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Dachau: Vorbestrafter greift Frau an die Brüste. Nun muss er ins Gefängnis (Symbolbild)

Vorbestrafter muss ins Gefängnis

25-Jähriger greift Frau an die Brüste - Gericht verurteilt ihn nicht wegen sexueller Nötigung, sondern wegen Körperverletzung 

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Ein Vorbestrafter hat einer Frau, die in einem Mutter-Kind-Heim im Landkreis Dachau untergebracht war, an die Brüste gegriffen. Jetzt hat ihn das Gericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.  Allerdings nicht wegen sexueller Nötigung, sondern wegen Körperverletzung.

Dachau– Ein arbeitsloser Koch (25) hat vor einem Mutter-Kind-Heim im Landkreis eine Bewohnerin (29) angegriffen. Der Mann beleidigte die Mutter eines Kleinkindes massiv und packte mit beiden Händen ihre Brüste. Die Frau konnte fliehen und die Polizei verständigen. Gestern wurde der Koch vom Schöffengericht Dachau verurteilt. Nicht jedoch wegen sexueller Nötigung; das hatte der Staatsanwalt beantragt. Sondern wegen Körperverletzung.

Die Frauen, die in dem Mutter-Kind-Heim untergebracht sind, hatten früher Schlimmes erfahren und versuchen nun, sich ein neues Leben aufzubauen. Eine dieser Frauen ist die 29-jährige Mutter. Sie hatte nach sexuellen Übergriffen eines Mannes im Heim Geborgenheit gefunden. Im Dezember vergangenen Jahres jedoch kehrte der Albtraum zurück.

Ein Mieter aus einer benachbarten Sozialwohnung schlich sich in der Dunkelheit an die junge Mutter heran, die gerade vom Einkaufen gekommen und aus ihrem Auto ausgestiegen war. Vor Gericht sagte die Mutter: „Er schrie: ,Jetzt f... ich Dich’!“ Nach dieser Drohung griff der Nachbar der Frau mit beiden Händen kräftig an die Brüste. Die 29-Jährige reagierte geistesgegenwärtig: Sie schrie unter starken Schmerzen den Nachbarn an und flüchtete samt Kind in das Heim.

Drei Streifen der Dachauer Polizei drangen wenig später in die Wohnung des Kochs ein. Sie fanden den 25-Jährigen nur mit einer Decke bekleidet vor. Ein Atemalkoholtest ergab 1,26 Promille. Wie sich herausstellte, hatte er bereits im November 2018 eine weitere Heimbewohnerin zweimal beleidigt. Dabei fielen Sätze wie: „Hey, Du Hure, Dich f... ich auch noch!“ Vor Gericht sagte einer der damaligen Polizisten: „Der Mann war uns namentlich bekannt.“ So sei er einst erwischt worden, wie er „im fließenden Verkehr auf Autos eingeschlagen hat“.

In der Hauptverhandlung stritt der – wirr faselnde – Angeklagte alles ab. Er behauptete, die Frauen aus dem Heim nicht zu kennen. Dann wiederum meinte er, es habe „sehr viele Auseinandersetzungen“ mit den Heimbewohnerinnen gegeben.

Der Staatsanwalt forderte, den Angeklagten wegen sexueller Nötigung zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung zu verurteilen. Der entsprechende Paragraf 177 des Strafgesetzbuchs ist 2016 verschärft worden. Heutzutage, so der Staatsanwalt, brauche es kein Nötigungselement mehr. Denn massiver Zwang sei Gewalt. Und den habe der Angeklagte allemal ausgeübt.

Das Schöffengericht sah dies anders. Der Vorsitzende Richter Tobias Bauer argumentierte, dass der Angeklagte „keine eindeutig objektive sexuelle Handlung“ begangen habe und nannte ein Beispiel: „Wenn einem Mann zwischen die Beine getreten wird, ist das auch keine sexuelle Handlung.“ Der 25-Jährige habe hingegen seinen Aggressionen freien Lauf gelassen, um der Mutter Schmerzen zuzufügen. Und: Wendungen wie „Hure“ oder „Ich f... Dich“, so Bauer weiter, gehörten heutzutage zum „aggressiv beleidigenden Sprachgebrauch“.

Obwohl das Schöffengericht „nur“ auf Körperverletzung entschied – in Tatmehrheit mit Beleidigung –, muss der Angeklagte für ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis. Ausschlaggebend war, dass der Mann „zweifacher Bewährungsversager“ ist. 2016 war er bereits wegen Diebstahls mit Waffen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auf freiem Fuß bleibend, beging er bald ein Drogendelikt und im Dezember 2018 die Körperverletzung. 

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