Nicht einsteigen: Der Zehn-Minuten-Takt der S2 funktioniert derzeit so gut wie gar nicht. Die Bahn erklärt dies damit, dass aktuell mehr Züge als sonst wegen Unfallschäden in der Werkstatt seien. Foto: mM archiv

Das sagt die Bahn

Unzuverlässige Taktverstärker: Täglich Probleme bei S2

  • schließen

Die Taktverstärker der S2 fallen seit Jahren immer wieder aus, derzeit gibt es täglich Probleme. Die Bahn beruft sich auf „betriebliche Gründe“, die Pendler schütteln nur noch den Kopf – und der Politik sind die Hände gebunden.

Dachau – Für S-Bahn-Pendler gehört diese Ansage mittlerweile fast schon genauso zur morgendlichen Routine wie der Kaffee und die Butterbreze: „Aus betrieblichen Gründen fallen folgende S-Bahnen des Zehn-Minuten-Takts aus.“

Gesendet werden diese Zeilen vom sogenannten Streckenagenten, einem Service der Bahn, der über Verspätungen und Ausfälle der S-Bahn im Großraum München informiert. Auf der S2 trifft es derzeit täglich die Taktverstärker, die zu Stoßzeiten eigentlich die S-Bahn-Linien entlasten sollen; laut Fahrplan treffen diese Züge im Berufsverkehr morgens und nachmittags statt im üblichen 20- im Zehn-Minuten-Takt am Dachauer Bahnhof ein. Die Realität aber ist: Das einzig Zuverlässige an dem Angebot ist, dass es ausfällt.

S-Bahn München: „Pendeln im Großraum München ist kein Spaß“

Josef Mittl, Mitglied des Fahrgastverbands „Pro Bahn“ und leidgeprüfter Pendler aus Petershausen, formuliert die derzeitige Lage so: „Pendeln im Großraum München ist kein Spaß.“ Er hatte Kollegen, berichtet er, die ihre Münchner Jobs aufgegeben hätten mit der Begründung: „Wir machen das Pendeln nicht mehr mit. Lieber bleiben wir bei uns draußen auf dem Land.“

Mittl selbst, als Petershauser zwar noch ein wenig besser dran als die Nutzer des Altomünsterer Asts der S2, kann den Unmut über den regelmäßigen Ausfall der Taktverstärker daher auch gut nachvollziehen. Dadurch würden Anschlüsse verpasst und die ohnehin schon vollen Züge in der Früh noch voller. Eine Lösung für das Problem sieht Mittl nur darin, dass die Bahn „endlich ihr Netz entlastet“ sowie neue Züge und Signalanlagen anschafft. Auch die Politik sei gefordert, betont Mittl, „die muss viel schärfer Druck ausüben und die Zuverlässigkeit der Züge knallhart einfordern“! Denn sonst, glaubt der Pendler, „gehen wir hier im Großraum München bald unter“.

S-Bahn: Taktverstärker bei S2 fallen immer wieder aus

Der Politik aber sind die Hände gebunden, gibt Landrat Stefan Löwl zu. Löwl ist stellvertretender Sprecher der MVV-Landräte und nennt die Zugausfälle „mehr als ärgerlich“. Natürlich sei die Zuverlässigkeit der S-Bahn immer wieder Thema unter den Landräten. Alle wollten am liebsten „morgen eine Lösung für die Probleme von heute. Der politische Wille ist da“! Allein: Die Umsetzung der Lösung gestalte sich in Deutschland eben sehr langwierig. „Und das“, so Löwl, „ist das Frustrierende“.

Die Pendler von heute, glaubt Löwl nämlich, baden Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte aus, zudem sei die Region stärker gewachsen als prognostiziert. Dass es nun „zu wenig rollendes Material“ auf den Schienen gebe, eine unzureichende Infrastruktur und eine daraus resultierende Anfälligkeit für „externe Störungen“ sei eben die unschöne Folge. Löwl glaubt jedoch, dass bei der Bahn ein „gewisses Problembewusstsein angekommen“ sei.

Die Politik tut Löwl zufolge derzeit alles, um die Bahn zu unterstützen, etwa indem sie Geld zur Verfügung stelle und den Bau der zweiten Stammstrecke sowie des Nordrings befürworte. Aber: „Das sind Verfahren, die Jahrzehnte dauern.“ Auf die Schnelle dagegen sei „faktisch nix zu machen“.

