Parkplätze sind am Dachauer Bahnhof heiß begehrt. Umso ärgerlicher ist es, wenn ein abgemeldetes Schrottauto wie dieser Freisinger BMW monatelang einen Parkplatz blockiert. Foto: hab Die Parkplätze sind der Hebel, um mehr Menschen zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen. Bernhard Seidenath

Seit Monaten rostet am Dachauer Bahnhof ein BMW unbehelligt vor sich hin

Endstation für Schrottautos

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Seit Monaten rostet am Dachauer Bahnhof ein alter 3er-BMW vor sich hin. Für die Entsorgung fühlen sich aber weder Stadt noch Bahn zuständig. In Zeiten, in denen Pendlerparkplätze Mangelware sind, attestiert Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenth der Bahn fehlendes „Problembewusstsein“.

Dachau – Bernhard Seidenath ist zur Zeit richtig sauer auf die Bahn. Nicht nur, dass die S-Bahn chronisch unzuverlässig ist – sie kümmert sich auch nicht um ihre Grundstücke: „Wenn ich mir die Entsorgungskosten für ein Schrottauto sparen will, ohne belangt zu werden, würde ich es am Dachauer Bahnhof auf dem Grund der Deutschen Bahn abstellen!“

Tatsächlich ärgert sich der CSU-Landtagsabgeordnete – zu Recht – über einen seit Monaten am Dachauer Bahnhof stehenden 3er-BMW mit Freisinger Kennzeichen. „Wie Karl Valentins Buchbinder Wanninger“ versuche er seither, das Auto entfernen zu lassen. „Die Zustände sind untragbar und eine große Belastung für Pendler, die jeden Werktag-Morgen ab etwa 8 Uhr am Dachauer Bahnhof erfolglos einen Parkplatz suchen“, schimpft Seidenath.

Allein: Die Sache ist, wie eigentlich immer bei der Deutschen Bahn, komplizierter. Die Parkplätze am Bahnhof gehören nämlich nur zu zirka einem Drittel der Bahn. Zwei Drittel der P+R-Flächen besitzt die Stadt, wobei sie von dem der Bahn gehörenden Drittel zudem Flächen gepachtet hat. Laut Josef Hermann, Hauptamtsleiter im Rathaus, steht der fragliche BMW auf dem Grundstück der DB Station & Service AG, für das die Stadt aufgrund „alter Pachtverträge“ unterhaltspflichtig ist. Was jedoch genau unter diese Unterhaltspflicht fällt, also ob dazu auch gehört, dass der Pächter sich um die Entfernung von Schrottautos kümmern muss, wird Hermann zufolge „noch geklärt“. Sicher, so Hermann, ist nur: „Wenn das Auto auf einer unserer Flächen stehen würde, wäre es gleich weg!“

Das städtische Prozedere mit den alten Karren funktioniert nämlich so: Wird ein Schrottauto auf einer öffentlichen Fläche festgestellt, wird es „plakatiert“, das heißt: Die Verwaltung klebt einen roten Punkt an das Fahrzeug sowie die Aufforderung, das Gefährt doch bitte zu entfernen. Geschieht dies binnen vier Wochen nicht, kümmert sich der Landkreis um die Entsorgung.

Wie berichtet, hatte diese Vorgehensweise vor knapp eineinhalb Jahren noch zu heftigen Diskussionen zwischen Rathaus und Landratsamt geführt. Der für die Abfallentsorgung zuständige Landkreis hatte sich nämlich nicht mehr um die Schrottautos kümmern und diese Aufgabe – mit Verweis auf das Bayerische Straßen- und Wegegesetz – der Stadt aufs Auge drücken wollen. Die Regierung von Oberbayern wurde daraufhin eingeschaltet und um Klärung gebeten. Mittlerweile, so Hermann, habe man sich „geeinigt: Es bleibt, wie’s war. Wir plakatieren die Schrottautos, der Landkreis beseitigt.“

Doch mit der Bahn ist es, das wissen Lokalpolitiker aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, nicht ganz so einfach. In einer seiner vielen E-Mails an den Konzern bat Seidenath fast schon flehentlich, dass „sich die Deutsche Bahn dieses Themas nun endlich ernsthaft annehmen“ möge. Gerade die Parkplätze sind seiner Meinung nach nämlich „der Hebel, um mehr Menschen zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen“. Wer einmal am Dachauer Bahnhof fünf Minuten oder länger erfolglos nach einem Parkplatz gesucht habe, „fährt dann regelmäßig gleich mit dem Auto weiter nach München“. Abgemeldete Autos zu entfernen, die die wenigen kostbaren Parkplätze dauerhaft blockieren, wäre daher eine „kleine, aber kostengünstige Maßnahme“. Bislang gebe es im Bahn-Konzern jedoch leider kein „Problembewusstsein“.

Die Bahn hat sich auf Nachfrage der Heimatzeitung bislang nicht zu dem Fall geäußert. Die Antwort einer für Bahnhofsmanagement zuständigen Bahn-Vertreterin gegenüber Bernhard Seidenath lässt jedoch wenig Enthusiasmus für das Thema erkennen: Man werde das Thema „an die Stadt weiterleiten“ und ansonsten „für Rückfragen selbstverständlich zur Verfügung stehen“.

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