Coronavirus - Autokino Hannover
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Ein ähnliches Bild wie in Hannover (Foto) wird sich bei den Autokonzerten auf der Thomawiese in Dachau bieten.

Dachauer Musiksommer findet mit Autokonzerten statt

Rocken durch die Windschutzscheibe

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Damit der Dachauer Musiksommer wegen der Corona-Pandemie nicht gänzlich abgesagt werden muss, hat sich die Stadt etwas Besonderes einfallen lassen: Die Thomawiese soll zur „Pop-Up-Location für Drive-In-Autokonzerte“ werden. Kulturamtsleiter Tobias Schneider verspricht ein „gewisses Abenteuer für alle Beteiligten“.

Dachau – Not macht ja bekanntlich erfinderisch und bringt sogar den Teufel dazu, Fliegen zu essen. Für den Kunstbetrieb bedeuten diese Weisheiten: Damit sie trotz Corona auftreten können, lassen sich die Künstler neue Formen der Darbietung einfallen; und das nach Live-Auftritten darbende Kulturvolk ist dafür mega-dankbar. So schaffte es im April der Deutsch-Rapper Sido in Düsseldorf, eine aus der ganzen Republik angereiste Fangemeinde auf einem Messeparkplatz bei einem Autokonzert zu begeistern. Coole Musik und eine beeindruckende Lichtshow dankten ihm die Zuschauer mit lautem Hupen und Aufblinken ihrer Vorderleuchten.

Dieses Event im fernen Nordrhein-Westfalen fand bei Kulturverantwortlichen in ganz Deutschland Aufmerksamkeit. Auch in Dachau, wo sich Kulturamtsleiter Tobias Schneider Gedanken macht, wie er den Musiksommer doch noch retten könnte. „Sido war der Ideengeber“, sagt Schneider.

Als dannauch noch Ministerpräsident Markus Söder ankündigte, die Ausgangsbeschränkungen aufzuheben – wodurch es faktisch nur noch eine Kontaktbeschränkung im Freistaat gibt – machte er sich daran, die Idee eines Autokonzerts auf der Dachauer Thomawiese in die Tat umzusetzen. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde gab bereits grünes Licht, was für die Große Kreisstadt nun bedeutet: Bühne frei für ein laut Schneider „gewisses Abenteuer für alle Beteiligten“.

Denn, klar, „ein Live-Konzert ist durch nichts zu ersetzen“, gibt der Kultur-Chef zu. Andererseits gehe der Trend eindeutig in Richtung Auto – auch viele Kabarettisten würden bereits auf diese Form des Auftritts zurückgreifen.

Ein Autokino, wie es beispielsweise in Aschheim bei München betrieben wird, kommt für Schneider jedoch nicht in Frage: Dieses müsste „gewerblich und mehrmonatig“ betrieben werden, was den Anwohnern auf der Thomawiese nicht zuzumuten sei. Eine Reihe von sechs Autokonzerten hält Schneider dagegen für verträglich: Ein kurzer Soundcheck und ein 90-minütiges Konzert bedeuteten eine „viel viel viel kleinere Beeinträchtigung wie zehn Tage Volksfest“. Die Anwohner, verspricht Schneider, „können wirklich beruhigt sein“!

Der Startschuss der sechs Autokonzerte fällt am Freitag, 22. Mai, mit Sascha Seelemann and The Grizzlies; an den folgenden Freitagen gibt es „Jamaram meets Jahcoustix“, Deschowieda, BBou un Roland Hefter mit Isarrider. Den Abschluss der Reihe bildet dann am 26. Juni der Auftritt von „Django3000“.

Die ersten fünf Konzerte wurden kurzfristig gebucht, die Show von „Django3000“ hätte auch im normalen, sprich Corona-freien Musiksommer 2020 stattgefunden. Die bereits gekauften „Django“-Karten behalten daher ihre Gültigkeit; das Konzert ist ausverkauft. Tickets für die Shows von Sascha Seelemann, „Jamaram meets Jahcoustix“, Deschowieda, BBou und Roland Hefter sind dagegen noch erhältlich, und zwar unter www.muenchenticket.de. 

Ersatzlos gestrichen wurde dagegen das Konzert von Thees Uhlmann am 27. Juni. Der Auftritt der US-Band Khruangbin wurde auf 2021 verschoben; die bereits gekauften Tickets bleiben aber gültig. Ob und in welcher Form das Barockpicknick stattfinden kann, wird laut Kulturamtschef Schneider „kurzfristig zum Veranstaltungsbeginn“ entschieden. 

Für die Autokonzerte hat die Stadt schon Entscheidungen getroffen: Demnach dürfen pro Pkw nur zwei Personen auf das Veranstaltungsgelände, kleinere Autos werden vor größeren platziert und der Mindestabstand zwischen den Fahrzeugen beträgt 1,5 Meter. Einen Speisen- oder Getränkeverkauf vor Ort wird es nicht geben, aber in ihren Autos dürfen die Musikfans, die die Musik über ihr Autoradio empfangen, tun und lassen, was sie wollen. Dazu gehört auch, dass sie ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen – am besten via „Lichthupe oder Blinker“, wie es in den Einlassbedingungen der Stadt heißt. Der Fall, dass das Publikum unzufrieden ist und buhen will, ist in den Besucherinformationen dagegen nicht vorgesehen. „Da“, so Schneider, „müssen die Leute dann kreativ werden“.

Informationen

zu den Autokonzerten, deren Künstler und den mit den Konzerten verbundenen Einlassbedingungen gibt es im Internet unter dachau.de/musiksommer.

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