Taktverstärker bei S2 fallen immer wieder aus - Das sagt die S-Bahn

S-Bahn-Sprecherin Kathrin Kratzer macht den Pendlern jedoch Hoffnung, dass sich die Zuverlässigkeit der Taktverstärker in absehbarer Zeit zumindest ein bisschen verbessert: „Aktuell stehen uns weniger Fahrzeuge als sonst zur Verfügung. Hintergrund des Fahrzeugengpasses ist vor allem, dass mehrere Züge wegen Unfallschäden in der Werkstatt behandelt werden müssen und aktuell im Fahrgastbetrieb nicht eingesetzt werden können.“ Die Mitarbeiter würden aber „mit Hochdruck“ daran arbeiten, „dass die Fahrzeuge schnell wieder einsatzbereit sind“.

Allerdings, das gibt die Sprecherin auch zu, sei der Taktverstärker eben immer diejenige Verbindung, die im Falle von größeren Störungen gestrichen werde. Auf der Stammstrecke dürften laut Kratzer nämlich pro Stunde und Richtung nur 30 Züge fahren: „Wenn darunter verspätete Züge sind, müssen eben die Taktverstärker entfallen.“ Nur so könne das „Gesamtsystem wieder pünktlich“ werden.

Fahrgäste sollten sich Kratzer zufolge daher immer „vor Fahrtantritt in den Auskunftsmedien über ihre Reiseverbindung informieren“. Genau dies machen Pendler wie Josef Mittl aber ohnehin längst: „Das Erste, was ich in der Früh mache, ist in der S-Bahn-App nachschauen: Was fährt heute tatsächlich?“

Lesen Sie auch:

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“: 60-Jährige vom MVV-Tarifplan in die Irre geführt

Trotz eines Tickets kann man beim MVV leicht zum Schwarzfahrer werden. So ist es Andrea Brinkmann aus Taufkirchen ergangen.

Aubinger Lohe: Dieser Übergang bremst die Bahn immer wieder aus

Der Bahnübergang an der Aubinger Lohe zwischen Puchheim und Aubing sorgt immer wieder für Ärger auf der S 4. Schnee und leichtsinnige Spaziergänger bremsen dort nicht selten den Bahnverkehr aus. Jetzt prüft die Bahn Verbesserungsmöglichkeiten.

Gleisbruch am Marienplatz: Chaos im Berufsverkehr - komplizierte Reparaturarbeiten

Wegen eines Gleisbruchs ist es am Morgen zu Verspätungen und Zugausfällen bei den U-Bahnen U3 und U6 gekommen. Die Reparaturarbeiten waren kompliziert.

Tödlicher Unfall an Bahnübergang: Auto kracht in S-Bahn - und wird mehrere hundert Meter mitgeschleift

An einem beschrankten Bahnübergang in Karpfhofen ist am Montagmorgen ein Autofahrer in eine S-Bahn gefahren. Der Autofahrer verstarb noch an der Unfallstelle.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit Biss und Ironie: Petershausener Lokalpolitiker mussten beim Maibockfest viel aushalten
Der Nockherberg ist am Samstagabend nach Petershausen gezogen. Beim ersten Maibockfest seit 19 Jahren trat Manfred Seemüller als „Pater Sylvester“ auf und hielt den …
Mit Biss und Ironie: Petershausener Lokalpolitiker mussten beim Maibockfest viel aushalten
Von hinten attackiert: Dachauer (45) bei Raubüberfall verletzt
Ein 45 Jahre alter Dachauer ist am Montagmorgen in der Dachauer Altstadt Opfer eines Raubüberfalls geworden. Zwei unbekannte Täter erbeuteten Geldbörse und Handy. Der …
Von hinten attackiert: Dachauer (45) bei Raubüberfall verletzt
Engagement seit 40 Jahren 
Der Frauenbund Schwabhausen ist aus der Gemeinde nicht wegzudenken. Heuer feiert er sein 40-jähriges Bestehen
Engagement seit 40 Jahren 
CSU will den Turbokreisel
Die Modernisierung der Ampel an der ewig verstopften Kreuzung Schleißheimer/-Bajuwaren- und Alte Römerstraße zeigt Wirkung: Der Verkehr fließt wesentlich flüssiger, die …
CSU will den Turbokreisel

Kommentare