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Tagelanges Tauchbad: Brennt ein E-Auto, sollte es laut Experten in den Wassercontainer. 

Jeder Unfall ist brandgefährlich

Feuerwehrler warnen vor brennenden E-Autos: Retter müssten immer einen Pool dabeihaben

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Die Feuerwehren in Dachau und Oberbayern stehen beim Thema E-Autos vor neuen Herausforderungen. Brennende Akkus erfordern eine komplett neue Ausrüstung.

Es ist in der Vergangenheit viel über die Vorzüge und Nachteile von Elektroautos diskutiert worden. Ein Aspekt stand bislang wenig im Fokus: die Gefahr, die von einem verunfallten E-Auto ausgeht. Denn hat die Lithium-Ionen-Batterie einmal Feuer gefangen, ist sie schwer zu löschen. Und: Die Feuerwehr muss bei ihren Rettungsbemühungen erst einmal an den Akku rankommen, denn der ist oft „tief im Fahrzeug verbaut“, so Wolfgang Reichelt, Feuerwehrreferent der Stadt Dachau und Pressesprecher der Dachauer Wehr.

Dachau bei München: Feuerwehr mit wenig Erfahrung beim Löschen von E-Autos

1366 zugelassene Elektro- und Hybridfahrzeuge sind aktuell im Landkreis Dachau zugelassen. Ihr Anteil beträgt gemessen an der Gesamtzahl von 131 144 Kraftfahrzeugen (Stand November 2018) lediglich 1,04 Prozent. Dementsprechend gering sind auch die Erfahrungen der Feuerwehr mit E-Auto-Unfällen. Reichelt weiß lediglich von einem Brand im Landkreis bisher. Bei diesem hätten seine Kollegen „viel, viel Wasser“ verbraucht, um das Feuer auszukriegen. In dem Zusammenhang hat der E-Auto-Hersteller Tesla ausgerechnet, dass 11 000 Liter Wasser vonnöten seien, um einen brennenden Tesla-Boliden zu löschen. Zum Vergleich: das große Tanklöschfahrzeug 24/50 der Feuerwehr Dachau kann bis zu 5000 Liter Wasser mitführen.

Feuerwehr in Dachau bei München: Gefährliche Kettenreaktion lässt Feuer neu entfachen

Die Lithium-Ionen-Batterie besteht aus vielen Zellen. Wird eine beschädigt, kommt es zu einer Kettenreaktion, sprich andauernden Kurzschlüssen, die das Feuer ständig von Neuem anfachen. Eigentlich gibt es, so sagen Experten, nur ein wirksames Mittel: ein Tauchbad, indem das E-Auto mehrere Tage ruht. Solch einen Pool hat noch keine Wehr im Landkreis. „Die BMW-Werksfeuerwehr hat einen, den man notfalls anfordern könnte“, sagt Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser und beruhigt: „Es muss allerdings schon viel passieren, dass bei den Batterien eine Reaktion stattfindet.“ Die Sicherheitsvorkehrungen seien bei E-Autos sehr hoch, so Reimoser, im Gegensatz zuE-Scootern, deren Akkus oft billig hergestellt würden.

Dachauer Feuerwehr: Beschädigte Batterien „sehr gefährlich“

Was den Rettern auch Kopfzerbrechen bereitet ist die Tatsache, dass es sehr gefährlich ist, wenn die Lithium-Ionen-Batterie nach einer Kollision zwar nicht brennt, jedoch beschädigt ist. „Unter Umständen muss man sie dann ebenfalls ein paar Tage kühlen, damit die Reaktionen endgültig unterbrochen werden“, so Reimoser.

Eines steht trotz fehlender Erfahrungswerte fest: Die Feuerwehrkräfte sind für das Thema sensibilisiert. „Wir achten bei der Ausbildung darauf“, so Reichelt, der noch ein Problem benennt: „Wir kommen sehr schwer hin an die Batterien.“ Wie die Retter im Einsatzfall „hin kommen“, erklären der Feuerwehrreferent und der Kreisbrandinspektor gemeinsam: Jeder Hersteller hat genaue Anleitungen herausgegeben.

Feuerwehr Dachau: Eine Sache ist besonders gefährlich - ein Stromschlag

Bei einem Unfall bekommen die Retter per Funk die Daten, damit sie wissen, „wo der optimale Angriffspunkt ist, wo wir mit unserem hydraulischen Gerät ansetzen müssen“, so Reichelt. Ist das geschehen, lauert noch eine Gefahr: ein Stromschlag. Zwar soll die Batterie laut den Herstellern bei einer Kollision vom Bordnetz getrennt werden. Doch darauf sollten sich die Einsatzkräfte besser nicht verlassen. Obacht geben müssen sie zudem auf die Stromleitungen, die sie keinesfalls durchtrennen dürfen. Dazu ganz wichtig: ein Blick auf den Schaltplan des Wagens.

Dachau bei München: ADAC gibt Tipps bei Pannen mit Elektro-Autos

Die Feuerwehr weiß also, wie sie vorgehen muss. Doch wie sollten sich die Autofahrer bei einer Panne verhalten? Laut ADAC bestehe in der Regel keine elektrische Gefährdung, da die Elektroautos systembedingt und durch Maßnahmen der Hersteller abgesichert sind. Auch die Pannenhilfe sei grundsätzlich möglich, so der Verkehrsclub auf seiner Homepage. Aber: Aus Sicherheitsgründen sollten nur Fachleute Arbeiten an Hochvoltkomponenten vornehmen. Für alle anderen gelte: „Hände weg von den Hochvoltkomponenten und von allen orangefarbenen Leitungen!“

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