Ärzte-Chef Braun sieht schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Skepsis gegenüber Gratis-Coronatests

In Dachau herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber Gratis-Coronatests. Ärzte-Chef Braun sieht schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Landkreis – In der Corona-Hochphase Anfang April herrschte Hochbetrieb im Gesundheitsamt und an der Teststrecke in Indersdorf: Rund 180 Tests täglich wurden damals gemacht, die Trefferwahrscheinlichkeit lag dabei bei 0,03 Prozent. „Ordentlich“, findet Hans-Ulrich Braun, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Dachau und niedergelassener Arzt in Karlsfeld, daher die Test-Arbeit seiner Kollegen.

Dass nun, knapp zwei Monate später, kostenlose Tests für alle Landkreisbürger – ohne Beschwerden oder sonstige Indikationen – möglich sind, nennt er daher grundsätzlich „erst einmal gut“. Aber, und das ist ihm auch wichtig zu betonen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir bei diesen Tests Treffer bekommen, ist sehr gering.“ Die „Kosten-Nutzen-Relation“, befürchtet er, „dürfte nicht so toll werden“.

Aus diesem Grund bittet er die Bürger auch, „mit gesundem Menschenverstand“ an die Sache ranzugehen“. Denn: „Ein Coronatest bei jemandem, der seit drei Monaten im Homeoffice arbeitet, ansonsten brav mit Maske aus dem Haus geht, größere Menschenansammlungen meidet und ansonsten überhaupt keine Beschwerden hat, für den macht dieser Test eigentlich keinen Sinn.“ Dafür, bekennt Braun, seien die Tests zu teuer, das Geld – laut bayerischen Gesundheitsministerium 200 Millionen Euro – sei „in die Luft geschossen“.

Doch Braun differenziert: Es gebe auf alle Fälle Personengruppen, für die die kostenlosen Tests Sinn machten. „Busfahrer oder Kindergärtnerinnen, einfach Menschen, die viel mit anderen Leuten in Kontakt sind.“ Doch auch hier bittet er, „das Thema mit Vernunft zu behandeln“. Die Tests machten nämlich „nicht immun. Wer zwei Tage nach dem Test auf eine Grillparty geht, kann sich trotzdem anstecken.“ Man dürfe sich daher nicht „in falscher Sicherheit“ wiegen.

Aktuell habe eine Umfrage unter den rund 200 Hausarztpraxen im Landkreis ergeben, dass ein Drittel „es machen würde“, so Braun. Diejenigen Praxen, die sich an dem kostenlosen Test-Angebot – aus Alters- oder sonstigen Sicherheitsgründen – nicht beteiligen wollen, wüssten Braun zufolge aber Bescheid: Sie würden ihre Patienten daher eingehend über das Thema beraten und dann gegebenenfalls an einen Kollegen verweisen, der den Test dann vornimmt. 

Stefanie Zipfer

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