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Freuen sich auf den Start der Initiative Herzbrettl: Hans Wörmann (Bäckerinnung Dachau), Marlene Christ (Wirtschaftsförderung LRA Dachau), Landrat Stefan Löwl, Werner Braun (Metzgerinnung Dachau & Freising), Kreisrat Georg Weigl und Susanne Frölian (Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V.).

Neues Projekt Herzbrettl im Landkreis Dachau

Das Brettl, das allen Freude machen soll

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Im Landkreis Dachau startet ein neues Projekt: das Herzbrettl. Doch damit es funktionieren kann, braucht es nicht nur Leute, die geben, sondern vor allem Menschen, die sich mal was schenken lassen.

Landkreis– Zwei kaufen, eins mitnehmen, das andere verschenken. Im Landkreis Dachau startet ein neues Projekt. Ein Projekt, bei dem man ganz leicht anderen Menschen – oder sich selbst – eine Freude machen kann. Das Herzbrettl.

Ganz einfach erklärt an einem fiktiven Beispiel: Erna geht in die Bäckerei und kauft zwei Brezen. Eine für sich, eine fürs Herzbrettl. Die eine Breze isst sie, der Zettel für die Zweite kommt an ein Brett – diesen Zettel kann sich jeder, der will, nehmen und bekommt dafür an der Theke eine Breze. In diesem Fall Max. Erna freut sich, dass sie irgendjemand eine Breze geschenkt hat und Max ist glücklich, weil er heute noch nicht bei der Bank war, aber gerade merkt, wie ihm der Magen knurrt. Zwei Tage später kauft Max zwei Kaffee, einen für sich, einen fürs Brettl – über den zweiten Kaffee freut sich später Ines.

Das Herzbrettl-Projekt hat nun Landrat Stefan Löwl bei einer Pressekonferenz im Landratsamt vorgestellt. Geplant ist, das Herzbrettl in vielen Bäckereien, Metzgereien, Cafés, Restaurants und anderen Geschäften im Landkreis zu installieren.

Wie so oft im Leben, war der Auslöser für die Idee etwas ganz Kleines. In diesem Fall: ein Foto auf Facebook mit ein bisschen Text dazu. Kreisrat Georg Weigl hatte es entdeckt und so von der Idee des „aufgeschobenen Kaffees“ erfahren. In Neapel und anderen italienischen Städten gibt es diese Idee schon seit über 100 Jahren. Das Konzept: Ein Kaffee wird selbst getrunken, ein zweiter bestellt und bezahlt für jemanden, der sich über diese Geste freut. Weigl fand die Idee so toll, dass sie ihm auch im Landreis Dachau gefallen würde. Er erzählte Löwl von dem Projekt, der war begeistert und ließ es von der Wirtschaftsförderung für die Umsetzung vor Ort ausarbeiten. In München gibt es bereits etwas ähnliches: das Projekt Brot am Haken.

Start der Initiative in Dachau soll im Mai sein. Feste Partner, die sich daran beteiligen, gibt es noch nicht konkret, die will die Wirtschaftsförderung erst finden. 25 Stellen soll es für den Anfang im Landkreis geben. Bei der Projektvorstellung im Landratsamt waren auch Hans Wörmann von der Bäckerinnung Dachau, Werner Braun (Metzgerinnung Dachau & Freising) und Michael Groß (DEHOGA Bayern). Alle drei finden die Idee toll und wollen sie nicht nur in ihren Innungen und Verbänden verbreiten, sondern: sich gleich selber daran beteiligen. Läuft die Aktion erstmal, bekommen alle Teilnehmer Holzbretter in Herzform, an die die Zettel gehängt werden, überall werden Flyer (siehe Infokasten) ausliegen, die das Konzept erklären. Auch hier zeigte sich bereits: Geschäftsleute aus dem Landkreis stehen hinter der Aktion. Die Bretter stellte die Schreinerinnung kostenlos zur Verfügung, die Werbeagentur Weimer & Paulus übernahm kostenlos die grafische Gestaltung der Kampagne.

Idee des Brettls ist, dass sich wirklich jeder etwas nehmen kann, egal ob Schüler, Geschäftsfrau oder Hausmann. Das Motto ist nicht von reich zu arm, sondern von „Mensch zu Mensch“ wie Stefan Löwl bei der Vorstellung betonte. Trotzdem sollen zwar nicht nur, aber vor allem auch die von der Aktion profitieren, denen es finanziell nicht so gut geht. Löwl betont: Es ginge nicht nur darum, für das Nötigste zu sorgen, sondern: „Es geht darum, Teilhabe zu ermöglichen.“ Zu ermöglichen, dass sich ein Mann mit geringer Rente auch mal wieder in ein Café setzt und ein Stück Kuchen isst oder die alleinerziehende Mama einen Eisbecher für ihre Kinder bestellt.

Susanne Frölian von der Caritas weiß: Auch im reichen Landkreis Dachau gibt es sie, die Armut. Doch Betroffene wollen einfach nur am normalen Alltag teilnehmen. Deshalb sei es beim Herzbrettl so wichtig, Stigmatisierung zu vermeiden. „Es kann nur funktionieren, wenn sich wirklich jeder mal etwas von dem Brett nimmt. Wenn es ganz normal ist, dass sich jeder auch mal beschenken lässt“, erklärte Frölian. Deswegen will sich auch Stefan Löwl „gerne mal auf einen Kaffee vom Herzbrettl einladen lassen“ – auch wenn er am Ende wieder mehr hinhängen will, als er nimmt. „Das kostet nix, der Aufwand ist nicht groß und es erwischt jeden mal – solche Projekte sind wertvolle Gegenmittel in einer zunehmend anonym und Ich-orientiert werdenden Gesellschaft“, betonte Löwl. Er will mit dem Herzbrettl vor allem eines zeigen: „Dachau ist ein Landkreis mit Herz.“

Geschäfte, die sich an der Aktion beteiligen möchten, wenden sich an die Wirtschaftsförderung des Landkreises unter Telefon 0 81 31 74-252 oder per E-Mail an wirtschaft@dachauer-land.com.

Anderswo wird diese Idee schon umgesetzt: ImMühlenmarkt in Herzogsägmühle können Kunden seit 2018 anderen eine Freude machen, indem sie Kaffee, Brot oder Plunder für das „Bedien-Dich-Brett“ spenden.

Ein Herz - nicht nur für Menschen sondern auch für Tiere - können die Dachauer nach derAussetzung einer Schildkröten-Mama auf dem Netto-Parkplatz zeigen. 

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