Der Mühlbach muss saniert werden. Über die Dimension wird noch diskutiert.
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Der Mühlbach muss saniert werden. Über die Dimension wird noch diskutiert.

Dachau: Sanierung des Mühlbachs wird teuer

Mühlbach wird kein „trauriges Rinnsal“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Den Stadtwerken steht eine teure Sanierung des Mühlbach-Ufers ins Haus. Um Geld zu sparen, kam nun die Idee auf, dem Bach einfach dauerhaft Wasser abzulassen. Für das künftige MD-Gelände, wo der Mühlbach wieder freigelegt und eine zentrale Rolle bekommen soll, hätte dies unschöne Folgen.

Dachau – Die Rechnung ist einfach: Bleibt der Mühlbach, wie er ist, kostet die Sanierung der Ufermauer in dem 500 Meter langen Teilstück zwischen den Brücken am Kalkberg und am Karlsberg rund 3 Millionen Euro. Verringert man dagegen die Durchflussgeschwindigkeit des Gewässers von 5 Kubikmeter pro Sekunde auf nur 1,5 Kubikmeter pro Sekunde, reduzieren sich die Baukosten auf geschätzte 1,25 Millionen Euro. Keine Frage, für welche Alternative sich die für den Unterhalt des Wassers an dieser Stelle zuständigen Stadtwerke Dachau entscheiden würden.

Doch die Stadt sowie die Stadträte im Umwelt- und Verkehrsausschuss wollten, bei allem Verständnis für die schwierige Haushaltslage der Stadtwerke, dieser Rechnung nicht folgen. Klar, so die einhellige Meinung, würde die Reduzierung der Durchflussmenge einerseits die Sanierung der Stützmauer deutlich billiger machen; andererseits aber hätte sie unschöne Folgen für den rechtsufrigen Bachverlauf in Richtung MD-Gelände.

Prägende Wirkung für das Stadtbild

Abgesehen davon nämlich, dass der Mühlbach laut Stadtverwaltung zwischen dem Karlsberg und der Martin-Huber-Treppe eine „prägende Wirkung für das Stadtbild“ hat, soll der Mühlbach dereinst im neu bebauten MD-Gelände eine „zentrale gestalterische Rolle“ spielen. „Ein zwei Meter breiter Mühlbach“, so argumentiert das Rathaus, „wird im Grünzug eine andere Wirkung erzielen als ein sechs Meter breites Gewässer“. Abgesehen davon bestehe „das Risiko der Fäulnisbildung“ bei einem Abfluss von nur noch 1,5 Kubikmetern pro Sekunde.

Oberbürgermeister Florian Hartmann fragte daher: „Wollen wir das?“ Grünen-Stadtrat Thomas Kreß gab namens sämtlicher Stadträte eine eindeutige Antwort: Nein! Der Mühlbach würde bei Reduzierung der Durchflussgeschwindigkeit ein „trauriges Rinnsal“. Zumindest über die „Dimension der Sanierung“ wird auf Anregung von Dr. Peter Gampenrieder (ÜB) aber doch noch einmal der Werkausschuss diskutieren. Schließlich, so Gampenrieder, seien Kosten in Höhe von 3 Millionen Euro „eine Menge Holz“, bei der sich die Frage stelle: „Findet das am Ende Eingang in die Stromkosten?“

Sicher ist: Die Wasserrechte für den Mühlbach an den Freistaat zurückzugeben, würde dem Stadtsäckel wenig Entlastung bringen. Zwar müssten die Stadtwerke, die ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt sind, dann nicht mehr für den Unterhalt des sanierungsbedürftigen Abschnitts aufkommen; doch würde der Freistaat den Bach als sogenanntes untergeordnetes Gewässer laut OB Hartmann „sicher an uns zurückgeben“. Das hieße: „Am Ende des Tages zahlen wir immer.“

Im Zusammenhang mit dem Mühlbach und dessen künftiger Rolle für das MD-Gelände wagte das Bündnis für Dachau dann erneut einen Vorstoß, über die Bebauung des ehemaligen Papierfabrikgeländes beziehungsweise dessen Verträglichkeit für die Stadt zu sprechen. Das Bündnis kämpft seit Jahren für eine maßvolle, nicht-maximale Bebauung des Areals – zumindest so lange die neue Bahnunterführung unter der Freisinger Straße nicht gebaut ist. Mit geringerer Bebauung, fand Bündnis-Sprecher Michael Eisenmann, „könnten wir den Zuwachs an Bevölkerung dämpfen und müssten kein Geld für die Infrastruktur ausgeben.“ Den seit Jahren geplanten Bau der Bahnunterführung unter der Freisinger Straße „bräuchten wir dann gar nicht“.

Diskussion um Bahnunterführung

Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) musste dem „entschieden widersprechen“. Denn: „So teuer und langwierig es auch ist, wir werden diese Unterführung für Dachau brauchen!“ Natürlich, das gab auch die Stadtverwaltung zu, werde der Verkehr im und um das MD-Gelände zunehmen, wenn dort bereits Menschen leben, die neue Bahnunterführung unter der Freisinger Straße aber noch nicht fertig ist. Wie groß genau dieser Verkehrszuwachs sein wird – erste Schätzungen gehen von bis zu 20 Prozent aus – und ob dies dann „verträglich“ sein kann, wisse man heute aber noch nicht, gab Bauamtsleiter Moritz Reinhold zu. Für Berechnungen „auf den Quadratmeter genau“ fehle heute schlicht noch die Datengrundlage.

CSU-Sprecher Peter Strauch sah es wie das Bauamt und warb um Geduld. Welche beziehungsweise wie viel Baurecht dem Investor erteilt werden kann, solange die Unterführung noch nicht steht, solle eine mikroskopische Verkehrssimulation klären, „nicht wir als Umwelt- und Verkehrsausschuss“.

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