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Schrittweiser Abschied von der Vergangenheit: Oberbürgermeister Florian Hartmann auf dem ehemaligen Holzlagerplatz des MD-Papierfabrikgeländes.

Isaria Wohnbau: Werbung in eigener Sache

MD-Investor startet Charme-Offensive

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Wie verlässlich ist die Isaria Wohnbau AG, wenn es um die Gestaltung des früheren MD-Geländes geht? Um diese Frage zu beantworten, hat Isaria-Vorstand Gerhard Wirth den Stadtrat besucht.

Dachau – „Schaffung von Transparenz bezüglich Isaria als möglichen Partner für einen städtebaulichen Vertrag auf dem ehemaligen MD-Gelände“: So lautete der Auftrag, den Gerhard Wirth, Vorstandsmitglied der Isaria Wohnbau AG, für seinen Auftritt am Dienstagabend vor dem Dachauer Stadtrat zu erfüllen hatte. Und um es vorweg zu nehmen: Wirth war überzeugend und die Stadträte – fürs Erste – befriedigt.

Zuvor aber hatte es tatsächlich eine Reihe offener Fragen gegeben, die Stadtrat Peter Gampenrieder (ÜB) an das Wohnungsbauunternehmen, das seit 2017 Eigentümer des rund 17 Hektar großen, früheren MD-Papierfabrikgeländes ist, formuliert hatte. Aus Gampenrieders Sicht sei die Zusammenarbeit mit Isaria und dabei vor allem der noch zu schließende städtebauliche Vertrag „einer der wichtigsten Verträge, die die Stadt in den letzten Jahren geschlossen hat beziehungsweise in den nächsten Jahren schließen wird“.

Dabei interessierte sich Gampenrieder vor allem für die Muttergesellschaft der Isaria, den US-amerikanischen Private-Equity-Investor Lone Star. Welche Pläne verfolge Lone Star mit Isaria? Stimmt es, dass Lone Star die Isaria noch in diesem Jahr verkaufen wolle? Weitere Fragen lauteten: Welche Isaria-Gesellschaft steht aktuell im Grundbuch? Ist der Dachauer Bauunternehmer Herbert Ullmann immer noch an der Isaria beteiligt? Und vor allem: Ist es richtig, dass dem im Vorjahr publizierten Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro ein Verkaufsvolumen der auf dem MD-Gelände geplanten Einheiten in Höhe von lediglich rund 669 Millionen Euro gegenüberstehen?

Wirth blieb fast keine Antwort schuldig. Vorweg schickte er aber die Bitte um Vertrauen, die sei nämlich – getreu einem alten Slogan der Deutschen Bank – „der Anfang von allem“. Wirth zufolge könne es Vertrauen zudem „nicht zwischen Institutionen, sondern nur zwischen Personen geben“. Seiner Meinung nach laufe die Zusammenarbeit seines Unternehmens mit der Stadt „super“, weshalb er die Stadträte auch bat, diese Tatsache „in die Stadt zu tragen“. Und dass Isaria ein vertrauenswürdiger Partner sei, habe sein Unternehmen längst bewiesen – unter anderem beim Bau des Diamalt-Parks in Allach. „Wir machen so was nicht zum ersten Mal“, betonte Wirth.

Was Lone Star betreffe, sei es von Anfang an klar gewesen, dass dieser „strategische Investor nach einer gewissen Zeit wieder den Ausstieg“ suche. Lone Star habe aber „erheblich dazu beigetragen, dass sich die Geschäftstätigkeit von Isaria positiv entwickelt“ habe. Und selbst wenn Lone Star aussteige, „werden wir sicher nicht an jemanden veräußern, der weniger potent ist“. Jeder neue Eigner werde „weitermachen wie Lone Star. Alles andere wäre doch unternehmerischer Wahnsinn.“ Im Grundbuch eingetragen sei ohnehin die Isaria Dachau Entwicklungsgesellschaft (DEG) mbH.

Just bei dieser Isaria DEG steht Wirth zufolge übrigens ein Personalwechsel an: Der Dachauer Bauunternehmer Herbert Ullmann, der immer ein schwieriges Verhältnis zum Stadtrat hatte und zuletzt nur noch Teilhaber bei der Isaria DEG war, wird laut Wirth „ab Ende des Jahres nicht mehr beteiligt sein“. Die Trennung habe jedoch „nichts mit der Person“ zu tun, „es geht nur um die Größe des Projekts“, so Wirth.

Bei allem Entgegenkommen zog der charmante Isaria-Vertreter, der über genaue Zahlen leider partout nicht sprechen wollte, aber auch eine rote Linie: Eine Bankbürgschaft für die Beseitigung der Altlasten könne es nicht geben. Sein Unternehmen gehe ohnehin mit einem „exorbitanten Betrag“ in Vorleistung; dazu noch eine Bankbürgschaft – die ja wie ein Darlehen zu betrachten wäre – für die Altlastensanierung abzugeben, „das können wir nicht leisten. Da bitte ich um Verständnis!“

Im Gegenzug baten aber auch die Stadträte um Verständnis, dass in der Großen Kreisstadt doch bitte kein „Loch wie in Karlsfeld“ entstehe. Oberbürgermeister Florian Hartmann brachte für diesen Punkt vertraglich fixierte Bauverpflichtungen ins Spiel, wobei Wirth wiederum versprach, natürlich „keine Ruine hinterlassen“ zu wollen. Sobald Baurecht bestehe, werde Isaria anfangen, zu bauen. OB Hartmann fand, dass dies doch ein „gutes Angebot“ sei. Am Ende, zeigten er und die Stadträte sich optimistisch, „kommen wir schon zusammen“.

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