Teure Sparverträge: Die Sparkasse führt mit jedem Kunden, der einen Prämiensparvertrag hat, ein Gespräch. hi

Wirbel um Prämiensparvertrag der Sparkasse

Will die Sparkasse ihrer Sparer loswerden?

Vor über 20 Jahren hat Hubert Müller (Name geändert) für seine Tochter einen Prämiensparvertrag bei der Sparkasse abgeschlossen. Nun wollte ihn die Sparkasse zur Kündigung bewegen. Doch er will nicht.

Dachau – Der Dachauer Hubert Müller (Name geändert) ist seit seiner Kindheit Kunde der Sparkasse Dachau. Als seine Tochter Maria (Name ebenfalls geändert) geboren wurde, hat er für sie im Jahr 1998 gemeinsam mit seiner Frau einen Sparvertrag abgeschlossen und jeden Monat etwa 250 Euro darauf eingezahlt. Natürlich bei der Sparkasse Dachau. Doch jetzt ist Hubert Müller sauer auf die Sparkasse.

Diese hat ihn und seine Tochter zum Kundengespräch gebeten und, so berichtet es Müller, in Aussicht gestellt, dass sie in den nächsten beiden Quartalen den Prämiensparvertrag der Tochter kündigen möchte. „Der Vertrag bringt meiner Tochter jedes Jahr eine hohe Prämie, circa 1500 Euro“, so Müller.

Im Gespräch teilte die Kundenbetreuerin Müller mit, dass sie eine Liste mit allen Kunden erhalten habe, die vor Jahren einen Prämiensparvertrag abgeschlossen hatten, und diese ansprechen solle. Müller hatte in dem Gespräch den Eindruck, dass die Sparkasse die für sie teuren Sparverträge loswerden wolle, die Kunden sollten in dem Gespräch zur Eigenkündigung motiviert werden. Als „Belohnung“ bietet die Sparkasse einen einjährigen Sparbrief mit zwei Prozent Verzinsung und eine kostenlose Depotführung an. Die Prämie des Sparvertrags dagegen beträgt bei Müller inzwischen 50 Prozent auf die jährlich eingezahlte Sparsumme. So steht es im Vertrag, der den Dachauer Nachrichten vorliegt.

Sparkassen berufen sich bei Prämiensparverträgen auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das es Banken erlaube, hoch verzinste Prämiensparverträge zu kündigen, wenn die höchste Prämienstufe erreicht sei (wir berichteten). Weil der Vertrag von Hubert Müller, den er für seine inzwischen volljährige Tochter abgeschlossen hatte, jedoch eine feste Laufzeit hat, sei eine Kündigung der Sparkasse nicht zulässig, argumentieren Verbraucherschutzzentralen.

Im Kundenfinanzstatus von Herrn Müller, der den Dachauer Nachrichten ebenfalls vorliegt, hat die Sparkasse Dachau eine Laufzeit des Vertrags zum 1. November 2097 eingetragen. Deswegen, so vermutet Müller, versucht die Sparkasse eine Eigenkündigung bei den Prämiensparverträgen zu erreichen. Müller findet dieses Vorgehen nicht in Ordnung. „Ich will durch den Bericht in der Heimatzeitung andere Kunden vor einer leichtfertigen Eigenkündigung warnen“, sagt der Dachauer. Er sorgt sich, dass gerade ältere Kunden ihrem Kundenbetreuer bei der Sparkasse weiter vertrauen und dazu gedrängt werden könnten, ihre lukrative Kapitalanlage aufgeben.

Die Sparkasse Dachau bestätigt gegenüber den Dachauer Nachrichten, dass sie mit jedem Kunden, der einen Prämiensparvertrag hat, ein Gespräch geführt hat oder führen wird. Sabrina Steinau, Abteilungsleiterin Marketing der Sparkasse Dachau, berichtet über viele positive Reaktionen ihrer Kunden. „Viele sind froh, dass sich die Sparkasse meldet, woanders gab es nur einen Brief mit einer Kündigung“, so Steinau.

In den Gesprächen gehe es darum, die Gesamtvermögenssituation eines Kunden zu erfassen und zu überlegen, ob das Prämiensparen für ihn noch sinnvoll sei. Die Gesamtrendite der Anlage würde bei Erreichen der höchsten Prämienstufe von Jahr zu Jahr sinken. „Die Entscheidung, ob der Kunde seinen Prämiensparvertrag kündigen möchte, liegt jedoch beim Kunden“, so Steinau.

Die Sparkasse Dachau selbst habe bisher noch keine Kündigung ausgesprochen. Ob dies in Zukunft der Fall sein werde, konnte Steinau nicht sagen.

Zuletzt hatte die Sparkasse sechs ihrer 23 Filialen im Landkreis Dachau bis auf weiteres für den Kundenverkehr geschlossen.

hi

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Einbahnregelung der südlichen Uhdestraße funktioniert nicht
Einbahnregelung der südlichen Uhdestraße funktioniert nicht
Maskenpflicht an den Schulen im Landkreis: „Schüler und Eltern sind sehr kooperativ“
Maskenpflicht an den Schulen im Landkreis: „Schüler und Eltern sind sehr kooperativ“
Stadt kann Autoposer-Problem nicht lösen
Stadt kann Autoposer-Problem nicht lösen
Corona-Fälle in Dachau Süd - Quarantäne für Grundschüler und Kitakinder
Corona-Fälle in Dachau Süd - Quarantäne für Grundschüler und Kitakinder

Kommentare