Quelle für Mikroplastik: Herkömmliche Kunstrasenplätze können die Gesundheit gefährden.
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Quelle für Mikroplastik: Herkömmliche Kunstrasenplätze können die Gesundheit gefährden.

Kunstrasen ohne Plastik

Gesünder kicken

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Die Dachauer Sportvereine sollen nicht mehr auf herkömmlichen Kunstrasenplätzen spielen. Dies hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, nachdem bekannt geworden war, dass Sportplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik bilden. Die Gesundheit der Sportler ist wichtiger als etwaige Mehrkosten, war sich das Gremium einig.

Dachau – Aktuell liegen der Stadt zwei Zuschussanträge des TSV 1865 Dachau sowie des ASV Dachau vor, die beide dasselbe Ziel haben: zwei Kunstrasenplätze auf den jeweiligen Sportgeländen bauen zu dürfen – und zwar so schnell wie möglich!

Doch der Stadtrat trat in seiner jüngsten Sitzung erst einmal auf die Bremse – aus gegebenem Anlass: Man dürfe über die jüngsten Nachrichten zu dem Thema „nicht einfach hinweggehen“, betonte etwa Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau). Die „Ergebnisse sind so erschreckend, dass wir nicht so tun dürfen, als hätten wir sie nicht gehört“!

Wie berichtet, hatten Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts in einer neuen Berechnung Sportplätze erstmals als drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland ausgemacht. Den größten Anteil daran haben die Fußball-Kunstrasenplätze – wobei die darauf als Füllstoff aufgebrachten Granulatkügelchen in vielen Fällen aus geschredderten, mit krebserregenden Stoffen belasteten Altreifen bestehen. Den Wissenschaftlern zufolge gelangen in Deutschland durch Sportplätze rund 11 000 Tonnen Mikroplastik im Jahr in die Umwelt.

Für Geißler steht daher fest: „Ich bin nicht gegen Kunstrasenplätze. Aber ich bin gegen umwelt- und gesundheitsgefährdendes Granulat!“ Oberbürgermeister Florian Hartmann war derselben Meinung: Auch die Stadt wolle gesundheitliche unbedenkliche Sportanlagen, dies sei ein „berechtigtes Anliegen“. Und CSU-Fraktionssprecher Florian Schiller betonte kategorisch: „Für uns kommt es nicht mehr in Frage, auf herkömmliche Plätze zu gehen!“

Am schnellsten auf das Thema hatte jedoch die SPD-Fraktion reagiert, die direkt eine fertige Anfrage in die Sitzung mitgebracht hatte, in der sie wissen wollte, „welche Granulate bisher auf Dachauer Kunstrasenplätzen verwendet“ wurden und welche weiteren geplant sind?

Sportreferent Günter Dietz (CSU) kam gut vorbereitet in die Sitzung, indem er bereits einen Schweizer Anbieter für sogenannte unverfüllte Kunstrasen vorschlug. Dieser Anbieter habe schon über 100 Plätze gebaut, unter anderem in Puchheim, und zeichne sich durch einen geringen preislichen Unterschied zu bisherigen Spielflächen aus. Grundsätzlich, so Dietz, sei es sicher „besser, auf einem Rasen ohne Granulat zu spielen“.

Stadtrat Wolfgang Moll (Wir) äußerte sich ebenfalls zu dem Thema, allerdings in seiner Funktion als Vorsitzender des TSV 1865. Dass die Sportler auf einer gesundheitlich unbedenklichen Anlage Sport treiben sollen, sei für ihn „selbstverständlich“. Doch Moll äußerte auch Bedenken: Zum einen gebe es etwa zu den von Dietz vorgeschlagenen Kunstrasenplätzen, die zwar ohne Gummi-Verfüllungen auskommen und dafür aus wesentlich mehr Kunstfasern bestehen, „keinerlei Langzeiterfahrung“. Zum anderen müsste man in der Anschaffung „einen Spagat machen“. Denn: Zwischen 50 000 und 150 000 Euro könnte ein alternatives Produkt teurer werden; da auch der Verein an den Anschaffungskosten beteiligt werden wird, könne er nicht jede Preisklasse mitgehen. Und eine zwar ökologisch verträgliche Korkfüllung komme für ihn – wegen möglicher Schimmelpilzgefahr – ebenfalls nicht in Frage.

Am wichtigsten aber war Moll das Zeitproblem: Während der ASV bereits einen Kunstrasenplatz besitzt und damit eine Verzögerung für den Bau seines zweiten Platzes in Kauf nehmen kann, drängt beim TSV 1865 die Zeit: „Ich möchte unseren Platz vor der Frostperiode für unsere Sportler fertig haben!“ Sonst drohe der „Super-Gau mit unseren Freisportanlagen“.

Die Stadt ist daher bereits in Kontakt mit den Vereinen, wie ihre neuen Kunstrasenplätze nun zeitsparend, aber ökologisch sinnvoll geplant werden können. Dass die Stadt dafür entsprechend höhere Zuschüsse erteilen wird, ist ausgemacht. Selbst die oft sehr kostenkritische CSU wollte namens ihres Sprechers Schiller für die Zukunft festgehalten wissen: „Mit unserer Stimme wird es nur eine umweltverträgliche Lösung geben!“

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