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Ein 28-Jähriger rief die Frauen meist zwischen 3 und 5 Uhr morgens an.

Nächtlicher Telefon-Terror

“Der Ekel, der ist immer noch da“: 28-Jähriger terrorisierte nachts Frauen

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Ein 28-Jähriger hat jahrelang Frauen mit nächtlichen Anrufen terrorisiert. Die Angst der Angerufenen und die Tatsache, dass die Opfer lange nicht wussten, wer ihr Peiniger war, erregten den jungen Mann.

Dachau Für Menschen, die jeden Abend zu Bett gehen und in der Früh – mehr oder weniger – ausgeschlafen wieder aufstehen, ist es nur schwer vorstellbar, welches Martyrium fünf junge Frauen aus dem Dachauer Hinterland in den Jahren 2012 bis 2017 erlitten haben mussten. Denn diese jungen Frauen konnten nicht schlafen, weil ein heute 28-Jähriger etwas dagegen hatte.

Mindestens drei Mal pro Woche rief er sie an, mit unterdrückter Nummer, stets zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Wenn sie nicht sofort ans Telefon gingen, probierte er es im Minutentakt weiter, ließ es lange anklingeln, so lange, bis seine Opfer endlich abhoben. Und dann, so berichteten die Zeuginnen Richter Christian Calame am Dachauer Amtsgericht, habe der Anrufer ins Telefon gestöhnt und sich selbst befriedigt.

Betroffenen Frauen klagen über Nervosität, Angstzustände und Herzrasen

Die Folgen des nächtlichen Terrors waren gravierend. Alle klagten über Nervosität, Angstzustände, Herzrasen. Eine junge Dame erklärte Calame, „dass ich mich nicht getraut habe, meine Telefonnummer zu wechseln. Ich hatte befürchtet, dass er mir was antut, wenn er sich nicht mehr befriedigen kann.“ Ein anderes Opfer habe sich immer gefragt: „Was passiert als Nächstes?“ Und eine Dritte berichtete, dass sie – von Schlafmangel gepeinigt – irgendwann sogar ihren Kollegen als Täter verdächtigt habe. „Das ist mir total peinlich“, gestand sie, „weil ich ihm dann aus dem Weg gegangen bin, obwohl der doch gar nichts dafür konnte“.

Tatsächlich wussten die Opfer lange nicht, wer der nächtliche Anrufer war. Erst als er einmal vergaß, seine Nummer zu unterdrücken, fiel seine Maske. Vor Gericht gaben die Frauen an, „ihn nicht auf dem Schirm gehabt zu haben“. Klar, man habe sich gekannt, sagte eine aus, aber dass dieser unauffällige, ruhige Maler zu so etwas im Stande sein konnte – „das habe ich nicht vermutet“.

Damalige Freundin des 28-Jährigen als Zeugin vor Gericht

Selbst seine damalige Freundin, ebenfalls als Zeugin vor Gericht, betonte, nichts von den nächtlichen Aktivitäten des 28-Jährigen mitbekommen zu haben. „Wir schliefen auf einer Matratze“, erzählte sie. Sogar als erste Gerüchte zu ihr gelangten, dass ihr Freund „ein Perverser“ sein soll, wollte sie es nicht glauben: „Wissen Sie, wir wohnen im Hinterland. Da erzählt der eine was, der zweite erfindet was dazu.“ Und ihr gegenüber habe der 28-Jährige die Sache ohnehin ganz anders dargestellt.

Doch am Ende sprachen die Ermittlungen und auch die Ergebnisse des Strafverfahrens vor dem Amtsgericht gegen den jungen Mann, der zudem unter anderem wegen des Verbreitens pornographischer Schriften schon vorbestraft war. Schließlich gab er auch zu, die ihm zur Last gelegten Taten begangen zu haben.

Wegen, wie es juristisch heißt, Nachstellungen und der mehrfachen Körperverletzung verhängte Richter Calame eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung sowie ein Kontaktverbot zu seinen Opfern und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit beim Verein „Brücke Dachau“.

„Der Ekel, der ist immer noch da“, sagt eine der Frauen

Für die fünf jungen Frauen mag der nächtliche Terror zwar vorbei sein, doch sie tragen noch heute schwer an den Folgen. Eine erzählte, dass sie weiterhin jede Nacht zur selben Zeit aufwache. Und „der Ekel, der ist immer noch da“.

Der 28-Jährige, dem Richter Calame unterstellte, „nicht ansatzweise begriffen zu haben, was er den Zeuginnen angetan hat“, gab immerhin an, nun eine Therapie machen zu wollen. Warum er dies nicht schon längst getan habe, wollte der Richter wissen.

Die Antwort versprach wenig Hoffnung auf echte Einsicht: Er habe es ja schon zwei Mal probiert, aber „die Sympathie zum Therapeuten hat nicht gestimmt. Ich konnte mich ihm nicht öffnen.“

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