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„Wir sind Kunst, kein Kommerz“: Punkband bekommt erneut Zuschuss

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Von: Stefanie Zipfer

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Geldscheine und Euro-Münzen auf einem Tisch als Symbolbild.
300 Euro Fahrtkostenzuschuss für die Anreise zu ihrem Konzert im holländischen Groningen haben jetzt die Musiker von „Sabot Noir“ erhalten © Nikolas Kokovlis / IMAGO

Der Kulturausschuss des Dachauer Stadtrats hat der Punkband „Sabot Noir“ einen Fahrtkostenzuschuss für eine Konzertreise gewährt. Zuvor mussten die jungen Musiker aber eine Erklärung abgeben.

Dachau – Vor knapp zwei Jahren kam es im Kulturausschuss des Stadtrats zu einer heftigen Diskussion: Darf eine Punkband, deren Lieder Textzeilen beinhalten wie „Fuck Cops“ oder „Ich hasse Bullen“ in der Genuss städtischer Förderung kommen?

Am Ende lautete die Antwort, gegen den Widerstand vor allem der Dachauer CSU, ja. Allerdings konkretisierte der Stadtrat daraufhin im Nachgang seine Kulturförderrichtlinien, in denen nun explizit vermerkt ist, dass Geld aus dem Stadtsäckel nur noch bekommt, wer sich in seiner „inhaltlichen Arbeit an den Grundsätzen der Großen Kreisstadt Dachau beispielsweise zu Inklusion, interkultureller Orientierung, (...), Antidiskriminierung, nachhaltiger Entwicklung und Beschaffung, Antisemitismus oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit orientiert“ (wir berichteten).

Am Mittwoch nun stand erneut ein Antrag der Band auf Bezuschussung ihrer Fahrtkosten zu einem Konzert in Holland auf der Tagesordnung des Kulturausschusses. Die Mitglieder von „Sabot Noir“ wohnen mittlerweile in München, gelten aber aufgrund ihrer Herkunft als Dachauer Band.

Antrag aus Reisekostenzuschuss, sonst hätte Band Verlust erlitten

Dies ist nämlich eine weitere Bedingung der städtischen Kulturförderrichtlinien: Nur Dachauer Kulturvereine oder „eigenschöpferisch tätige Bands“ können für Konzerte außerhalb Bayerns einen Reisekostenzuschuss in Höhe von 30 Cent pro Kilometer geltend machen. Im Fall des jüngsten Antrags bat „Sabot Noir“ daher um 300 Euro.

Ohne Zuschuss, so Band-Sprecher Matthias Wuschek, wäre der Auftritt in Groningen „ein Verlust unsererseits“. Zudem stellte er aber auch noch einmal „ausdrücklich klar, dass es bei unseren Liedern eben um keine kommerzielle Kunst, sondern um eine solche geht, bei der gesellschaftliche Missstände (...) angesprochen und kritisiert werden“. Ihre Art der Kunst, so Wuschek weiter, sei natürlich „rabiat und provokativ“, falle aber unter den Begriff der Kunstfreiheit.

Stadträte fördern auch Krippenfreunde und TSV Dachau

Die Ausschussmitglieder sahen es ähnlich und bewilligten den jungen Leuten ihre 300 Euro. Zuschüsse gab es ansonsten auch für die Künstlerin Claudia Flach, die Ampertaler Krippenfreunde, das Ensemble Cantinori und die Evangelische Versöhnungskirche. Auch der TSV Dachau 1865 darf sich über einen Fahrtkostenzuschuss zur „Skatesession“ in Klagenfurt freuen sowie Christian Salvermoser und Johannes Karl über Geld für ihre Maibaumfeier 2022.

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