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Die deutlich geringere Anzahl von Lkw-Fahrten mit der Verwertung des Klärschlamms bei der GfA in Geiselbullach führt zu einer Einsparung von 270 Tonnen CO2.

Projekt Klärschlamm regional entsorgen: Dachau gibt Absichtserklärung ab

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Um den bei der Abwasserreinigung entstehenden Klärschlamm gemeinsam entsorgen, wollen Städte und Gemeinden aus den Kreisen Dachau und Fürstenfeldbruck einen Zweckverband gründen. Die Stadt Dachau hat sich nun – unter Vorbehalt – grundsätzlich zu einem Beitritt bereit erklärt.

Dachau – Im Landkreis Dachau waren die Petershausener am schnellsten. Schon im Februar erklärte sich die Gemeinde dazu bereit, einem interkommunalem Verbund zur gemeinsamen Entsorgung und Verwertung sogenannten Klärschlamms beizutreten. Sitz dieser neuen Anlage soll die Gesellschaft für Abfallverwertung (GfA) in Geiselbullach sein. Bislang musste der Klärschlamm auf weit entfernten Deponien entsorgt werden, „wir fahren damit mehrfach um die Erde“, begründete Bürgermeister Marcel Fath seine Begeisterung für das Projekt, „künftig nur noch 33 000 Kilometer im Jahr“.

Im Dachauer Werkausschuss sah man dieses Argument ebenfalls. Umweltreferent Thomas Kreß (Grüne) gab zwar den CO2-Ausstoß zu bedenken, der durch die Verbrennung entstehe, sah in dem gemeinsamen Projekt jedoch „eine bessere Lösung als den Klärschlamm in irgendein Kraftwerk zu fahren“.

Dass die Verbrennung jedoch alternativlos ist, betonte Stadtwerke-Chef Robert Haimerl: Früher habe man den feuchten Rest der Abwasserklärung auf Felder ausbringen oder im Landschaftsbau nutzen dürfen. Eine Gesetzesänderung lasse dies künftig jedoch nicht mehr zu. In der gemeinsamen Anlage könnte daher der angelieferte Schlamm getrocknet und verbrannt werden und – in einem nächsten Schritt, wenn die entsprechende Technik in einigen Jahren zur Verfügung steht – sogar der wertvolle Rohstoff Phosphor aus der entstandenen Asche zurückgewonnen werden. Die dabei entstehende Wärme könnte energetisch genutzt werden.

Im Grundsatz sahen alle Stadträte im Ausschuss die Notwendigkeit einer langfristigen Lösung des Themas. Dr. Peter Gampenrieder (ÜB) und Norbert Winter (CSU) hatten dann aber doch noch einige Nachfragen. Denn: Die Stadt Dachau dürfte aufgrund ihrer Einwohnerzahl zu einem der wichtigsten Mitglieder des Verbunds werden – und damit auch zu einem der größten Geldgeber.

Entsprechend einem Konzept der GfA würde die Große Kreisstadt 13 Prozent des Klärschlammanfalls liefern, ebenso viel wie die Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Gampenrieder und Winter machten sich daher Sorgen, dass der Dachauer Endverbraucher mehr für sein Abwasser zahlen muss. „Fällt es auf uns zurück, wenn andere Partner zu wenig liefern?“, wollte Gampenrieder konkret wissen. Und Winter fragte angesichts „hoher Investitions- und Betriebskosten“ der geplanten Anlage: „Ist die jetzige Art unserer Klärschlammentsorgung nicht günstiger? Ich will nicht blind in etwas investieren, das ich woanders günstiger bekomme.“

Stadtwerke-Chef Haimerl betonte mehrfach, „nicht in die Glaskugel schauen“ zu können, er wisse schlicht nicht, „wie sich die Preise für die Klärschlammverwertung entwickeln“. Die Stadträte müssten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass auch die Altenstadter Firma Emter, wo die Große Kreisstadt aktuell ihren Klärschlamm verbrennen lässt, ihre Preise anhebt.

Volker C. Koch (SPD) gab zu bedenken, dass das Grundproblem ja die Gesetzesänderung sei: „Die hat doch das alles ausgelöst!“ Der Zweckverband biete nun die Chance, die Verwertung des Klärschlamms „halbwegs wirtschaftlich zu machen“. Zum jetzigen Zeitpunkt würde man „keinen Blankoscheck ausstellen, wir stehen ja erst am Anfang des Wegs“.

Dies bestätigte auch Stadtwerke-Chef Haimerl, der das Gremium „lediglich um eine Absichtserklärung“ bat. Damit könne man dann „in den Prozess zur Gründung des Zweckverbands einsteigen“. Der Ausschuss sprach ihm dafür einstimmig sein Vertrauen aus.

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