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Ins „Zentrum des Bösen“: Mit diesem geschmacklosen Text wird im Internet ein Ausflug nach Dachau beworben.

In der Gedenkstätte ist man entsetzt

Ausflug zur „Endlösung“: So geschmacklos wurde im Internet für Führungen durch die KZ-Gedenkstätte geworben

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Die Buchungsplattform „Get your guide“ bietet „unvergessliche Erlebnisse auf der ganzen Welt“. Darunter: Touren nach Dachau, wo man im Konzentrationslager die „schrecklichen Geschichten der Endlösung“ hören kann. In der Gedenkstätte ist man entsetzt

Update vom 8. November 2018: Nach dem Bericht in den Dachauer Nachrichten über die unangemessene Bewerbung einer Führung durch die KZ-Gedenkstätte hat die Internetplattform „Get your guide“ ihre Wortwahl behoben

Erstmeldung: So geschmacklos wurde im Internet für Führungen durch die KZ-Gedenkstätte geworben

Dachau – Auschwitz ist bei „Get your guide“ gerade im Angebot. Statt 37,98 Euro kostet die geführte Tagestour durch das „Holocaust-Symbol“ gerade nur 30,38 Euro. Tiefer in die Tasche greifen muss man, wenn man die KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich besuchen will: 148 Euro kostet bei „Get your guide“ der „erschütternde Besuch“, dafür dürfen sich die Teilnehmer „auf einen unkomplizierten Transport zurück nach Wien freuen“.

Wer dies nun schon geschmacklos findet, muss auf der „Get your guide“-Internetseite lesen, was über Dachau geschrieben steht: Für 25 Euro bekommt man dort „die Gaskammer, die Baracken und Zellen“ zu sehen und hört „die schrecklichen Geschichten der Endlösung“. Ebenso erfährt man, „wie die schöne, mittelalterliche Stadt Dachau zum Zentrum des Bösen wurde“.

Was man auf der Internetseite des Tour-Anbieters leider nicht erfährt: Wie das in Berlin ansässige Unternehmen zu diesen Texten kommt. Eine offizielle Anfrage der Heimatzeitung dazu blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet; eine Mitarbeiterin des in Berlin ansässigen Kundencenters, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen will, sagt jedoch: „Ja, die Formulierung ist richtig unsensibel.“ Dies sei intern auch schon thematisiert worden, allerdings „hat jede Tour das gleiche Layout“.

Um Führungen in der KZ-Gedenkstätte Dachau durchzuführen, müssen Referenten Ausbildungskurs absolvieren

Tatsächlich führt „Get your guide“ die Touren vor Ort allerdings nicht selber durch, sondern vermittelt diese weiter an örtliche Firmen beziehungsweise Führer. Im Fall von Dachau ist dies, unter anderen, das Unternehmen „Munich Walk Tours“. Seit Jahren, betont dessen Inhaber Ralph Lünstroth, beschwere er sich über die reißerischen Texte auf der „Get your guide“-Seite. „Ich habe denen sogar schon mal ne Broschüre über die Gedenkstätte Dachau geschickt!“ Auf seiner eigenen Homepage bewirbt er seine „Third Reich Tour“ und die „Dachau Memorial Tour“ jedenfalls wesentlich sachlicher. Sandra Zerbin, Sprecherin in der KZ-Gedenkstätte Dachau, erklärt dies so: Die Gedenkstätte bietet Rundgänge bislang ausschließlich über lizenzierte Referenten, beispielsweise von „Munich Walk Tours“, an. Diese arbeiteten laut Zerbin als sogenannte Freelancer. Die Gedenkstätte gebe diesen Führern kein Skript mit, „jeder macht seine Führung so, wie er es für richtig hält“. Allerdings werde die Qualität der Führungen dadurch sichergestellt, dass jeder lizenzierte Referent einen Ausbildungskurs absolvieren und dann eine Prüfung ablegen müsse. Dieser Kurs wird Zerbin zufolge von der Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit dem Dachauer Forum und der Max-Mannheimer-Studienzentrum abgehalten; nur Absolventen dürfen sich „lizenzierte Referenten der KZ-Gedenkstätte Dachau“ nennen und darin arbeiten.

KZ-Gedenkstätte Dachau will der Sache nachgehen: „Wir prüfen das“

Aufgrund dieser Arbeitsweise ist den Verantwortlichen klar, dass zahlreiche Firmen Touren nicht nur anbieten, sondern auch bewerben. Zerbin jedoch betont, dass in vielen Fällen die Gedenkstätte selbst dazu die Texte liefere beziehungsweise – bei Beanstandungen – die Anbieter stets kooperativ reagierten. Von dem geschmacklosen Werbetext von „Get your guide“ erfuhr die Gedenkstätte erst durch die Heimatzeitung. Zerbin verspricht aber, der Sache sofort nachzugehen: „Wir prüfen das, denn wir müssen wissen: Vom wem kommt so ein Text?“

Ein rechtsradikaler Ex-Grundschullehrer drehte kürzlich außerdem ein Video vor der Gedenkstätte des KZ Dachau - und leugnete vor Schülern den Holocaust. Nun stand er deshalb vor Gericht.

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