Nah an der Politikprominenz: Gerhard Weber bei einem Treffen mit Ilse Aigner (Dritte von rechts). Mit dabei waren Maria Riedlberger, Harald Dirlenbach, Stefan Löwl und Michael Reindl (von links). Foto: privat

Gerhard Weber geht in den Ruhestand

„Mister Landratsamt“ sagt Servus

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Mit Gerhard Weber geht einer erfahrensten Mitarbeiter des Landratsamtes Dachau in den Ruhestand. Der „Mister Landratsamt“ hat nach 39 Jahren im Dienst viel zu erzählen. Über Landräte oder amtliche Viertelstündchen.

Dachau – Der heutige Dienstag ist für Gerhard Weber der letzte Tag im Landratsamt Dachau. Nach 39 Jahren in leitenden Funktionen sagt „Mister Landratsamt“ Servus. Der 63-Jährige hat wie kein anderer den enormen Wandel im Haus am Bürgermeister-Zauner-Ring im Laufe der zurückliegenden Jahre miterlebt.

Als sich der gebürtige Indersdorfer (Weber: „Als Vorletzter im alten Indersdorfer Krankenhaus“), der seit 1982 in Petershausen wohnt, ab 1980 im Bauamt die ersten Sporen verdiente, hatte der Kreis 101 500 Einwohner. Heute sind es gut 154 000. Im Landratsamt kümmerten sich 150 Mitarbeiter um die Belange der Bürger, heute sind es 450. Frauen- und Familienberatung und Gleichstellung war in der Behörde noch ein Fremdwort, Senioren hatten keine Stimme, und auch eine Abteilung Umweltschutz gab es nicht. In keiner der Amtsstuben stand ein Faxgerät. Das Wort E-Mail kam im Sprachschatz der Bediensteten nicht vor. „Die höchste technische Innovation war ein Datenerfassungsgerät, mit dem man Dinge auf Diskette speichern konnte“, erinnert sich Weber. Die Disketten sind dann an die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung, kurz AKDB, in München geschickt worden, die alles ausdruckte und die Blätter nach Dachau zurückbrachte. Immerhin schon per Auto und nicht mehr per berittenem Boten oder Brieftaube.

So umständlich und zeitraubend diese Vorgänge waren, so hatte die AKDB-Zeit ihr Gutes. „Wir haben alles in persönlichen Gesprächen regeln können. Man hat angerufen und gesagt: Komm lass uns schnell mal ein Viertelstündchen zusammensetzen“, so Weber. Nach dem amtlichen Viertelstündchen sei er umfassender informiert gewesen, als das im heutigen, sicherlich schnelleren, digitalen Zeitalter der Fall ist. „Wir vertrauen heutzutage viel zu wenig unserem eigenen Wissen. Wir wollen stattdessen immer Gutachter haben, denen wir dann erklären müssen, auf was es ankommt“, so der 63-Jährige.

Sehr gut beschreiben lässt sich Gerhard Weber, wenn man die Sitzungen des Kreistags oder dessen Ausschüsse verfolgt. Dazu muss man wissen, dass Webers Weg innerhalb des Amtes bald nach oben ging. 1982 wurde er Pressesprecher. Ein Job, den er 32 Jahre lang nebenher ausübte. Von 1986 bis 1988 war er Stellvertreter des Kämmerers. Ab 1988 leitete er das Büro des Landrats, 1998 wechselte Weber an die Spitze der Abteilung Zentrale Angelegenheiten, wo er bis zuletzt wirkte. In den Debatten saß der Leitende Verwaltungsdirektor stets entspannt in seinem Sessel. Die Arme über dem mächtigen Leib verschränkt, den Blick fest ins Plenum gerichtet. Wenn er jedoch glaubte, ein Kreisrat trage die falschen Argumente vor oder mache unrichtige Angaben zur Sache, dann wich seine mönchische Gelassenheit ritterlicher Kampfeslust. Dann erhob Weber seine Stimme, und auf das minderinformierte Kreistagsmitglied prasselten die Fakten hernieder wie Hagelkörner.

Wie viele Kreisräte und Kreisrätinnen Weber im Laufe von 39 Jahren erlebt hat, ist schwer zu sagen. Sicher ist, dass er 13 Geschäftsführer und Vorstände, sieben Sparkassenvorstände und drei Kreisbaumeister kommen und gehen sah; aber nur zwei Landräte: Hansjörg Christmann und Stefan Löwl. Zwei markante Persönlichkeiten, mit denen Weber gerne zusammenarbeitete, auch wenn das freilich nicht immer einfach gewesen sei, wie er zugibt. Über Christmann und Löwl könnte Weber natürlich eine Menge ausplaudern. Doch das Nähkästchen bleibt zu. Weber sagt nur: „Menschlich sind die beiden nicht sehr unterschiedlich.“ Beide seien Macher, bisweilen der Zeit voraus sowie hin und wieder von der Ungeduld befallen. Über den aktuellen Landrat Löwl meint Weber noch, dieser stehe voll hinter seinen Leuten und verzeihe ihnen Fehler – der Fehler sollte sich nur nicht wiederholen.

Im Ruhestand hat Gerhard Weber endlich mehr Zeit für seine Familie. Dazu gehören neben Ehefrau Maria die drei Kinder Andreas (36), Claudia (34) und Thomas (30) und natürlich seine drei Enkeltöchter Annika, Clara und Theresa. Und er kann sich ausgiebig um sein Haus in Petershausen kümmern. „Da kann ich mich mit Dingen beschäftigen, die liegen geblieben sind.“

Und dann ist ja noch der Gemeinderat Petershausen, wo Weber für die CSU einen Sitz hat. Ob er bei den Kommunalwahlen 2020 noch einmal antreten wird? Weber: „Ich werde es mir überlegen. Aber ich denke: ja.“ Wird er wiedergewählt, wird man den 63-Jährigen dort im Plenum gelassen erleben. Doch wehe, wenn Weber denkt, jemand rede unrichtige Sachen... man kann es ahnen: die verbalen Hagelkörner.

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