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Nein zu Rassismus: die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki (M.) im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern.

Sieben Schüler des ITG auf Spurensuche

Ausstellung: Sieben Menschen, ein Schicksal

Neun Schüler des ITG haben sieben Biografien von Männern ausgearbeitet, deren Schicksal auf grausame Weise miteinander verbunden waren.

Dachau – Ein Möbelfabrikant, ein Künstler, ein Kaufmann, ein Philosoph und Lehrer – all diese Münchner teilten dasselbe Schicksal: Weil sie jüdisch waren, hat man sie zwischen dem 9. und dem 16. November 1938 ins KZ Dachau verschleppt. Die Nacht auf den 10. November 1938 ging als Reichspogromnacht in die Geschichtsbücher ein. Es geht nicht nur um die Nacht auf den 10. November, sondern die darauffolgenden Tage und Wochen. Es wurden etwa 36.000 jüdische Männer verhaftet, davon kamen etwa 26.000 in die Konzentrationslager Buchenwald, Sachsenhausen und Dachau (nach Dachau knapp 11.000). 

Neun Schüler des Ignaz-Taschner-Gymnasiums haben in einem Projektseminar von Lehrerin Simone Schütrumpf sieben Biografien von Männern ausgearbeitet, deren Schicksal auf grausame Weise verbunden waren. Diese Biografien sind nun als Stellwandausstellung mit dem Titel „Gesichter der Novemberpogrome“ bis zum 25. November in der Aula zu sehen.

„Mit den Novemberpogromen 1938 erreichte der Antisemitismus im NS-deutschen Einflussgebiet einen dramatischen Höhepunkt“, sagte Mirjam Spandri von der KZ-Gedenkstätte und Projektpartnerin bei der Eröffnung. Sie führte weiter aus: „Die größte Gruppe, etwa 11.000 Männer kamen ins Konzentrationslager Dachau. Dort bereicherte sich die SS an ihren Wertsachen, sie wurden in der Unterbringung und Lageralltag von anderen Häftlingen isoliert, misshandelt und mussten beispielsweise im Gegensatz zu anderen Gefangenen stundenlang Strafstehen (in der Kälte). Im Laufe des Winters 1938/39 wurden die meisten schließlich wieder entlassen.“ Die Forschung gehe laut Mirjam Spandri davon aus, dass etwa 1000 Personen unmittelbar oder an den Folgen der Gewalt während der Pogrome und weiteren KZ-Haft starben. Über die Traumatisierten und zeitlebens an den psychischen Folgen Leidenden gebe es keine Zahlen.  Die Zahlen zeigen das Ausmaß, doch die Leiden jedes einzelnen dürfe dabei nicht in den Hintergrund geraten. Deshalb sei sie froh über diese Ausstellung und über das Engagement der jungen Menschen.

Jede der sieben Stellwände ist der Biografie eines Mannes gewidmet. Wo er geboren wurde, wie er aufwuchs, wie er sich sein Leben in München aufbaute, um dann in der Pogromnacht ins KZ verschleppt zu werden. Jeder der Männer kam im Laufe der Zeit wieder aus dem KZ frei, doch ihr Leben war nicht mehr dasselbe. Die meisten flüchteten in andere Länder, viele starben an den Spätfolgen ihrer Inhaftierung.

Dass die Ausstellung wichtig ist, betonte Peter Heller, Sprecher des Runden Tisches gegen Rassismus. „Jeden Tag werden vier Straftaten mit antisemitischem Hintergrund begangen“, bemühte Heller bei der Begrüßung der Gäste die Statistik. In Zeiten, so Heller, in denen die AfD mit 20 Prozent gewählt werde, sei eine solche Ausstellung sehr wertvoll.

Stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki sprach den Schülern ihren Respekt aus, sich so „intensiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen“. Sie zitierte, wie viele an diesem Abend, Max Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah, doch dafür, dass es nicht wieder geschieht.“ So appelliert sie „Kraft und Mut“ zu haben, um „nein zu Rassismus, Antisemitismus und Menschenverachtung zu sagen“. 

Die Ausstellung in der Aula des Ignaz-Taschner-Gymnasiums ist noch bis zum 25. November während den Schulöffnungszeiten geöffnet. Der Eintritt ist frei.

mik

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