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Kindernotbetreuung auf Abstand: Im Kindergarten Oberzeitlbach betreuen Marille Ott (l.) und Gabi Czepera den kleinen Elias, der alleine mit den beiden seinen Tag verbringt.

Corona-Krise: Nur wenige Eltern nutzen die Notbetreuung

Geringe Nachfrage bei Notbetreuung

Einige Eltern würden ohne die Notbetreuung der Kinder während der Corona-Krise vor einem nicht lösbaren Dilemma stehen – auch wenn die Auslastung derzeit noch gering ist.

Dachau –Normalerweise ist morgens um kurz vor acht auf vielen Straßen der Bär los. Berufstätige sind auf dem Weg zur Arbeit, Schüler eilen zum Unterricht, Eltern bringen ihren Nachwuchs in Kindergärten oder -tagesstätten. Seit das öffentliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Pandemie weitestgehend stillsteht, herrscht zu den neuralgischen Uhrzeiten beinahe gespenstische Stille.

Zuhause stehen viele Familien jetzt vor einer ganz neuen Herausforderung: Auf einmal sind nicht nur die Kinder den ganzen Tag daheim und wollen beschäftigt werden, sondern viele Eltern müssen darüber hinaus noch ihre Arbeit vom Home-Office aus erledigen und bräuchten dafür eigentlich Ruhe. In den meisten Institutionen gibt es die Möglichkeit der Notfallbetreuung für Kinder von Eltern mit so genannten systemrelevanten Berufen oder der kritischen Infrastruktur. Dies gilt nur, wenn kein anderer Erziehungsberechtigter verfügbar ist, also im Falle von Alleinerziehenden oder wenn beide Elternteile einer für das System unverzichtbaren Arbeit, beispielsweise im Pflege- und Gesundheitswesen oder in der Versorgung mit Infrastruktur oder Lebensmitteln, nachgehen.

In den Schulen und Kitas im Landkreis Dachau werden diese Notgruppen zwar angeboten, der Andrang ist allerdings eher mäßig. „Wir würden eine Betreuung anbieten, und die erforderlichen Kollegen wären bereit, aber bis jetzt hatten wir nur am ersten Tag ein Kind da“, erzählt etwa Schulleiter Erwin Lenz vom Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau. Auch in der Grundschule in Markt Indersdorf nahmen in der ersten Woche der geltenden Ausgangsbeschränkung immer nur ein oder zwei Kinder das Angebot in Anspruch. Schulleiterin Renate Krucker erwartete allerdings für diese Woche ein paar mehr Kinder, „da haben sich die Eltern schon gemeldet“. Die Schüler in der Notfallgruppe würden zu den normalen Schulzeiten unter Aufsicht dieselben Aufgaben bearbeiten, die ihre Klassenkameraden zuhause lösen sollen.

Damit nicht ein einzelner Heranwachsender den ganzen Vormittag mit einem Lehrer allein ist, hat sich die Glonntal-Realschule in Odelzhausen, wo sich ebenfalls nur ein Kind zur Betreuung gemeldet hat, ein besonderes Konzept ausgedacht. Die Bildungsstätte ist zwar im gleichen Gebäude wie die Grund- und Mittelschule, schulübergreifende Versorgungsgruppen dürfen aber nicht gebildet werden. Daher gibt es Notgruppen in nebeneinander gelegenen Klassenzimmern, die Türen werden offen gelassen. Zwei Lehrkräfte sind pro Tag für die Realschule eingeteilt, sie wechseln sich nach einer Schicht von drei Schulstunden ab.

Doch auch die ganz Kleinen können, wenn nötig, in ihrer Kita, ihrem Kindergarten oder ihrer Krippe behütet werden. „Wir haben die Notfallgruppen sogar schon vor dem Beschluss der Regierung ins Leben gerufen und dieses Angebot dann ausgeweitet“, sagt Matthias Haag vom Franziskuswerk Schönbrunn. Die Betreuenden in den sechs Kindertagesstätten, die im Landkreis Dachau zum Franziskuswerk gehören, sollen zu ihren regulären Arbeitszeiten kommen, sodass unter Umständen mehr Erwachsene als Kinder vor Ort sind. „Die Angestellten nutzen die Zeit natürlich auch, um Dinge in Ordnung zu bringen und aufzuräumen“, erklärt Haag. „Sollte es aber in den anderen Bereichen zu Engpässen kommen, steht uns dieses überschüssige Personal auch für den Einsatz als Hilfskraft zur Verfügung“, fügt er hinzu. Wenn es also in den Einrichtungen des Werks für Menschen mit Behinderung zu einem Corona- Verdachtsfall und infolgedessen zu einer erhöhten Auslastung des Pflegepersonals kommen sollte, können die Erziehenden aus den KiTas unter Aufsicht einer ausgebildeten Fachkraft als Unterstützung hinzugezogen werden.

Auch wenn die Auslastung der Notfallgruppen eher gering ist: Ohne die pädagogischen Fachkräfte stünden viele Eltern vor einem nicht lösbaren Dilemma. Außerdem setzt sich das Betreuungspersonal selbst dem Risiko einer Ansteckung aus, denn anders als bei vielen anderen Berufen, kann man beim Spielen mit kleinen Kindern eher selten zwei Meter Abstand wahren.

san

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