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Das Dachauer MD-Gelände ist Geschichte - Areal bereit fürs Mühlbachviertel

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Von: Stefanie Zipfer

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Partystimmung auf dem ehemaligen MD-Holzlagerplatz an der Ostenstraße: Isaria-Chef David Christmann (3.v.l.), die Gesamtprojektverantwortliche Anika Schmider (4.v.l.), stellvertretender Landrat Helmut Zech (5.v.l.) und Isaria Vizechef Norbert Wögler (7.v.l.) mit an den Abbrucharbeiten beteiligten Arbeitern.
Partystimmung auf dem ehemaligen MD-Holzlagerplatz an der Ostenstraße: Isaria-Chef David Christmann (3.v.l.), die Gesamtprojektverantwortliche Anika Schmider (4.v.l.), stellvertretender Landrat Helmut Zech (5.v.l.) und Isaria Vizechef Norbert Wögler (7.v.l.) mit an den Abbrucharbeiten beteiligten Arbeitern. © Norbert Habschied

Die ehemalige MD-Papierfabrik ist endgültig Geschichte. Am Mittwoch fand auf dem Gelände ein Fest zum Abschluss der Abbrucharbeiten statt. Grundstücksbesitzer Isaria feierte dabei mit Mitarbeitern der beteiligten Firmen sowie dem stellvertretenden Landrat. Wer nicht mitfeierte: Vertreter der Stadt.

Dachau – Weit wäre es nicht gewesen vom Rathaus hinunter zur größten Baustelle der Stadt. Doch aus dem Rathaus war niemand der Einladung der Projektentwicklungsgesellschaft Isaria beziehungsweise deren Eigentümerin, der Deutschen Wohnen, zur Feier der abgeschlossenen Abbrucharbeiten auf dem früheren MD-Gelände gefolgt. Isaria-Geschäftsführer David Christmann lässt sich dazu zitieren mit den Worten: „Wir bedauern dies natürlich. Aber wir wollen es nicht bewerten.“

Arbeiten liegen exakt im Zeitplan

Abgesehen davon, dass das Fest somit in kleinerer Runde als geplant stattfinden musste, herrschte im eigens aufgebauten Zelt auf dem früheren Holzlagerplatz der Fabrik gute Stimmung. Kein Wunder: Die Arbeiten folgten exakt dem vorgegebenen Zeitplan, es kam zu keinen Unfällen sowie auch zu keinen sonstigen unerwarteten negativen Überraschungen.

Auf dem insgesamt 14 Hektar großen Areal, das aus Zentralgelände, den nördlich gelegenen Mayer-Terrassen sowie dem südlich situierten Holzlagerplatz besteht, wurden bislang 40 Gebäude mit Kellern und einem Rauminhalt von 704 561 Kubikmetern zurückgebaut. Über 600 000 Tonnen Boden bewegten die Bagger – was einem Volumen von 60 000 Elefanten entspricht. Das Abbruchmaterial wurde Christmann zufolge zu über 70 Prozent wiederaufbereitet und zu Recycling-Beton gebrochen. Nach Stilllegung der Papierproduktion war das MD-Gelände eine der größten Abbruch- und Gebäudeentsorgungsstellen in ganz Bayern.

Der Anfang vom Ende: im Herbst 2019 begannen die Abbrucharbeiten.
Der Anfang vom Ende: im Herbst 2019 begannen die Abbrucharbeiten. © Norbert Habschied

Investor hat noch immer kein Baurecht

Alles in allem, so fasste es Christmann zusammen, habe man mit dem Ende der Abbrucharbeiten nun einen baureifen Baugrund; die Freilegung und Sanierung des Mühlbachs soll bis Ende des kommenden Jahres abgeschlossen sein. 25 Millionen Euro habe die Isaria mittlerweile in ihr Projekt investiert, jetzt hoffe sein Unternehmen nur, „dass sich das irgendwann amortisieren lässt“. Denn zum „Unwohl des Investors“, wie Christmann seine Gefühlslage umschrieb, habe sein Unternehmen trotz der „hohen Vorleistung“ weiterhin kein Baurecht. „Wir reden, wir diskutieren, wir haben eine Idee, die Stadt hat eine Idee“. Was es weiter nicht gebe: „Eckdaten, einen grundsätzlichen Plan.“

Helmut Zech, der in Stellvertretung von Landrat Stefan Löwl gekommen war, betonte denn auch in Richtung des Dachauer Rathauses, dass das Bebauungsplanverfahren doch nun bitte vorangehen sollte. Denn: „Wir müssen das optimal lösen, für Dachau und für alle gemeinsam.“ Das Areal sei eine „Riesen-Chance“.

Klar, gab Christmann zu, habe er gegenüber den Verantwortlichen der Stadt kein Druckmittel in der Hand. Allerdings versprach er, „dass wir wissen, was wir tun“. Sowohl planerisch als auch gestalterisch hätten Isaria und Deutsche Wohnen einen guten Leumund, „wir sind ein erfahrener Entwickler“. Dass der Neubau des „Mühlbachviertels“, wie das Fabrikgelände in ferner Zukunft einmal heißen soll, „in einer gewissen Qualität stattfinden muss, dieser Verantwortung stellen wir uns“.

Viertel bekommt künstliche Surfwelle

Solange die Renaturierung des Mühlbachs, der auch eine künstliche Surfwelle bekommen soll, auf dem Zentralgelände läuft, ist der Isaria-Chef nach eigenem Bekunden noch entspannt. Bis 2023 aber, so Christmann, „brauchen wir Baurecht. Sonst tut’s uns weh.“ Sein dringender „Weihnachtswunsch“ an die Verantwortlichen im Rathaus laute daher, sich noch in diesem Jahr auf die wichtigsten Eckpunkte zu einigen. Im Prinzip „sind wir ja relativ nah dran“.

Dicke Brocken mussten weggeschafft werden. Vor allem die Zertrümmerung der Betonfundamente sorgte für Lärm.
Dicke Brocken mussten weggeschafft werden. Vor allem die Zertrümmerung der Betonfundamente sorgte für Lärm. © Norbert Habschied

Stellvertretendem Landrat Zech, der „mit Wehmut“ auf die „gute alte Papierfabrik“ zurückschaute, ging es am Ende um Grundsätzliches, nämlich den „Irrsinn, der grade in Deutschland läuft“. Wenn die große Politik von der Wichtigkeit bezahlbaren Wohnraums spreche, sei dies nichts als „Heuchelei“! Was das Bauen nämlich so verteuere, seien die ungezählten Vorschriften! „Wir untersuchen uns zu Tode. Unbelastetes Material gibt es nicht mehr“, schimpfte Zech. Wer für diese Bürokratie aufkomme? „Der kleine Mann!“

Baureif: Heute ist nicht mehr viel übrig von der alten MD-Papierfabrik.
Baureif: Heute ist nicht mehr viel übrig von der alten MD-Papierfabrik. © Norbert Habschied

Zumindest für das künftige Mühlbachviertel konnte ihn Christmann beruhigen. Dort stehe „soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit im Vordergrund“.

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