Die Punkband Sabot Noir erregt mit ihrem Song „F*** Cops“ die negative Aufmerksamkeit des Stadtrats Dachau.
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Die Punkband Sabot Noir erregt mit ihrem Song „F*** Cops“ die negative Aufmerksamkeit des Stadtrats Dachau.

Änderung der Kulturförderrichtlinien?

„F*** Cops“: Fördergelder für Punkband sorgen für heftige Debatte - „Ohrfeige für jeden Polizeibeamten“

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die Punkband „Sabot Noir“ soll mit 750 Euro gefördert werden. Die Band hat Songs mit Titeln wie „Fuck Cops“ im Repertoire. Der Dachauer Stadtrat ist uneinig.

  • Die Punkband „Sabot Noir“ soll 750 Euro Förderung der Stadt Dachau erhalten
  • Nun diskutiert der Stadtrat heftig über diese Entscheidung.
  • Am Song „F*** Cops" scheiden sich die Geister
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Dachau – Ein städtischer Zuschuss für die Dachauer Punk-Band Sabot Noir, den der Kulturausschuss vorige Woche mit knapper Mehrheit zuerkannt hat, sorgt seither in der Öffentlichkeit für eine kontroverse Debatte. Die Kritik entzündet sich am 2018 veröffentlichten Song „Fuck Cops“. Nun will die Stadt diese Diskussion zum Anlass nehmen, um ihre Kulturförderrichtlinien zu überarbeiten, wie Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) am Dienstag im Stadtrat ankündigte.

Er bedaure, so der OB, wenn die Zuschuss-Entscheidung „Menschen in ihren Gefühlen verletzt hat“. Den Inhalt des Songs werde im Gremium „niemand teilen“. Er selbst halte das Werk für „künstlerisch wenig wertvoll und vom Inhalt her eine Zumutung“. Doch der Text sei von der Meinungsfreiheit gedeckt. Auch „kann und soll Kunst kontrovers sein“. Um künftig klarer entscheiden zu können, soll die Kulturförderrichtlinie angepasst werden. Allerdings nicht im Sinne von Mainstreamkunst. „Was ich nicht will, ist ein Eingriff in die Meinungsfreiheit oder Willkür.“

Fördergeld für linke Punkband: Dachauer Stadtrat streitet über Kulturförderung

Lesen Sie hier die Erstmeldung: Zuschüsse für Bands aus der Region stehen regelmäßig auf der Tagesordnung des Kulturausschusses, gestritten wird darüber praktisch nie. An der Förderung der Dachauer Punk-Band „Sabot Noir“ aber schieden sich nun die Geister. „Bei ,Fuck Cops’ hört der Spaß auf“, fand die CSU.

Den Vorstoß des OB nannte Kulturreferent Sören Schneider (SPD) „richtig und wichtig, doch die Diskussion wird verdammt schwierig“. Die Kritiker der jüngsten Kulturausschussentscheidung erinnerte Schneider daran, dass der kritisierte Song bereits 2018 erschienen ist. Seither seien Sabot Noir dreimal städtische Zuschüsse zugebilligt worden, stets einstimmig. Wenn jetzt die Zustimmung zur Förderung von einigen Ratsmitgliedern gleichgesetzt werde damit, dass die Zuschuss-Befürworter die Inhalte des Songs teilen würden, „dann nennt man das Populismus“. Schneider bat zurückzukehren zur „ehrlichen Debatte: Ist das Kunst oder kann das weg?“

Video: Sabot Noir und das Lied des Anstoßes

Das ist eine Ohrfeige für jeden Polizeibeamten.“

Peter Gampenrieder, ÜB Dachau

„Ohrfeige für Polizeibeamte“: Streit in Dachau um Förderung von Punkband

Für notwendig hält die CSU-Fraktion die Änderung der Kulturförderrichtlinie nicht. Schon von der aktuellen Richtlinie sei die Verweigerung einer städtischen Förderung gedeckt, erklärte Florian Schiller, dessen Fraktion gegen die Förderung von Sabot Noir gestimmt hatte. Zuschüsse seien freiwillige Leistungen, der Kulturausschuss in seiner Entscheidung frei. Dennoch trage die CSU eine Änderung der Richtlinie mit. Auch die ÜB findet eine Überarbeitung gut. Die Hassbotschaften im Song nannte ÜB-Sprecher Peter Gampenrieder „eine Ohrfeige für jeden Polizeibeamten“.

Doch Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) plädierte für mehr Differenzierung. Sie hat nicht nur den Refrain, sondern den gesamten Songtext analysiert. Ihr Fazit: Auch wenn sie Titel und Wortwahl nicht für gut halte, „geschildert wird aus Sicht eines Opfers unangebrachte Polizeigewalt“. Diese Interpretation teilt Markus Erhorn (FW Dachau) nicht, der von einem „beschämenden Beschluss“ sprach. Er hätte sich gewünscht, so Erhorn, dass der Stadtrat erneut abstimmt. Dagegen erklärte Richard Seidl (Grüne), Polizei als staatliche Institution müsse sich Kritik stellen. Auch wenn er den Songtext nicht gut finde, gelte es der Kunst zu erlauben, „dass es auch plumpe Kritik gibt“. Für Texte, die Grenzen überschreiten, gebe es das Strafrecht, so Seidl.

„Schwierige Diskussion“ - Streit um Fördergelder für Dachauer Punkband Sabot Noir

Eine einfache Debatte über die Anpassung der Richtlinie erwartet auch der OB nicht. Doch erkennt Hartmann, das erläuterte er auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten, durchaus „ein Defizit in den Kulturförderrichtlinien“. Die Meinungsfreiheit gehe weit, aber es gelte zu definieren, wo Grenzen überschritten würden. Dies sorgfältig abzuwägen sei wichtig, „gerade in Dachau mit unserer Geschichte“. Daher erwartet der OB eine „mutige und schwierige Diskussion“. Als Basis dafür wird die Verwaltung den Stadträten nach der Sommerpause einen Textvorschlag vorlegen.

Lesen Sie auch Weltweit protestieren Tausende nach dem Tod von George Floyd gegen Polizeigewalt und Rassimus - Strukturen, die auch in Deutschland für Todesopfer gesorgt haben. 

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