Während der Corona-Krise war die Abteilung praktisch nicht existent

Probleme mit der Abteilung Wirtschaftsförderung 

  • Stefanie Zipfer
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Offiziell gibt es im Dachauer Rathaus eine Abteilung für Wirtschaftsförderung. Inoffiziell aber ist längst bekannt: Die Abteilung macht seit Jahren Probleme. Zuletzt, während der Hochphase der Corona-Krise, musste OB Florian Hartmann sogar zugeben: „Die Wirtschaftsförderung existiert zur Zeit nicht.“ Ob der neu gegründete Wirtschaftsbeirat da die Lösung ist?

Dachau – Als Ende März, Anfang April der Shutdown des öffentlichen Lebens seine ersten brutalen Spuren zeigte, standen bei den Wirtschaftsförderern im Rathaus die Telefone nicht still. Klar, die Gewerbetreibenden der Großen Kreisstadt wollten wissen, wie es für sie weitergeht, ob ihnen geholfen wird, ob sie die Krise überleben werden.

Das Problem: Die Telefone waren nicht besetzt. Der Abteilungsleiter Stefan Wolf ist seit längerem im Krankenstand, die beiden 15-Stunden-Teilzeit-Kräfte befanden sich zuhause zur Kinderbetreuung, und der einzig verbliebene Kollege der Dachauer Wirtschaftsförderung kommt aus der Behinderteneinrichtung Stiftung Pfennigparade und ist mit Datenpflege-Tätigkeiten betraut. Also musste Thomas Ernst, als Kämmerer in diesen Tagen eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt, die Gespräche entgegen nehmen.

War diese Zeit für ihn stressig? „Es ging schon“, seufzt Ernst auf Nachfrage. Er gibt aber auch zu: Gerade das Thema „Dachau handelt“ – eine Infoplattform, mit dem örtliche Unternehmer unterstützt werden sollten – „wäre ein klassisches Thema der Wirtschaftsförderung gewesen“. Aufgrund der Abwesenheit von Wolf & Co. sei das Thema aber nun einmal an ihm hängen geblieben. Stadträten, die das Engagement der Verwaltung in Zeiten der Krise bemängelten, konnte Oberbürgermeister Florian Hartmann im April denn auch nicht mehr sagen als: „Im Moment existiert die Wirtschaftsförderung nicht.“

So ärgerlich diese Tatsache für eine 47 000-Einwohner-Stadt wie Dachau vor allem in Krisenzeiten sein mag, so bekannt ist auch: Seit Jahren schläft die Wirtschaftsförderung einen Dornröschenschlaf. Dass es nach wie vor kein Gründerzentrum – ja noch nicht mal ein Konzept dafür – gibt, dass eine Firma wie die Thorlabs GmbH abgewandert ist, schieben daher nicht wenige auf diese Lücke im Rathaus. Dass die wesentliche Arbeit der Abteilung Wirtschaftsförderung zuletzt in der Hauptsache darin bestand, das Adventskalender-Gewinnspiel am Rathaus zu veranstalten, mag nicht einmal Kämmerer Ernst abstreiten.

Doch Ernst nimmt seine Kollegen, allen voran den Chef-Wirtschaftsförderer, auch in Schutz. Er wolle das Problem nicht an einzelnen Personen aufhängen, so Ernst. Wieso man den dauer-kranken Abteilungsleiter nicht längst abberufen oder ersetzt hat? „So ohne ist es nicht, einfach eine neue Stelle zu schaffen!“

Tatsächlich bemüht sich die Stadtverwaltung schon lange, die Wirtschaftsförderung personell aufzurüsten. Der Stadtrat hatte dies jedoch in seinen nicht-öffentlichen Stellenberatungen lange abgelehnt. Ob die Nicht-Abberufung Wolfs damit zu tun hat, dass er CSU-Mitglied ist und bei der Wahl 2002 stellvertretender Wahlleiter war – damals waren 3500 Stimmzettel aus dem Rathaus verschwunden, was für einen überregionalen Skandal gesorgt hatte – ist nicht belegt. Aus Rathausverwaltung und Stadtrat hört man nur: „Es gab Menschen in der CSU, die ihm nahe standen.“

Ob ein ehrenamtlicher Wirtschaftsbeirat, wie ihn der Hauptausschuss zuletzt mehrheitlich beschlossen hatte, Schwung in die Akquise neuer Gewerbebetriebe bringen könnte, bezweifeln jedoch einige. Kämmerer Ernst gibt zu bedenken, dass ein derartiges Gremium „in gewissem Rahmen schon einen gewissen Sinn“ mache; wie man die Arbeit dieses Gremiums aber ausgestalte, müsse letztlich die Abteilung Wirtschaftsförderung erarbeiten.

Die ÜB im Stadtrat sieht in einem Wirtschaftsbeirat ebenfalls keine Rettung, wie Stadträtin Ingrid Sedlbauer zuletzt bekräftigte. Die Stadt brauche jetzt keinen Wirtschaftsbeirat, sondern zunächst einen wirksamen Wirtschaftsförderer, der es „ernst meint, auch mal aneckt und endlich ein Gewerbesteuerentwicklungskonzept vorlegt, das besagt: Wie wollen wir mit eigenen und fremden Gewerbeflächen grundsätzlich umgehen? Welche Betriebe wollen wir unbedingt halten? Welche Art von Betrieben wollen wir künftig ansiedeln?“

Diplom-Verwaltungsfachwirt Wolf, der bis dahin im Einwohnermeldeamt und Bauamt tätig war und seine neue Aufgabe mit vielen Vorschusslorbeeren angetreten hatte, legte dann ein anderes Arbeitsverständnis an den Tag: Schon im Jahr 2006 warfen ihm die Geschäftsleute vor, mehr zu „verwalten als zu fördern“. Vielleicht wusste Wolf aber auch schlicht nicht, was er überhaupt zu tun hat: OB Peter Bürgel etwa hatte im Jahr 2006 im Stadtrat erklärt, dass die Arbeitsplatzbeschreibung „schon festgeschrieben“ sei – „nur nicht schriftlich“.

ÜB-Mann Peter Gampenrieder glaubt, dass „ein starker Mann mit eigenen Ideen“ vielleicht gar nicht wirklich gewünscht war, „bislang gab es keinen echten Leidensdruck“. Aktuell sei die wirtschaftliche Lage der Stadt Dachau jedoch derart schlecht, dass gehandelt werden müsse. Tatsächlich sucht die Stadt nun nach Zustimmung des Stadtrats seit drei Monaten nach einem Wirtschaftsförderer.

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