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Diskutierten über urbane Seilbahnen: Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), Bürgermeister von Oberschleißheim Christian Kuchlbauer (Freie Wähler), Moderator Mathias Knappe, Bürgermeister Dr. Dietmar Gruchmann aus Oberschleißheim (SPD), Dr. Markus Büchler, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen. 

Podiumsdiskussion zum Thema „Urbane Seilbahnen“

Löst die Seilbahn alle Verkehrsprobleme?

Ist die „3. Dimension“ tatsächlich ein Ausweg aus dem verkehrspolitischen Dilemma? Um die Antwort vorsichtig zu formulieren: Sie scheint es zu sein. Die urbane Seilbahn streckt sich zumindest als Hoffnungszeichen zum Himmel.

DachauDie Klagen über den ausufernden Verkehr und das Leiden am nicht funktionierenden öffentlichen Nahverkehr ist Dauerthema, privat wie politisch-öffentlich. Seit kurzem gibt es eine neue Variante zur Lösung: die urbane Seilbahn. Drei Fraktionen im Dachauer Stadtrat luden ins Ludwig-Thoma-Haus ein, um mit Bürgermeistern aus der Region und dem Landtagsabgeordneten Dr. Markus Büchler über diese Alternative zu diskutieren. Durch die gut besuchte Veranstaltung führte Mike Berwanger, Sprecher vom Bündnis für Dachau. Als Moderator war Mathias Knappe vom Bayrischen Rundfunk gewonnen worden.

Vor einiger Zeit habe er die Idee noch als „verrückt“ bezeichnet, sagt Garchings Bürgermeister Dr. Dietmar Gruchmann (SPD). Heute findet er sie „charmant“. Das sei eine neue Sichtweise. Mit den Seilbahnen könne man „Strecke machen“, etwa die Verbindung von Garching zu BMW besser bewältigen, ohne zu viel in die Umwelt einzugreifen: „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf. Es muss jetzt was passieren.“

Sein Kollege aus Oberschleißheim, Christian Kuchlbauer (Freie Wähler), findet ebenfalls, man müsse in die Zukunft denken. Dieses Verkehrsmittel habe seinen Reiz und seine „Daseinsberechtigung“. Was momentan nur über die Achse nach München und wieder zurück geht, könnte dann eine direkte Verbindung werden: „Von Oberschleißheim schnell mal zum Einkaufen nach Dachau – das wär‘ doch was.“

Die Stadt Dachau ist am weitesten vorangeschritten in ihren Seilbahn-Überlegungen. Oberbürgermeister Florian Hartmann berichtete, dass der Stadtrat bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben habe. Geprüft werde, wo „Punkt-zu-Punkt- Verbindungen“ liegen, die die Pendler entlasten und die in das bestehende Bus- und Bahnsystem integriert werden können.

Eine informative Einstimmung ins Thema brachte zuvor Dr. Markus Büchler, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Er ist ihr Sprecher für Mobilität. Als Kreisrat im Landkreis München und als ehemaliger Gemeinderat in Oberschließheim kennt er sich zudem mit den regionalen Sorgen und Wünschen aus. Im „Speckgürtel“ um München sei man „schlecht aufgestellt“ mit Querverbindungen: „Alles ist sternförmig angelegt, es gibt keine Ringbahn.“ Appetit machte er auf die Seilbahn mit Bildern und Beispielen aus anderen Ländern: „Die sind experimentierfreudiger.“ Etwa Bozen oder Ankara oder Voralberg. Aber auch in Deutschland gibt es attraktive Vorbilder wie die Rheinüberquerung in Koblenz oder die Verbindung zur Internationalen Gartenausstellung in Berlin. Er sieht nur Vorteile in diesem System: man kann Barrieren überwinden, muss keine Schneisen schlagen, es ist sicher, leise, umweltfreundlich und leistungsstark: Etwa 6000 Menschen können pro Stunde bewegt werden.

Es ist kein Fahrplan nötig, die Gondel kommt und fährt dauernd, ein „Gondelfahrer“ ist nicht nötig, sie fährt vollautomatisch. Und das Wichtigste: Die Baukosten betragen maximal mal ein Zehntel von dem, was ein entsprechender U-Bahn-Bau kostet, sie sind eher vergleichbar mit den Erstellungskosten für eine Tramlinie.

Dazu kommt die schnelle Bauzeit. Aber so schnell nun auch wieder nicht: „Nicht vor drei Jahren ist das realisierbar“, so Büchler, „kein Vergleich zu Vorlaufzeiten von sonst 20 Jahren.“

Alle Diskussionsteilnehmer betonten, dass das Seilbahn-Konzept voll im MVV integriert sein müsse und dass es eine „Ergänzung“ zu ihm ist. Es müssen noch gesetzliche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Die Finanzierung ist vor allem Aufgabe des Freistaates. Es müssen in allen Gemeinden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden – und vor allem, so fasste Moderator Mathias Knappe es zusammen: „Der Druck aus der Bevölkerung muss kommen, damit hier überhaupt was passiert.“

Wenn der Leidensdruck mit dem ÖPNV weiter so wächst, wird das sicher der Fall sein.

Elfriede Peil

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