mich noch impfen lassen?

Am besten fragen Sie einen Arzt. Wenn Sie nachweislich eine Corona-Erkrankung hatten, würden Sie eh von der Impfpriorisierung nach hinten geordnet werden, weil Ihr Körper bereits Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hat. Aber es kann Sinn machen, dass Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt impfen lassen. Stand heute ist, dass erst sechs Monaten nach diagnostizierter Erkrankung geimpft werden darf. Man geht davon aus, dass genügend Antikörper vorhanden sind, die eine Impfung nicht notwendig machen. Sollte allerdings ein Nachweis erbracht werden, der belegt, dass keine Antikörper vorhanden sind, dürfte der Impfwillige auf Basis einer Einzelentscheidung auch geimpft werden, sofern seine/ihre Priorisierungsgruppe an der Reihe ist. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass niemand benachteiligt wird, der in Wahrheit keine Antikörper besitzt.

Ich bin Kontaktperson zu meinem 91-jährigen Vater, der keine Pflegestufe hat. Rutsche ich in die zweite Priorisierungsstufe?

Korrekt. Sie werden als enge Kontaktperson zu einem über 80-Jährigen auch höher priorisiert, auch wenn Ihr Vater keine Pflegestufe hat. Sie brauchen lediglich eine Bestätigung Ihres Vaters, der ja zwei Kontaktpersonen benennen darf.

Welche Gruppe wird aktuell geimpft? Wann beginnen Sie mit Prio-Gruppe 2 und 3?

Wir sind schon auch in der Gruppe 2 mit dem Astrazeneca-Impfstoff unterwegs. Es kommt immer auf die Verfügbarkeit des Impfstoffs an und wieviele Leute registriert sind. Wir vergeben aktuell nur Termine mithilfe der Software von BayIMCO. Wer somit nicht registriert ist, kann auch keinen Termin erhalten.

Mein Vater ist schon geimpft, meine Schwiegereltern auch. Wie sollen wir uns verhalten, sollen wir Masken tragen?

Ja, denn es sind noch zu wenig Studiendaten vorhanden, die belegen, dass eine Impfung auch die Weitergabe des Virus verhindert.

Meine Tochter ist 17. Wie sieht es da mit einer Impfung aus?

Ist möglich, sie kann sich anmelden.

Ich habe vor kurzem einen Terminvorschlag zur Impfung bekommen, hatte aber keine Zeit. Wie geht es nun weiter?

Keine Sorge, die Einladung verfällt nicht. Sobald Sie berechtigt sind, einen Termin zu ziehen, bekommen Sie einmalig eine Benachrichtigung – entweder per E-Mail, SMS oder per Anruf, je nachdem, wie Sie registriert sind. Wenn Sie diese Termine nicht wahrnehmen, bleiben Sie weiterhin berechtigt und können selbstständig immer wieder in das System schauen, ob es einen anderen Termin gibt, der Ihnen besser passen würde. Wir vergeben Termine vier Tage oder bis zu einer Woche im Voraus, daraus können Sie sich einen ansehen.

Ich habe eine Benachrichtigung bekommen, kann aber keinen Termin buchen.

Grundsätzlich funktioniert die Terminvergabe zuverlässig. Sobald Termine zur Verfügung stehen, können Sie einen Termin ziehen. Möglicherweise liegt ein technisches Problem vor. Versuchen Sie es mit einem anderen Browser, oder rufen Sie beim Callcenter unter 116 117 an.

Ich bin 76 Jahre alt, hatte Krebs und mir fehlen Organe. Soll ich mich jetzt schon anmelden, habe ich eine Chance, jetzt schon dranzukommen?

Ich rate jedem, sich anzumelden! Sie können hier Ihre Vorerkrankungen angeben, und das System priorisiert automatisch. Aufgrund Ihres jungen Alters wären Sie in der Prio-Gruppe 2, das heißt aber auch: Wenn Termine in Gruppe 1 nicht vergeben werden können, springt das System automatisch in Gruppe 2 und bietet dort Menschen Termine an. Es kann sein, dass man schneller dran kommt, als man denkt.

Wenn der Astrazeneca auch für ältere Menschen über 65 empfohlen wird, vertragen wir den dann auch?

So ist es. Aktuell gibt es die Diskussion, ob der Astrazeneca-Impfstoff auch für Menschen über 65 freigegeben werden kann. Sollte das so sein, wird uns Versorgungsarzt Dr. Günzel informieren, und das würde bedeuten, dass wir viel mehr Personen schneller impfen können. Unter unserer Internetseite www.impfzentrum-dachau.de haben wir unter dem Reiter „Impfstoffe“ die wichtigsten Aspekte kurz und bündig zusammengefasst.

