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Wind und Wetter sind Eisläufer in Dachau ausgeliefert. Doch bald wird aus dem Freiluft- ein Hallensport: In Zeiten immer wärmer werdender Winter will die Stadt mit dem Bau einer Halle langfristig ihren Eissport sichern.    

Eissport in Dachau

Halle oder überdachte Freieisfläche? Die Entscheidung steht nun fest

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Halle oder freie, überdachte Eisfläche? In Zeiten des Klimawandels kam für die Dachauer Stadträte nur eine Lösung für den „Sportpark an der Gröbenrieder Straße“ in Frage.

 

Dachau – Der „Sportpark an der Gröbenrieder Straße“ nimmt Gestalt an: In den Süden des ASV-Geländes wird nun, zwischen Stadtwald und Tennisplätzen, definitiv eine Eishalle gebaut. Die bis zuletzt diskutierte Idee, die Anlage nur als überdachte Freieisfläche zu planen, ist – in Zeiten des Klimawandels – dagegen endgültig vom Tisch. „Das dauert Monate und was dabei rauskommt, kann ich Ihnen heute schon sagen!“ Mit diesen Worten hatte Bauamtsleiter Moritz Reinhold den Wunsch von CSU und Grünen im Herbst kommentiert, doch ein Gutachten erstellen zu lassen, das final die Frage beantworten sollte, was in Hinblick auf Energieverbrauch und Kosten günstiger sei: eine überdachte Freieisfläche oder eine moderne Eishalle?

10 000 Euro teures Gutachten

Nun, knapp sechs Monate später, liegt das Ergebnis des 10 000 Euro teuren Gutachtens vor. Und es ist wenig überraschend: Eine einfache, überdachte Eissportanlage wäre – da sie ja keine Außenwände braucht – mit geschätzten 10,5 Millionen Euro wesentlich günstiger als eine Halle, deren Baukosten mit mindestens 12,2 Millionen Euro beziffert werden. Allerdings: Weil eine geschlossene Halle witterungsunabhängig ist, kann sie erstens wesentlich planbarer genutzt werden, zweitens ist der Kältebedarf für den Schutz der Eisfläche signifikant niedriger und entsprechend, drittens, der Energiebedarf für die Kälteerzeugung geringer. Kurz, so fasst es das Gutachten des Dresdner Instituts für Luft- und Kältetechnik zusammen: „Aus Sicht der gewonnenen Erkenntnisse wird die Umsetzung einer geschlossenen Eissporthalle empfohlen.“

„Hier im Raum sind keine Klimawandel-Leugner. Wir müssen davon ausgehen, dass sich das Wetter weiter ändert“

Die CSU-Stadträte, die sich in den vergangenen Wochen sehr besorgt um den städtischen Haushalt gezeigt hatten, sprachen sich denn auch – wie der Rest des Finanzausschusses – für die Empfehlung des Gutachters aus: „Hier im Raum sind keine Klimawandel-Leugner. Wir müssen davon ausgehen, dass sich das Wetter weiter ändert“, so CSU-Sprecher Florian Schiller. Daher sei man mit einer, wenn auch teureren Halle, „auf der sicheren Seite“. Das „Mehr an Qualität“, das man den Bürgern mit einer geschlossenen Halle biete, sei „es wert“.

Sören Schneider (SPD) betonte, dass man sich grundsätzlich die Frage stellen müsste, ob man langfristig Eissport in Dachau wolle. Falls ja, „dann müssen wir es gscheit machen“! Seine Fraktionskollegin Christa Keimerl allerdings bedauerte, dass man in der ganzen Diskussion „leider zwei Jahre verloren“ hätte – schließlich seien alle Argumente, die für eine geschlossene Halle und gegen eine offene Eisfläche sprechen, schon erläutert worden, als noch der Standort Wallbergstraße diskutiert worden sei.

Unglücklich mit dem Standort

Apropos Standort: Der von der ÜB zuletzt vorgebrachte Vorschlag, das Eisstadion an den Bahnhof zu bauen – auf die Fläche des zwischenzeitlich gecancellten Parkhauses – ist ebenfalls vom Tisch. „Nicht umzusetzen“, attestierte das Bauamt der Idee, weshalb sich selbst Oberbürgermeister Florian Hartmann und seine SPD am Ende fügten und den Eishallen-Standort auf dem ASV-Gelände anerkannten. Hartmann betonte aber, „trotzdem der Meinung zu sein, dass das eine falsche Entscheidung ist“; er hätte die Fläche gerne für die Entwicklung des ASV genutzt. Auch die Problematik fehlender Parkplätze für eine Eishalle im Süden des ASV-Geländes, die Beengtheit des Grundstücks sowie das Abholzen von Wald brachten Schneider und Volker C. Koch nochmal aufs Tapet.

Für Stefan Steurer, Vorsitzender des ESV Dachau, ist die finale Entscheidung, eine Halle zu bauen, die „einzig logische“. Der Verein freue sich daher, dass das Gutachten „unsere bisher geäußerten Argumente voll bestätigt“. Klar, gibt Steurer zu, ist er mit dem Standort beim ASV nicht zufrieden: „Wir hatten immer die Fläche an der Wallbergstraße favorisiert.“ Dennoch hofft er, dass nun „keine weiteren Probleme mehr auftauchen“ und die Planungen schnell voranschreiten.

Unglücklich über den Eishallenbau scheint jetzt nur noch die Tennisabteilung des ASV zu sein. Abgesehen davon, dass den Spielern für den Bau der Eishalle vier Plätze genommen werden, müssen sie ihre Matches bald in nächster Nähe zu einer massiven Wand bestreiten. Im Sommer, wenn die Sonne tief steht, dürften die Plätze ab 18 Uhr im Schatten liegen. ASV-Vorsitzender Andreas Wilhelm wird daher seine Ballsportler ins Exil schicken müssen: Für ein paar Spiele werde er versuchen, „dass wir bei den Tennisfreunden unterkommen“.

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