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Ein schaurig-lustiger Spaß: Kinder lieben Halloween, schließlich dürfen sie sich verkleiden und bekommen Süßigkeiten. In vielen Einrichtungen (wie hier im Indersdorfer Haus für Kinder) gibt es alljährliche Halloween-Partys.

Halloween wird in Stadt und Landkreis Dachau immer beliebter

Spaß, Vandalismus und Ärger an Halloween

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Halloween wird auch in Stadt und Landkreis immer beliebter. Doch der gruselige Spaß freut nicht alle: Die Dachauer Polizei muss extra Streifen fahren. Und die Kreisheimatpflegerin beklagt, dass durch den Zombie-Kult das traditionelle Totengedenken in Vergessenheit gerät.

Dachau – Wenn es am heutigen Donnerstagabend dunkel wird, ziehen wieder zahllose kleine Hexen, Gespenster und Monster durch die Straßen der Region. Die kleinen Grusel-Gestalten klingeln an Haustüren und fordern mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ leckere Süßigkeiten ein.

Das Problem: Das „Saure“, also die Streiche, liefern im Regelfall Personen, die dem Grundschulalter längst entwachsen sind. Günter Findl, Sprecher der Dachauer Polizei, spricht schlicht von „purem Vandalismus“. Denn während die Kleinen am Abend, meist begleitet von ihren Eltern, wieder friedlich heimgehen, drehen die Chaoten erst richtig auf. Für die Polizei heißt das: „Wir schauen an Halloween schon speziell und fahren nachts gezielt Streife.“ Doch trotz der Polizeipräsenz lassen sich nicht alle Straftaten verhindern: Im Vorjahr zählte die Dachauer Inspektion in der Großen Kreisstadt acht Fälle von Sachbeschädigung – in Form von verschmierten Hauswänden und zerkratzten Autos – und im Jahr 2017 fünf. Einmal sei auch ein Hausfriedensbruch angezeigt worden: Ein Mann hatte einer Gruppe Kinder partout nichts Süßes geben wollen, woraufhin die sich weigerten, das Grundstück zu verlassen; am Ende musste die Polizei anrücken.

Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter empfiehlt den Kindern daher, sich „schön anzuziehen und ein nettes Sprücherl zu sagen, das öffnet die Herzen“. Ansonsten gibt Unger-Richter jedoch zu, in der Halloween-Frage zwiegespalten zu sein. Denn: „Brauchtum ist etwas, was man braucht. Und im Moment scheinen die Leute Halloween zu brauchen.“ Wenn Halloween und das Totengedenken an Allerseelen beziehungsweise an Allerheiligen nebeneinander bestehen würden, hätte sie mit dem US-Import auch kein Problem. Allerdings, findet Unger-Richter, gerate gerade bei jungen Menschen der stille Feiertag gegen die Grusel-Feierei aktuell sehr ins Hintertreffen. Und dies sei schade, da „Totengedenken ein wichtiger Teil der Gesellschaft sei. Die Verehrung der Toten heißt ja auch, dass wir wissen, wo wir herkommen“.

Ganz neu ist es übrigens nicht, dass Kinder von Haus zu Haus ziehen und Gaben fordern; Sternsinger etwa sind bekannte Vertreter dieser sogenannten Heischebräuche. Und auch die gruselig geschnitzten Kürbisköpfe sind nichts völlig Neues: Unger-Richter erinnert sich, dass sie in ihrer Kindheit aus Zuckerrüben sogenannte Rübengeister geschnitzt habe.

Alles in allem also könne man Halloween „nicht in einem Satz als gut oder schlecht abqualifizieren“. Die Kinder, findet Unger-Richter, sollen sich am heutigen Donnerstagabend „verkleiden und Spaß haben“. Dabei sollen sie aber bitte nicht vergessen, worum es am morgigen Allerheiligen geht.

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