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Das gute alte Sparbuch: Zinsen bringt es längst nicht mehr.

Sparkassenchef rät

Auch in jungen Jahren an die Rente denken

Gerade wenn man jung ist, denkt man oft nicht allzu intensiv über die Zeit der Rente nach. Und doch ist es genau das, was Sparkassen-Vorstandschef Hermann Krenn dringend empfiehlt. Denn sonst könnte in einigen Jahrzehnten das böse Erwachen kommen.

VON PROF. BERNHARD HIRSCH

Dachau – Hermann Krenn, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Dachau, sorgt sich um die Altersvorsorge der Dachauerinnen und Dachauer. In einem Pressegespräch berichtete der Sparkassenchef von vermehrt auftretenden Problemen bei Kunden, die im Rentenalter und damit zu spät merken würden, dass das dann noch vorhandene Geld nicht mehr reicht.

Krenn mahnt deswegen zu einer bewussteren „Vorsorgekultur“ und fordert auch vom Staat, das Sparen wieder mehr zu fördern. Krenn leitet die Verpflichtung seiner Sparkasse, bei seinen Kundinnen und Kunden für eine neue Vorsorgekultur zu werben, auch aus dem öffentlich rechtlichen Auftrag der Sparkassen ab.

Exorbitant steigende Immobilienpreise und Mieten, ein aktuell historisch niedriges Zinsniveau, aber auch erhebliche Zweifel, ob der Staat aufgrund demographischer Entwicklungen das aktuelle Rentenniveau wird auf Dauer aufrecht erhalten können, würden auch im reichen Landkreis Dachau eine problematische Kombination von Faktoren ergeben, die Menschen in nicht so weiter Zukunft vor finanzielle Herausforderungen stellen kann, derer sie sich nicht immer bewusst sind.

Krenn zeigte Analysen der Immobilienabteilung seiner Sparkasse, aus denen hervorgeht, dass sich Kaufpreise für Eigentumswohnungen im Landkreis in den vergangenen acht Jahren mehr als verdoppelt haben.

Der Bankenexperte rechnet auch für die Zukunft mit steigenden Kaufpreisen, diese Entwicklung gelte auch für Mieten. So würden im Landkreis neue Objekte inzwischen mit 19 Euro pro Quadratmeter vermietet. Viele Kaufobjekte könnten nur durch die aktuell historisch niedrigen Zinsen finanziert werden. Würde sich aber das Zinsniveau nach Ablauf der Zinsbindung erhöhen, könnte dies bei der Anschlussfinanzierung zu ernsten finanziellen Problemen bei den Kreditnehmern führen.

Krenn rät deswegen zur Vorsorge und zu Gesprächen mit seinen extra für das Thema geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch mit Experten anderer Banken, die im Dachauer Landkreis aktiv sind. Gerade die jüngere und mittlere Generation sei sich nicht immer bewusst, welche Folgen das niedrige Zinsniveau für die Altersvorsorge habe.

Die durch das Ausbleiben von Guthabenzinsen entstehende Finanzierungslücke im Alter sollte nicht durch weniger, sondern durch mehr Sparen verringert werden. Auch Sparformen weg vom Sparbuch oder Bundesschatzbriefen, die keine Zinsen mehr brächten, würden an Bedeutung gewinnen.

Krenn verweist in diesem Zusammenhang auf die im internationalen Vergleich geringe Neigung der Deutschen, in den Aktienmarkt zu investieren, und auch auf die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern.  

Er äußerte auch die Vermutung, dass sich besonders die junge, konsumorientierte Generation der Folgen des Nicht-Sparens nicht bewusst sei. Er empfiehlt: „Es lohnt sich, früh mit dem Sparen anzufangen und kontinuierlich weitermachen, auch wenn es kleine Beträge sind!“

Aber auch den Staat, der in den vergangenen zwölf Jahren durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank mehr als 430 Milliarden Euro gespart habe, nimmt er in die Pflicht: „Der Staat soll das Sparen fördern, und breite Bevölkerungsschichten sollen davon profitieren!“, sagt Krenn. Dadurch könne der Staat einen Teil seiner Ersparnisse an die Bürger zurückgeben.

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