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Aus für Hallenbad-Architekten - Zukunft des Bauprojekts ungewiss

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Von: Stefanie Zipfer

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Jüngste Summe: Das neue Hallenad wird mindestens 22,85 Millionen Euro kosten.
Der Planer für den Neubau des Hallenbads hat sich von den Dachauer Stadtwerken getrennt. © DN Archiv

Dass es nicht rund läuft auf der Baustelle des Dachauer Hallenbads, ist offensichtlich: Die Kosten explodieren, die Fertigstellung verzögert sich, die Arbeiten ruhen. Jetzt ziehen die Verantwortlichen Konsequenzen: Architekt Wolfgang Gollwitzer und die Stadtwerke als Bauherr gehen fortan getrennte Wege. Wie es mit dem Millionenprojekt nun weitergehen soll, ist offen. 

Dachau ‒ Hinter vorgehaltener Hand war schon seit Monaten zu hören: Der Architekt sei überfordert, er habe sich mit dem Großprojekt Dachauer Hallenbad übernommen. Jetzt aber zogen die Verantwortlichen auch offiziell Konsequenzen: Die Stadt beziehungsweise ihre für die Bäder zuständigen Stadtwerke sprachen Architekt Wolfgang Gollwitzer aus München die Kündigung aus – nachdem dieser selbst zuvor gekündigt hatte. Die Trennung, so heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung zusammenfassend, sei also „nicht einvernehmlich“ erfolgt.

Laut erster Studie 8,8 Millionen Euro an Kosten

Dabei war die Zusammenarbeit sehr ambitioniert gestartet. 2012 hatte der Stadtrat beschlossen, das damals bereits 40 Jahre alte Hallenbad nicht mehr zu sanieren, sondern neu zu bauen. Bei einem Pressetermin Ende 2014 stellte der frisch gewählte Oberbürgermeister Florian Hartmann den Hallenbadneubau dann folgendermaßen vor: Er werde wettkampf-, familien- und seniorentauglich und sollte „alles in allem mit allem drum und dran in vier bis fünf Jahren fertig sein“. Zu den Kosten sagte Hartmann, dass zwar eine erste Studie insgesamt 8,8 Millionen Euro veranschlagt habe, die Stadt aber vorsichtshalber schon mal mit 10 Millionen Euro kalkuliere – schließlich gebe es viele „Negativbeispiele“ von Bädern, die am Ende viel teurer geworden seien.

Zeitlos elegant, aber nicht eintönig

Der Spatenstich erfolgte dann knapp drei Jahre später, Anfang November 2017. Wieder elf Monate später gab es die Grundsteinlegung, wobei Architekt Wolfgang Gollwitzer versprach, dass das neue Hallenbad ein Ort werde, auf den die „ganze Stadt stolz sein wird“. Das Bad werde die Stadtentwicklung und die Lebensqualität verbessern, sei von der Optik her „zeitlos elegant, aber nicht eintönig“ und füge sich „nahtlos in die umgebende Natur ein“.

März 2018: „Wir werden mit mehr als 20 Millionen Euro rausgehen“, so Bäderchefin Kern

Was sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr einfügte, waren die Kosten. Im März 2018, nach nur wenigen Monaten Bauzeit und einer erheblichen Vergrößerung der Baufläche, war nämlich klar geworden, dass die geplante Bausumme mit Sicherheit überschritten wird. „Wir werden mit mehr als 20 Millionen Euro rausgehen“, erklärte die bei den Stadtwerken für die Bäder zuständige Abteilungsleiterin Barbara Kern bei der Grundsteinlegung. OB Hartmann blieb aber optimistisch: Die Stadtwerke würden „grundsolide wirtschaften und arbeiten“ und das Projekt daher schon stemmen können.

Immer weniger funktionierenden Zeitplan

Doch dann wurde es problematisch. Zu den steigenden Kosten, sich verzögernden Gewerken und damit einem immer weniger funktionierenden Zeitplan kam Corona. Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin Ende 2019 wurde auf Ende 2020 verschoben; vor gut einem Jahr hoffte der OB dann auf „Ende 2022“, gab aber direkt zu bedenken: „Mal schauen, ob wir das schaffen.“ Seitdem wurde überhaupt nicht mehr über Öffnungstermine gesprochen.

Dafür sprach man immer mehr über Kosten. Die liegen nämlich laut Stadtwerken bereits bei 23,2 Millionen Euro. Und aus dem Bau-Projekt Hallenbad ist längst auch ein Gerichts-Projekt geworden. Neben dem Rechtsstreit zwischen Architekt und Bauherr gibt es auch Streitigkeiten zwischen einzelnen Baufirmen und Bauherr.

Wie es nun weitergeht? Auf Nachfrage erklärt der OB, dass man derzeit dabei sei, „das Projekt neu aufzustellen“, indem die Stadtwerke ein neues Planungs- und Architekturbüro suchen. Der Entwurf werde beibehalten, letztlich gehe es nur noch um die Bauausführung. Um dem neuen Architekten auf der Baustelle die Arbeit zu erleichtern, habe ein extra beauftragtes Büro bereits den Ist-Zustand des Bads untersucht – inklusive aller Mängel. „Für das, was jetzt steht, muss der neue Planer keine Haftung übernehmen“, so Hartmann. Nachdem die Arbeiten während der Bestandsaufnahme gestoppt worden seien, gelte es nun: „Wir müssen schauen, dass wir wieder in den Bau kommen!“

Beim Blick zurück halten sich die Beteiligten allerdings bewusst zurück. Stadträtin Ingrid Sedlbauer (ÜB), im Stadtrat Referentin für Bäder, Spiel- und Sportplätze, erinnert sich, dass man vor zehn Jahren natürlich darüber gesprochen habe, als Ersatz für das alte Bad einfach eine „neue Schachtel“ hinzustellen. Das Architekturbüro Gollwitzer aber habe immer wieder betont, dass sein geschwungener Entwurf am Ende nicht teurer komme als der funktionelle Schachtel-Bau. „Wenn wir damals gewusst hätten, was das mal für Probleme gibt, dann hätten wir natürlich einen Schuhkarton hingestellt“, sagt Sedlbauer heute.

Stadtwerke Penzberg trennen sich von Architekt Gollwitzer

Immerhin ist Dachau mit seinem Problem-Bau nicht allein. In Penzberg, wo ebenfalls ein schmuckes neues Hallenbad gebaut wird, trennten sich die örtlichen Stadtwerke vor zwei Jahren ebenfalls vom Architekten. Dessen Name: Wolfgang Gollwitzer.

Der bestätigt, in Penzberg gekündigt worden zu sein; zu den Gründen möchte er sich nicht äußern. Im Fall von Dachau aber ist ihm wichtig zu sagen, dass er es gewesen sei, der gekündigt habe. Vor allem ab vergangenem Oktober habe es nämlich immer wieder Meinungsverschiedenheiten mit dem Bauherrn gegeben, wobei man zunächst – „natürlich“ – versucht habe, „das zu lösen wie normale Geschäftsleute“. Nachdem im Februar ein Kompromissvorschlag aber gescheitert sei, war für ihn „eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich“.

Wie es nun juristisch weitergeht, will er seinen Anwälten überlassen. Die bauliche Zukunft des Dachauer Hallenbads aber sieht er skeptisch: „Ob es jetzt besser wird? Ich weiß es nicht.“ Zumindest in Gollwitzers Einschätzung über das künftige Bad dürften ihm die Stadtwerke aber beipflichten: „Es wird außergewöhnlich!“

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