Stimmt es, dass der Impfstoff von Astrazeneca nur eine Wirkung von einem halben Jahr hat?

Nein, das ist mir unbekannt. Das würde mich wundern. Und es gilt auch, dass über Langzeitwirkungen zum jetzigen Zeitpunkt keine seriösen Angaben gemacht werden können, da hierzu Studiendaten fehlen.

Ich habe gesehen, dass in einer Praxis in Petershausen geimpft wurde. Kann man das nicht für ältere Menschen auch machen?

Das war die Impfung für Erzieher, Lehrer und Kinderpfleger, die wurden mit dem Impfstoff Astrazeneca geimpft, der nur für unter 65-Jährige zugelassen ist. Der Impfstoff für über 65-Jährige, zum Beispiel Biontech, ist nicht so transportfähig, dass wir ihn einfach in einer Hausarztpraxis verimpfen können. Wenn Astrazeneca auch zugelassen wird für ältere Personen, wäre das leichter machbar – oder wenn die Pharmaindustrie bessere Erkenntnisse über die Transportfähigkeit von Biontech erreichen wird.

Wer entscheidet, wann wer einen Termin bekommt?

Das macht das System automatisch nach den Priorisierungsstufen der aktuellen ImpfVO. Wir können nur die Anzahl an verfügbaren Terminen pro Impfstoff eintragen und dazu berechtigte Leute einladen, die vom System automatisch per Zufallsprinzip ausgewählt werden. Dies ist alles konform mit der aktuellen Version der ImpfVO.

Kann ich mir den Impfstoff aussuchen?

Ein klares Nein! Da der Impfstoff aktuell noch sehr zögerlich und in nicht zu großen Mengen im Zulauf ist, bekommt jeder den Impfstoff, der laut der ImpfVO für die Person vorgesehen ist.

Wo können wir zum Impfen hingehen?

Es gibt bei uns im Landkreis zwei Möglichkeiten: das Impfzentrum Dachau und das Impfzentrum Karlsfeld, je nachdem, wo Sie wohnen. Sie werden nach Postleitzahl einem Impfzentrum zugeteilt.

Weiteres Lesertelefon

Eine zweite Gelegenheit für unsere Leser, Fragen rund ums Impfen zu stellen, gibt es am Donnerstag, 11. März. Von 14 bis 16 Uhr sind Neslihan Bektas, Leiterin des Impfzentrums Karlsfeld, und Joern Osenbrück, Projektleiter für die Impfzentren im Johanniter Regionalverband Oberbayern, zu Gast in der DN-Redaktion. Sie stehen von 14 bis 16 Uhr unter 0 81 31/5 63 29 zur Verfügung.

Paul Polyfka beantwortet geduldig die Anliegen der DN-Leser

Viele Fragen rund um die Impfung sind ungeklärt. Etliche Senioren wollen sich impfen lassen und sind schlichtweg verunsichert, wie und wann sie an die Impfung kommen. Das zeigte sich am Mittwoch beim Lesertelefon der Dachauer Nachrichten. Die Impfkampagne erreicht viele der älteren Mitbürger nicht, die dringend auf die Impfung angewiesen wären.

40 Leser sind beim Lesertelefon durchgekommen, viele hundert weitere haben leider nur das Besetztzeichen gehört. Das tut uns leid! Paul Polyfka hat zwei Stunden lang ununterbrochen telefoniert – im Durchschnitt vier Minuten pro Anruf. Er hat sich geduldig die Anliegen der Leser angehört und versucht, so viele Fragen wie möglich zu beantworten. Zum Teil waren die Gespräche sehr persönlich und herzlich. Und viele der Leser hatten für den Leiter des Impfzentrums Dachau freundliche Worte übrig: „Ich muss Ihnen ein Kompliment machen!“, sagte eine Anruferin. „Mein Mann, Jahrgang 36, konnte sich im Januar anmelden und hat am 9. Februar die zweite Impfung bekommen. Und es hat ganz toll geklappt.“ Sie selbst müsse noch so lange warten. Polyfka munterte sie auf: „Das schaffen Sie!“ Viele Anrufer wünschten ihm „nicht so viel Stress“.

Er wiederum wünschte den Anrufern Geduld bis zu ihrem Impftermin – und dass sie bald geimpft werden können. Dem kann ich mich nur anschließen!

Nikola Obermeier

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