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Paul Tille, Sprecher der Schausteller. 

Eine Dult am Ernst-Reuter-Platz?

Schausteller haben neue Vorschläge anstatt des Volksfestes

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Die Existenzangst lässt die Budenbesitzer und Fahrgeschäftebetreiber nicht verzweifeln, sondern macht sie kreativ. Ihre Vorschläge: eine Dult am Ernst-Reuter-Platz oder Buden entlang der Münchner Straße. Würde die Stadt zustimmen, würde sie endlich „Herz“ zeigen, so die Schausteller.

Dachau – Nur kurz hat sich Paul Tille (55), Sprecher der Dachauer Schausteller, über die Aussagen von Oberbürgermeister Florian Hartmann und Volksfestreferent Robert Gasteiger geärgert, die, wie berichtet, die Idee der Stadträte Jürgen Seidl (FDP), Ingrid Sedlbauer und Peter Gampenrieder (beide ÜB), statt des abgesagten Dachauer Volksfestes ein „Drive-in-Volksfest“ zu veranstalten, nicht gut hießen. Mit Autos rumfahren und sich mal schnell ein Hendl oder ein Bier abholen, das empfanden OB und Referent als nicht eben stimmungsvoll.

„Ich halte auch nicht viel davon“, gibt Schausteller-Sprecher Tille zu, doch angesichts des drohenden Existenzverlusts vieler Schausteller sei man auf die Hilfe der Stadt angewiesen. Aber Tille und seine Kollegen haben die Sache abgehakt und denken weiter. Wie wäre es mit einer Verkaufsdult am Ernst-Reuter-Platz in Dachau-Ost? Oder einzelnen Geschäften, verteilt in der Münchner Straße?

Die Dult stellt sich Tille so vor: um die zehn Buden mit Süßwaren, Bratwurstverkauf und ähnlichem, dazu ein Kinderkarussell, rund um einen Biergarten. Das Ganze umzäunt, ein Ein- und ein Ausgang, eine bestimmte Personenzahl darf sich ein oder zwei Stunden auf dem Platz aufhalten. Security, Einhaltung der Abstands- sowie Hygieneregelungen, das verstehe sich von selbst. Die Dult solle über einen Zeitraum von vier Wochen im August laufen, Öffnungszeiten von 10 bis 21 Uhr.

Es wäre kein großer Aufwand für die Stadt, meint Tille, und sie würde endlich das Herz zeigen, das die Münchner schon gezeigt haben. „Da wird den Schaustellern nämlich geholfen“, sagt Tille, der selbst in fünfter Generation einen Imbissstand mit gebrannten Mandeln, Schokofrüchten und mehr betreibt. In der Landeshauptstadt sollen die Schausteller unter dem Motto „Sommer in der Stadt“ mit kleinen, dezentralen Veranstaltungen unterstützt werden. An vielen Orten könnten einzelne Stände oder kleinere Fahrgeschäfte aufgebaut werden. Konkret ist die Sache noch nicht. Tille hat dennoch erfahren: „Am Nockherberg gibt es bereits 15 Stände, ähnlich, wie wir uns das vorstellen – alles genehmigt“, sagt Tille. In Dachau, fügt er hinzu, sollten sich auf der Dult die verschiedenen Schausteller alle zehn Tage abwechseln.

Wegen des zweiten Vorschlags, in einem Zeitraum von 16 Tagen etwa 15 bis 20 Stände auf der Münchner Straße zu verteilen, hat Tille schon mal bei der Stadt Dachau angeklopft und wartet gespannt auf eine Reaktion. Die Verkaufsdult soll in den kommenden Tagen beantragt werden.

„Vorstellen kann ich mir grundsätzlich viel“, sagt OB Hartmann, indes müsse man die Vorschläge zunächst in den zuständigen Ausschuss bringen, der zustimmen müsse. Weiter gelte es Kontakt aufzunehmen mit dem Gesundheitsamt. Und nicht zuletzt müsse geklärt werden, ob die beiden Begehre nicht als Großveranstaltungen eingestuft werden müssten. Die, so Hartmann, seien nach wie vor verboten. Was eine Großveranstaltung ist, da habe man keine konkreten Vorgaben. Der OB nennt aber ein Beispiel: Der Markt in der Altstadt sei bis auf Weiteres abgesagt, „denn da waren es zu viele Besucher“.

Sollte die Stadt Dachau weder Dult noch die Münchner-Straße-Buden genehmigen, „dann hoffen wir wenigstens auf die Weihnachtsmärkte“, so Paul Tille, „die wären unsere letzte Hoffnung“.

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