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63 Meter ragten sie in die Höhe: die Kamine des Heizkraftwerks auf dem ehemaligen MD-Papierfabrikgelände.

Markante Kamine des Heizkraftwerks am früheren MD-Gelände stehen nicht mehr

„Auf einen Tag waren sie weg“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Die markanten Kamine des Heizkraftwerks am früheren MD-Gelände stehen nicht mehr. Auf einen Tag waren sie weg.

Dachau – Ein „einzigartiges Bild“ gäben sie ab, die „drei Kamine auf dem kubisch markanten, etwas spröden Industriebau des ehemaligen Heizkraftwerks“ auf dem MD-Gelände, fand das Architekturforum Dachau noch vor knapp fünf Jahren. Aus diesem Grund, so der Vorsitzende Emil Kath damals, solle man diese „wichtige Landmarke“ der Dachauer Geschichte auch unbedingt bewahren. Die Halle wie auch die drei Kamine sollten in das neue Stadtviertel MD-Gelände daher integriert werden, als „ein lichtdurchflutetes Hallengebäude“, das für kommerzielle wie nicht-kommerzielle Zwecke genutzt werden könnte.

„Umgeknickt“ und weggeräumt sind nun die Kamine.

Doch Kaths Wünsche wurden nicht gehört. Seit Dienstag sind die Kamine, die Kath das „Symbol des normalen, arbeitenden Dachau“ nannte, weg. Der Abbruch, bestätigte Bauleiterin Raphaela Weber auf Nachfrage, erfolgte innerhalb von nur einem Tag. Weber ist Teil des 40-köpfigen Teams der niederbayerischen Karl-Gruppe, das seit vergangenem Herbst dafür sorgt, dass das ehemalige Industriegelände von sämtlichen Altlasten und -gebäuden befreit wird. Der Zeitplan sieht vor, dass die Arbeiten bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein werden. Bauleiterin Weber betont, diesen Plan halten zu können: „Wir liegen sehr gut in der Zeit.“

Dass die Kamine von allen Bauwerken auf dem Gelände die am schwierigsten zu entfernenden Teile werden sollten, war von Anfang an klar. Für ihren Abbruch wurde Weber zufolge daher auch „die komplette Baustelle gesperrt“ und ein 200-Tonnen-Kran nach Dachau geschafft.

Mit schweren Ketten wurden die 63 Meter hohen Kamine dann an den Kran gebunden und nacheinander „umgeknickt“, wie Weber es formuliert. Diese Methode sei wesentlich günstiger und praktikabler als eine Sprengung der Kamine. Die am Boden liegenden Trümmer habe man dann fein säuberlich aufgeschnitten und nach Material getrennt.

Nach dem „Rückbau“ der Kamine und dem 40 Meter hohen Heizkraftwerk gehe es nun „normal“ weiter mit den Abbrucharbeiten, zu denen auch Entkernung und Schadstoffsanierung gehören. Eine „hohe zweistellige Millionensumme“ gibt die Isaria Wohnbau AG, die Eigentümerin des Geländes, für diese Maßnahmen aus – selbst wenn nach wie vor kein Baurecht herrscht.

Nostalgiker können sich immerhin damit trösten, dass der im Jahr 1951 gebaute und unter Denkmalschutz stehende Wasserturm an der Ludwig-Thoma-Straße stehen bleibt. Außerdem hatte das Architekturforum vor fünf Jahren einen Vorschlag, wie man das neue Stadtquartier nennen könnte: „Wir plädieren für Papierviertel“, so Kath. Damit würden die Dachauer, selbst wenn die markanten Kamine nicht mehr stehen, das Areal auch noch in vielen Jahren mit der Papierfabrik in Verbindung bringen. 

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