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Die Problemkreuzung schlechthin: Das projekt eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Bajuwaren-/Schleißheimer und Alte Römerstraße wurde jetzt gestoppt.

Verkehrsausschuss stoppt Kreisverkehr an der Kreuzung Bajuwaren-/Schleißheimer und Alte Römerstraße

Dachau beerdigt Turbokreisel-Pläne

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Nach dem Parkhaus am Bahnhof steht nun das nächste Dachauer Großprojekt vor dem Aus: der vor allem von der CSU und der Nachbargemeinde Karlsfeld gewünschte Turbokreisel an der Kreuzung Schleißheimer/Bajuwaren- und Alte Römerstraße. Grund: Der Kreisel wäre zu teuer, Fuß- und Radverkehr würden behindert.

Dachau – Die Kreuzung Schleißheimer/Bajuwaren- und Alte Römerstraße ist schon lange ein Zankapfel zwischen der Großen Kreisstadt und ihrer Nachbargemeinde Karlsfeld. Die lange Weigerung der Dachauer, den verkehrsbelasteten Knotenpunkt auszubauen, zeuge, so Karlsfelds Gemeinderätin Mechthild Hofner (ÖDP) im Frühjahr 2018, „von unglaublicher Arroganz und Ignoranz“. Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) pflichtete ihr bei: „Die Große Kreisstadt glaubt, sie hat einen anderen Status.“

Umso erleichterter war man in Karlsfeld vor rund einem halben Jahr, als ein knappes Bündnis aus CSU, FW, ÜB und Bürger für Dachau die Planung eines sogenannten Turbokreisels an der Stelle durchsetzten (wir berichteten). Schon damals gab es warnende Stimmen, die August Haas (CSU) jedoch beruhigte mit dem Auftrag an die Bauverwaltung, nun „die große Lösung richtig zu planen“!

Doch ein halbes Jahr später wird klar: Diese „große Lösung“ würde erstens richtig teuer und zweitens zwar zu einer guten Lösung für Autofahrer, aber zu einer schlechten Lösung für Fußgänger und Radfahrer.

Denn, so ergab jetzt eine Verkehrsuntersuchung des Essener Ingenieurbüros TSC, ein zweispuriger Kreisverkehr würde für Fußgänger lange Umwege erfordern, wenn sie von einer Straßenseite zur anderen wechseln wollten. Radfahrer müssten zudem über eine 100 Meter lange und sechs Meter hohe Rampe über den Kreisverkehr geführt werden.

Während Peter Strauch (CSU) dazu im jüngsten Verkehrsausschuss erklärte, die „Einschränkungen“ für Radler nicht sehen zu können, da sie – trotz Rampe – schneller zum Ziel kämen, hielt Oberbürgermeister Florian Hartmann entgegen, dass das Problem seiner Meinung nach ganz woanders liege: „Wenn die Kosten für das Bauwerk nur ansatzweise da liegen, wo ich glaube, dass sie liegen, dürfte schnell klar werden, dass wir uns das bei unserer Haushaltssituation nicht leisten können“.

Thomas Kreß (Grüne) wurde konkreter: Für eine Investition in Höhe von 10 Millionen Euro sehe er schlicht keine Notwendigkeit. Und eine Steigung an der Radfahrer-Rampe von sechs Prozent sei „kein Pillepalle“. Autofahrern sei es seiner Meinung nach dagegen durchaus zuzumuten, auch mal eine Ampelphase zu warten; er sehe da „keinen Leidensdruck“.

Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) erinnerte seine „lieben Kollegen“ von der CSU zudem daran, dass die geplante Ostumfahrung – so sie denn je kommt – „Verkehr von der Alten Römerstraße weghält“. Warum sollte man also jetzt für den „überflüssigen“ Kreisel Geld ausgeben und damit auch noch den Radverkehr behindern? Seine Kollegen sahen es ähnlich. Gegen die Stimmen der CSU wurde das Projekt gestoppt.

In Karlsfeld ist man von der neuen Entwicklung überrascht. Bürgermeister Stefan Kolbe erklärt zwar, mit Dachaus OB Hartmann vor Monaten ein Gespräch zu dem Thema vereinbart zu haben, dieses Gespräch aber, so Kolbe, „hat bis heute nicht stattgefunden“.

Natürlich, gibt Kolbe zu, seien 10 Millionen Euro „eine stolze Summe“ und der Knotenpunkt sei „kritisch, das wissen wir alle“. Dass die Große Kreisstadt zu dem Kreisel nun aber im Alleingang eine weitere Untersuchung in Auftrag gegeben und auf deren Datenbasis den Kreisel abbläst, „passt ins Bild“. Denn man hätte die Sachlage ja durchaus „dem Nachbarn mitteilen können“. Aber, so bedauert Kolbe: Die Dachauer „sehen halt nur ihre eigenen Interessen“.

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