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Streit gibt es um die Mittagsbetreuung in Dachau. Unser Archivbild zeigt das Kinderhaus Hebertshausen. 

Kernzeiten in Horten

Streit um Hortbetreuung in Dachau-Süd: Lieber Sport als Hausaufgaben

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Zahlreiche Eltern laufen gerade Sturm gegen die in mehreren Landkreis-Gemeinden vorgesehene Einführung von Kernzeiten in Horten. 

Dachau – Die Gemeinden argumentieren, dass die Förderfähigkeit des Hortes an Rahmenbedingungen geknüpft ist. Die Eltern dagegen wollen flexible Abholzeiten. In Dachau versucht man sich nun an einer innovativen Lösung.

„Wenn man’s nicht versucht, werden wir nie sehen, ob es angenommen wird“, fasste Grünen-Stadtrat Helmut Esch am Ende die knapp einstündige, durchweg sachliche Diskussion zusammen über die Frage, ob es in Dachau bald eine neue Form der Mittagsbetreuung für Grundschüler geben soll. Eschs Kollegen im Familien- und Sozialausschuss ließen sich – einstimmig – auf das Wagnis ein.

Damit reagieren sie zum einen auf den eklatanten Mangel an Mittagsbetreuung für Kinder berufstätiger Eltern und schaffen zum anderen ein völlig neues Angebot der Beaufsichtigung der Kinder: Verantwortet vom ASV Dachau, sollen die Kinder der Grundschule Dachau-Süd dort nach der Schule unter fachlicher Anleitung Sport- und Bewegungsmöglichkeiten bekommen. Nicht geben wird es eine Hausaufgabenpflicht sowie ein von einer pädagogischen Fachkraft verantwortetes erzieherisches Konzept. Laut ASV-Geschäftsführer Andreas Wilhelm reicht beim Betreuungspersonal die Qualifikation, eine „langjährige Mutter“ zu sein.

Stadträtin Elisabeth Zimmermann (CSU), Referentin für Familie und Soziales, war entsprechend skeptisch. Zumal sie sich am Finanzierungskonzept des ASV für seine „sportbezogene verlängerte Mittagsbetreuung“ störte. Mit gutem Grund: Der Staat fördert eine Mittagsbetreuungsgruppe – bis 14 Uhr – pro Jahr mit 3230 Euro. Für eine verlängerte Mittagsbetreuung – bis mindestens 15.30 Uhr – gibt es 7000 Euro pro Jahr pro Gruppe. Da das ASV-Konzept flexible Betreuungszeiten vorsieht, wird es also nicht den vollen Fördersatz geben. „Wenn wir schon so ein Angebot machen, dann sollten wir auch alle Fördermittel ausschöpfen, die möglich sind“, so Zimmermann.

Tatsächlich war die Förderfähigkeit durch den Freistaat ein Grund, warum zuletzt die Stadt Dachau, aber auch die Gemeinden Bergkirchen und Schwabhausen versucht hatten, verbindliche längere Zeiten in den Horten einzuführen. Zudem, so berichtete Sozialamtsleiter Markus Haberl dem Ausschuss, habe es auch Beschwerden des Personals gegeben: Dadurch, dass Eltern ihre Kinder zu wechselnden Zeiten geholt hätten, sei kein sinnvolles pädagogisches Arbeiten mehr möglich gewesen: „Es war ein Kommen und Gehen!“ Die Erzieherinnen seien nur damit beschäftigt gewesen, die Kinder zu fragen: „Hast du schon deine Jacke an?“ oder „Bist du schon mit den Hausaufgaben fertig?“ Doch auch die Eltern, die sich heftig gegen diese verbindliche Kernzeit wehren würden, hätten gute Argumente, räumte Haberl ein. Denn: Nicht alle Eltern seien bis 16 Uhr berufstätig, das heißt, sie brauchten gar keine verlängerte Betreuung ihrer Kinder. SPD-Sprecherin Christa Keimerl kritisierte in diesem Zusammenhang die Staatsregierung: Es könne doch nicht sein, dass Grundschüler um 11.15 Uhr nach Hause geschickt würden und sich in der Folgezeit die Kommune kümmern müsse, die Kinder zu beaufsichtigen! Eine Alternative zum ASV-Konzept sah sie nicht, außer: „Wir bauen einen Hort.“

Keimerls SPD-Fraktionskollege Sören Schneider gab zu, dass „Flexibilität in den Betreuungszeiten teuer ist“ und zu Lasten der Qualität gehe. Eltern, denen die Qualität der Betreuung „nicht so wichtig ist, für die ist das ASV-Konzept eine gute Alternative“.

Und so einigte sich der Ausschuss am Ende auf folgendes Modell: Der ASV Dachau darf im Schuljahr 19/20 seine Mittagsbetreuung anbieten und erhält dafür maximal 15 000 Euro städtischen Zuschuss pro Gruppe; für ein etwaiges höheres Defizit trägt der Verein das alleinige Risiko. Nach einem halben Jahr aber müssen die ASV-Verantwortlichen Bericht erstatten, wie das Angebot angenommen wird und sich die Kosten entwickeln. Christa Keimerl war „froh“ über die Einigung. Und vielleicht, so unkte sie, „brauchen wir ja bald mehr solcher flexibler Angebote“?

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